Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Ostfassade
- Balkon
- Saal des Gouverneursrats
Die Geschichte des Ortes
Unter dem Balkon der Ostfassade ist der Saal des Gouverneursrats erhalten, und seine heutige Ausstattung bildet die koloniale nach. Unten herrschte reges Treiben an der Handelsbörse, und Händler mieteten Kellerräume für Waren. Über ihnen arbeiteten der Gouverneursrat, die Versammlung der Kolonie und das oberste Gericht. Nach der Revolution zog hier die Regierung des Staates ein, und als sie auf Beacon Hill umzog, erhielt das Haus den Namen Altes Kapitol.
Im Februar siebzehnhunderteinundsechzig stieg James Otis in den Saal im zweiten Stock dieses Gebäudes hinauf. Kurz zuvor hatte er als Generaladvokat der Krone am Vizeadmiralitätsgericht gedient – einer Institution, die Handels- und Zollfälle behandelte. Als er besondere Durchsuchungsbefehle verteidigen sollte, gab Otis sein Amt und das damit verbundene Gehalt auf. Nun vertrat er Bostoner Kaufleute und wollte erreichen, dass Zollbeamte ihre Häuser und Lager nicht aufgrund einer einzigen allgemeinen Ermächtigung betreten konnten.
Das Gebäude nannte man damals Stadthaus. Im Erdgeschoss befand sich die Handelsbörse, im Keller mieteten Händler Lagerräume, und oben tagten der Gouverneursrat, die gesetzgebende Versammlung und das oberste Gericht der Kolonie. Deshalb entschied man gerade hier den Streit darüber, wie man nach Schmuggel in Bostoner Geschäften suchen sollte: Die Richter saßen ein Stockwerk über den Menschen, deren Eigentum sie durchsuchen lassen konnten.
Auslöser war der Tod von König George II. Die bisherigen Befehle blieben nach dem Tod eines Monarchen nur sechs Monate lang gültig, und die Zollbeamten beantragten neue. Ein solches Dokument hieß Writs of Assistance. Darin wurden weder ein bestimmtes Haus noch Waren oder Beweise für einen Verstoß genannt. Wer über ein solches Dokument verfügte, konnte einen Konstabler mitbringen, tagsüber ein Haus, ein Geschäft, einen Keller oder ein Lager betreten, bei Widerstand die Tür aufbrechen und die gefundenen Waren mitnehmen. Vor jeder Durchsuchung musste man sich nicht eigens an einen Richter wenden.
Vor fünf Richtern unter dem Vorsitz des Oberrichters Thomas Hutchinson bestritt Otis nicht das Recht, überhaupt nach Schmuggel zu suchen. Er verlangte ein anderes Verfahren: den Ort und die gesuchten Waren zu benennen, einen Grund für den Verdacht vorzulegen und einen einzelnen Durchsuchungsbefehl zu erhalten. Ein allgemeines Dokument, sagte er, überlasse die Unverletzlichkeit jedes Hauses dem Ermessen jedes beliebigen kleinen Beamten. Für Otis war dies auch ein Bruch mit seinem eigenen früheren Dienst: Er erklärte dem Gericht, warum ein Kronanwalt sich geweigert hatte, ein Instrument der Krone zu verteidigen.
Die Richter fällten nicht sofort eine Entscheidung. Hutchinson erbat Auskünfte darüber, wie solche Befehle in England angewandt wurden. Während der Briefwechsel lief, wählten die Bostoner Otis im Mai zu ihrem Vertreter in der gesetzgebenden Versammlung: Der Verzicht auf das bezahlte Amt führte ihn in die öffentliche Politik. Im November nahm das Gericht den Fall erneut auf und unterstützte den Zoll einstimmig. Am zweiten Dezember erhielt der Beamte Charles Paxton den ersten neuen Befehl. Die Kaufleute verloren, und die Zollbeamten nutzten weiterhin allgemeine Durchsuchungsermächtigungen.
Im Saal saß der fünfundzwanzigjährige Anwalt John Adams und schrieb die Argumente beider Seiten hastig mit. Fast sechzig Jahre später nannte er Otis’ Auftritt den Moment, in dem hier „die Unabhängigkeit geboren wurde“. Das ist eine spätere, deutlich ausgeschmückte Erinnerung und kein Protokoll: Das unmittelbare Ergebnis war ein Sieg des Zolls. Doch gerade Adams’ Aufzeichnungen bewahrten den Streit, in dem dem königlichen Gesetz hier erstmals eine Grenze entgegengestellt wurde, die nach Otis’ Ansicht selbst das Parlament von Großbritannien nicht überschreiten sollte.
Der Saal des Gouverneursrats befindet sich weiterhin im zweiten Stock, hinter der Ostfassade und dem Balkon; seine heutige Ausstattung bildet diejenige nach, die hier in den siebzehnhundertsechziger Jahren bestand. Nach der Revolution zog die Regierung des Staates Massachusetts in das Gebäude ein. Im Januar siebzehnhundertachtundneunzig zog sie in das neue Massachusetts State House auf Beacon Hill um – damals erhielt das frühere Stadthaus den Namen Old State House, Altes Kapitol.
Praktisch vor Ort
Täglich 10:00-17:00 über Revolutionary Spaces.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die wichtigsten Details sind ohne Eintrittskarte gut zu sehen; der Museumseintritt ist nur für die Säle nötig, in denen die Befehle erörtert wurden und die Kolonialregierung arbeitete.
