Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Backsteinmauern
- Untere Bänke
- Galerie
Die Geschichte des Ortes
Die puritanische Gemeinde errichtete dieses Backsteinhaus im Jahr siebzehnhundertneunundzwanzig und vereinte unter einem Dach Gottesdienst und die gemeinsamen Angelegenheiten der Stadtbewohner. South heißt es nach einem früheren Gemeindehaus am damaligen Stadtrand; die Bezeichnung Old setzte sich nach dem Entstehen einer weiteren südlichen Gemeinde durch. Unter den kolonialen Sälen Bostons war es an Größe unübertroffen, und die unteren Bänke sowie die Galerie fassten ein großes Publikum. Später machte die britische Kavallerie den Raum zu einer Reithalle und verwendete Kanzel und Bänke als Brennstoff; deshalb wurden die heute sichtbaren unteren Reihen erst im Jahr neunzehnhundertsiebenundvierzig nach Plänen aus dem achtzehnten Jahrhundert angefertigt.
Um Viertel vor sechs am Abend des sechzehnten Dezember siebzehnhundertdreiundsiebzig kehrt Francis Rotch in diesen Saal zurück. Er ist dreiundzwanzig Jahre alt. Er ist Quäker und ein junger Vertreter einer Familie, die ihren Lebensunterhalt mit Walfang und Seehandel verdient. Das Schiff der Familie, die Dartmouth, hatte Walöl nach London gebracht und auf der Rückfahrt einhundertvierzehn Kisten Tee der Britischen Ostindien-Kompanie an Bord genommen. Nun warten rund fünftausend Menschen, die sich drinnen und auf der Straße versammelt haben, auf das Schicksal des Schiffes und der Ladung.
Eine Abgabe auf Tee hatte es schon zuvor gegeben. Ein neues Gesetz erlaubte der Britischen Ostindien-Kompanie, ihn in den Kolonien direkt und billig zu verkaufen. Der Käufer hätte dennoch die vom Parlament von Großbritannien festgesetzte Abgabe gezahlt, in dem die Kolonisten keine Vertreter hatten. Den günstigen Tee anzunehmen bedeutete, das Recht des Parlaments anzuerkennen, solche Abgaben festzusetzen; zugleich erhielten die örtlichen Händler einen riesigen privilegierten Konkurrenten.
Die Einwohner Bostons beschlossen, dass der Tee nach England zurückkehren müsse, ohne an Land zu gehen. Rotch erklärte sich bereit, die Dartmouth zurückzuschicken, doch der Zoll verweigerte ihm die Ausreisegenehmigung. Zwanzig Tage nach der Ankunft konnten die Beamten die Ladung beschlagnahmen und selbst löschen. Auch war es nicht möglich, eigenmächtig am Fort und an den Kriegsschiffen an der Hafeneinfahrt vorbeizufahren. Rotch sagte der Versammlung offen, eine solche Fahrt würde ihn ruinieren. Die Menge antwortete, er werde auf eigenes Risiko versuchen, den Tee zu löschen.
Für diesen Streit wählte man das Old South Meeting House. Puritaner errichteten das Backsteingebäude im Jahr siebzehnhundertneunundzwanzig für Gottesdienste und gemeinsame Versammlungen. Das Wort „South“ stammt vom ersten Gemeindehaus, das am damaligen südlichen Rand Bostons stand; „Old“ nannte man es erst nach dem Entstehen einer weiteren Gemeinde, der New South. Im kolonialen Boston war dies der größte Saal. Als die Faneuil Hall die Menschen, die über das Schicksal des Tees entscheiden wollten, nicht fassen konnte, verlegte man die Versammlung hierher. Die Organisatoren nannten sie eine „Versammlung des Volkes“: Es war keine gewöhnliche Stadtversammlung mehr, zu der nur ein enger Kreis zugelassener Wähler Zutritt hatte.
Am Morgen des sechzehnten Dezember schickten die Versammelten Rotch zum königlichen Gouverneur Thomas Hutchinson. Der Gouverneur setzte sich für die Durchsetzung der Zollvorschriften ein und befand sich in einem Landhaus in Milton, etwa zehn Meilen von der Stadt entfernt. Rotch legte den Weg hin und zurück zurück und brachte die endgültige Ablehnung: Hutchinson werde das Schiff nicht ohne Genehmigung des Zolls auslaufen lassen, und der Zoll werde keine Genehmigung erteilen, solange der Tee an Bord bleibe.
Der Vorsitzende der Versammlung, Samuel Adams, ein Organisator des Widerstands, der die Rücksendung der Ladung ohne Zahlung der Abgabe erreichen wollte, sagte: „Diese Versammlung kann nichts Weiteres tun, um das Land zu retten.“ Später hielt man den Satz für ein vorher verabredetes Signal, obwohl es keinen zuverlässigen Beweis für eine solche Absprache gibt. Die Menschen begannen hinauszugehen. Etwa einhundertfünfzig Männer, manche mit rußgeschwärzten Gesichtern und in einer Nachahmung indigener Kleidung, machten sich zum Griffin’s Wharf auf. Innerhalb von drei Stunden brachen sie dreihundertzweiundvierzig Kisten von drei Schiffen auf und warfen sie in den Hafen. Die übrige Ladung und die Schiffe selbst beschädigten sie absichtlich nicht: Rotch verlor den Tee, der ihm nicht gehörte, behielt aber die Dartmouth.
Die Beteiligten gingen nach Hause, ohne ihre Mitstreiter zu nennen. Eine Entlarvung drohte mit einer Verhaftung wegen Hochverrats und mit Klagen der Britischen Ostindien-Kompanie; einige bewahrten das Geheimnis noch viele Jahre lang. Das Parlament bestrafte ganz Boston: Es schloss den Hafen bis zur Erstattung des Teewerts, schränkte die örtliche Selbstverwaltung und Versammlungen ein und entsandte neue Truppen.
Während der anschließenden britischen Besetzung nahmen Kavalleristen genau diesen Saal in Besitz. Sie rissen Kanzel und Bänke heraus, verwendeten das Holz als Brennstoff, richteten auf der Galerie eine Bar ein und machten den Raum zu einer Reitschule. Die Gemeinde konnte das Innere erst im Jahr siebzehnhundertdreiundachtzig wiederherstellen. Die meisten unteren Bänke, die heute im Inneren stehen, wurden im Jahr neunzehnhundertsiebenundvierzig nach einem Plan aus dem achtzehnten Jahrhundert angefertigt. Die Menge um Rotch und Adams befand sich zwischen diesen Backsteinmauern, saß jedoch auf anderen Bänken.
Praktisch vor Ort
Täglich 10:00-17:00 über Revolutionary Spaces.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Besichtigung des Innenraums gehört zum Museumsbesuch; von der Straße aus lässt sich zunächst besser einschätzen, wie die große Versammlung in das vergleichsweise kompakte Gebäude passte.
