Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Hauptfassade
- Eingang zum Gotteshaus
- Bibliotheksgebäude gegenüber
Die Geschichte des Ortes
Der alte Name gehört hier vor allem der Gemeinde, die im Jahr sechzehnhundertneunundsechzig in Boston entstanden ist. Südlich nannte man sie, nachdem eine weitere Kirche entstanden war, und zum Copley Square zogen die Gemeindemitglieder erst im Jahr achtzehnhundertfünfundsiebzig. Hinter der Hauptfassade und dem Eingang befindet sich ein aktives Gotteshaus: Gottesdienste stehen neben städtischer Wohltätigkeitsarbeit, und über das gemeinsame Eigentum verfügen die Gemeindemitglieder selbst.
Am Sonntag, dem zweiten Dezember zweitausendzwölf, versammelten sich mehr als dreihundert Gemeindemitglieder in diesem Gotteshaus. Sie mussten über das Schicksal eines kleinen, abgenutzten Bandes entscheiden: Sollte eines der beiden der Kirche gehörenden Exemplare des Bay Psalm Book verkauft werden?
Das Buch wurde im Jahr sechzehnhundertvierzig in Cambridge gedruckt. Es war die erste Ausgabe, die in den britischen Kolonien Nordamerikas im Buchdruckverfahren hergestellt wurde. Puritanische Geistliche übersetzten die Psalmen so, dass die Gemeindemitglieder sie während des Gottesdienstes singen konnten. Von der ursprünglichen Auflage sind elf Exemplare erhalten, und zwei gelangten zur Old South Church.
Als die Abstimmung begann, konnte die Kirche ihre Ausgaben bereits nicht mehr decken. Das Gebäude benötigte Reparaturen im Wert von mindestens sieben Millionen Dollar, und jedes Jahr mussten zusätzlich Hunderttausende für seinen Unterhalt aufgebracht werden. Die Gemeindemitglieder erhöhten ihre Spenden und vermieteten Räume, doch die Rechnung ging trotzdem nicht auf. Nancy Taylor, leitende Pastorin und Leiterin der kirchlichen Organisation, setzte sich für den Verkauf des Buches ein: Ihre Aufgabe war es, eine aktive Gemeinde mit Gottesdiensten und städtischen Wohltätigkeitsprogrammen zu erhalten, nicht ihr Erbe in eine Museumssammlung zu verwandeln.
Die Entscheidung lag nicht bei Taylor allein. Old South Church ist eine kongregationalistische Kirche: Hier verfügen die Gemeindemitglieder selbst über das gemeinsame Eigentum. Eleanor Jensen, die seit neunzehnhunderteinundsechzig zur Gemeinde gehörte, stimmte für den Verkauf. Für sie lief die Wahl darauf hinaus, ob die Kirche Wertsachen aufbewahren oder für die Stadtbewohner arbeiten sollte. Der langjährige Gemeindemitglied Paul Dutton widersprach: Er hielt das Buch für einen Teil des Erbes der Vorfahren, das der heutigen Generation nicht anvertraut worden war, um es wegzugeben.
Der Streit dauerte etwa zwei Stunden. Zweihunderteinundsiebzig Menschen unterstützten den Verkauf, vierunddreißig stimmten dagegen. Im November des folgenden Jahres kaufte David Rubenstein den Psalter bei einer Auktion für vierzehn Millionen einhundertfünfundsechzigtausend Dollar – mehr, als zuvor bei einer Versteigerung für irgendein gedrucktes Buch bezahlt worden war. Er begann, die Erwerbung in öffentlichen Bibliotheken auszustellen. Old South Church stockte mit dem Erlös ihren Fonds auf, aus dem sie den Unterhalt des Gebäudes und die Arbeit der Gemeinde bezahlt.
Das Wort „old“ im Namen der Kirche bezieht sich auf die Gemeinde selbst. Sie wurde im Jahr sechzehnhundertneunundsechzig gegründet, und Old South Church – die „Alte Südliche“ – nannte man sie, nachdem im Jahr siebzehnhundertsiebzehn weiter südlich noch eine Kirche entstanden war. Auf dieses Grundstück zogen die Gemeindemitglieder erst im Jahr achtzehnhundertfünfundsiebzig.
Der verkaufte Psalter befand sich selbst am Tag der Abstimmung nicht im heutigen Gebäude. Beide Exemplare wurden seit dem Jahr achtzehnhundertsechsundsechzig in der Boston Public Library aufbewahrt – neun Jahre länger, als diese Kirche am Copley Square besteht. Eines gehört nun Rubenstein, das andere blieb Eigentum der Old South Church und liegt weiterhin in der Abteilung für seltene Bücher der Bibliothek.
Praktisch vor Ort
Mo-Do 8:00-20:00; Fr 8:00-19:00; Sa 9:00-16:00; So 8:30-16:00.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Kirche bleibt ein Ort des Gottesdienstes; ob ein Eintritt möglich ist, hängt daher von ihrem gegenwärtigen Gemeindeleben ab. Die erwähnten Briefe, Tagebücher und Gemeindebücher werden im Archiv aufbewahrt und sind bei einem gewöhnlichen Besuch meist nicht zu sehen.
