Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Reiterstatue Gottfrieds von Bouillon
- Fassade der St.-Jakobskirche auf dem Coudenberg
- Inschrift auf dem Sockel
Die Geschichte des Ortes
Im Zentrum des Königsplatzes hebt Gottfried von Bouillon ein Banner über den Kopf. Doch am wichtigsten Tag dieses Platzes stand der bronzene Reiter noch nicht hier. Am einundzwanzigsten Juli eintausendachthunderteinunddreißig errichtete man vor der St.-Jakobskirche auf dem Coudenberg eine provisorische Galerie mit Säulen. Unter einem weiß-goldenen Baldachin stellte man einen Thron auf, und auf den Sessel schrieb man: „Einigkeit macht stark.“ Die Abgeordneten des Nationalkongresses warteten auf einen Mann, der vorerst ein ausländischer Prinz blieb.
Nach der Revolution erklärte Belgien seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich der Niederlande und nahm eine Verfassung an. Der neue Staat hatte noch keinen König, und Willem I. wollte den Verlust der südlichen Provinzen nicht anerkennen. Der Kongress wählte Leopold von Sachsen-Coburg, einen vierzigjährigen deutschen Fürsten, der in England lebte. Er war der Witwer der britischen Thronerbin Prinzessin Charlotte von Wales; sein englisches Haus, sein Personal und seine Verpflichtungen wurden aus einer lebenslangen Rente bestritten, die das Parlament nach der Heirat bewilligt hatte.
Leopold zögerte. Die belgische Verfassung ließ dem König weniger Eigenständigkeit, als er sich wünschte, die Grenzen des Landes waren umstritten, und die Armee setzte sich noch aus früheren Einheiten und Freiwilligen zusammen. Vor seiner Abreise erklärte er, dass er nach der Annahme des belgischen Throns die britische Rente nicht für sich selbst in Anspruch nehmen werde. Daraus durfte man Schulden begleichen, das Anwesen Claremont House unterhalten, seinen Bediensteten Pensionen zahlen und die wohltätigen Zahlungen der verstorbenen Prinzessin Charlotte von Wales fortführen; der Rest sollte an die britische Staatskasse zurückgegeben werden. Er reiste aus einem abgesicherten englischen Leben nach Brüssel, um ein Amt anzunehmen, dessen Bestehen von einigen laut ausgesprochenen Zeilen abhing.
Leopold ritt in der Uniform eines belgischen Generals auf den Platz. Er stieg bei der Galerie ab. Der Regent Surlet de Chokier, der vorübergehend die Aufgaben des Staatsoberhaupts wahrnahm, legte seine Befugnisse vor dem Kongress nieder. Dann schwor Leopold, die Verfassung und die Gesetze des belgischen Volkes zu achten, die Unabhängigkeit des Landes und die Unversehrtheit seines Gebiets zu bewahren. Eine Krone setzte man ihm hier nicht auf. König der Belgier wurde er nach diesem Eid vor den Vertretern des Landes.
Man wählte den Platz nicht wegen einer bequemen freien Fläche. Er wurde zwischen eintausendsiebenhundertsechsundsiebzig und eintausendsiebenhundertzweiundachtzig an der Stelle der abgetragenen Ruinen des Coudenberg-Palasts errichtet. Auf dem geräumten Gelände beschlossen die Stände von Brabant, ihrem Gouverneur Karl von Lothringen ein Denkmal zu setzen. Daher auch der Name Königsplatz: nach dem französischen Vorbild repräsentativer Plätze, die für Statuen von Herrschern, feierliche Einzüge und Eide bestimmt waren. Eintausendachthundertfünfzehn legte Willem I. hier bereits einen Eid ab. Sechzehn Jahre später errichteten belgische Abgeordnete vor derselben Kirche eine neue provisorische Galerie und ließen den neuen Monarchen Treue zu der von ihnen verfassten Verfassung versprechen.
Zwölf Tage nach der Zeremonie marschierte die niederländische Armee in Belgien ein. Die belgischen Einheiten wichen zurück, und Leopold wandte sich an den französischen König um militärische Hilfe. Die französische Armee überschritt die Grenze; Willem I. zog seine Truppen zurück, um einen großen Krieg zu vermeiden. Die endgültige Anerkennung zog sich bis eintausendachthundertneununddreißig hin. Die Niederlande erkannten damals das unabhängige Belgien an, und die Belgier mussten einen Teil von Limburg und Luxemburg abtreten. Leopold behielt den Thron und blieb bis zu seinem Tod König.
Gottfried von Bouillon nahm den Mittelpunkt des Platzes erst eintausendachthundertachtundvierzig ein. Er war Herzog von Niederlothringen und einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs. Nach der Eroberung Jerusalems eintausendneunundneunzig, die von einem Massenmord an den Einwohnern begleitet war, wählten ihn die Kreuzfahrer zum Herrscher der Stadt. Die Inschrift auf dem Sockel nennt Gottfried den ersten König von Jerusalem, obwohl er den Königstitel nicht annahm; der erste gekrönte König wurde sein Bruder Balduin I. von Jerusalem.
Der belgische Staat bezahlte das Denkmal. Katholische Politiker sahen in Gottfried einen Verteidiger des Glaubens, liberale einen Akteur der gemeinsamen christlichen Geschichte; mehrere aufeinanderfolgende Kabinette unterstützten den Auftrag. Das junge Land brauchte einen Helden aus der Vergangenheit der Gebiete, die es nun vereinte. Für ihn wählte man den Platz, auf dem Leopold bereits den Eid geleistet und eine neue Dynastie begründet hatte.
Die provisorische Galerie wurde abgebaut. Alle folgenden belgischen Könige legten ihren Eid bereits im Parlament ab. Auf dem Platz blieben von Leopolds Zeremonie die Fassade der Kirche, vor der der Thron stand, und ein Datum: Seit eintausendachthundertneunzig wird der einundzwanzigste Juli als Belgischer Nationalfeiertag begangen.
Praktisch vor Ort
Offener Stadtplatz; Verkehr, Straßenbahnen und Arbeiten prüfen Sie vor Ort.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Gehen Sie um das Zentrum des Platzes herum und betrachten Sie das Ensemble von mehreren Seiten; der Verkehr ringsum erfordert Aufmerksamkeit.
