Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Quadratisches Glas im Pflaster
- Weißer unterirdischer Saal
- Leere Bücherregale
Die Geschichte des Ortes
Der Bebelplatz liegt zwischen Universitätsgebäuden und dem Operngebäude; früher hieß er Opernplatz. Im Pflaster befindet sich ein quadratisches Glas, darunter sind die weißen leeren Regale eines geschlossenen unterirdischen Saals zu sehen. Nach dem Krieg erhielt der Platz den Namen von August Bebel, einem der Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie.
Am zehnten Mai neunzehnhundertdreiunddreißig kam der Schriftsteller Erich Kästner hierher, um zuzusehen, wie seine eigenen Bücher verbrannt würden. Kästner war vierunddreißig Jahre alt. Er lebte von Honoraren für Romane, Gedichte und Zeitungstexte; Emil und die Detektive hatte ihn bereits berühmt gemacht. Nun setzten Studenten seinen Namen auf die Liste der Autoren, die aus der deutschen Literatur vertrieben werden sollten.
Damals hieß der Platz Opernplatz, nach dem danebenstehenden Theater. Der Ort wurde wegen der Universität ausgewählt. Anhänger der Nationalsozialisten kontrollierten bereits die Deutsche Studentenschaft, den reichsweiten Zusammenschluss studentischer Selbstverwaltungen. Sie drängten darauf, dass Lehrende, Studierende und Bücher auf ihre Übereinstimmung mit dem sogenannten deutschen Geist überprüft würden. Im April riefen studentische Führer die Kampagne „Wider den undeutschen Geist“ aus, stellten schwarze Listen zusammen und schickten Gruppen aus, die mit Unterstützung von SA-Sturmtrupps der Partei Bibliotheken und Buchhandlungen durchsuchten.
Die beschlagnahmten Bücher wurden mit Lastwagen auf den Platz gebracht. Hier, vor den Universitätsgebäuden, wurde die studentische Säuberung zu einem öffentlichen Treueeid: Professoren, Studierende und zahlreiche Zuschauer sahen, wen man von nun an lesen durfte und wen man streichen sollte. Mehr als zwanzigtausend Bände gerieten ins Feuer – Werke jüdischer Autoren, von Sozialisten, Demokraten, Pazifisten und Kritikern des neuen Regimes.
Der Propagandaminister Joseph Goebbels, der die studentische Abrechnung in ein gesamtdeutsches Spektakel verwandeln wollte, schloss sich der Aktion kurz vor ihrem Beginn an. Seine Rede wurde im Radio übertragen, das Geschehen für Wochenschauen gefilmt. Doch die studentischen Organisationen hatten die Bücher selbst gesammelt und die Zeremonie vorbereitet. Am Scheiterhaufen sprachen die Zeremonienleiter zuvor verfasste „Feuereide“ und nannten die Schriftsteller beim Namen. Kästner hörte, wie seine Werke zusammen mit den Büchern von Heinrich Mann und Ernst Glaeser den Flammen übergeben wurden.
Er stand unter Studenten in SA-Uniformen. Eine Frau in der Menge erkannte den Schriftsteller und rief laut: „Da ist doch Kästner!“ – und zeigte zudem mit der Hand auf ihn. Die Menschen um ihn herum reagierten nicht, und Kästner konnte fortgehen. In jener Nacht wurde er nicht verhaftet.
Der Scheiterhaufen war jedoch der Anfang eines wirklichen Verbots. Kästner verlor das Recht, in Deutschland zu veröffentlichen. Er blieb im Land und verdiente mit Drehbüchern, die er unter fremden Namen schrieb oder ganz ohne Namensnennung ließ; im Jahr neunzehnhundertdreiundvierzig wurde ihm auch diese Arbeit verboten. Andere Autoren von den schwarzen Listen gingen ins Exil, verloren ihre Staatsbürgerschaft oder wurden inhaftiert. Die Studenten vom Platz setzten die Säuberung der Bibliotheken fort: Bis zum Jahr neunzehnhundertfünfunddreißig umfasste das offizielle Verzeichnis verbotener Literatur bereits Tausende von Titeln.
Der Name Bebelplatz kam nach dem Krieg auf. Im Jahr neunzehnhundert siebenundvierzig benannte der Berliner Magistrat den ehemaligen Opernplatz nach August Bebel – einem Drechsler, Publizisten und Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie. Wegen seiner politischen Tätigkeit wurde Bebel unter der Anklage, einen Hochverrat vorzubereiten, zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt, doch die von ihm gegründete Partei überstand die Verbote und wuchs zu einer Massenorganisation heran. Sein Familienname setzte sich in der Adresse des Platzes fest.
An der Stelle des Scheiterhaufens richtete der israelische Künstler Micha Ullman im Jahr neunzehnhundertfünfundneunzig unterirdisch „Die Bibliothek“ ein. Durch das quadratische Glas im Pflaster sieht man einen geschlossenen weißen Saal mit leeren Regalen. Die Regale sind für ungefähr jene zwanzigtausend Bücher ausgelegt, die mit Lastwagen hierhergebracht wurden. Der Raum kann nicht betreten werden: Dort gibt es weder Leser noch Bände, sondern nur leere Plätze für die vernichteten Exemplare.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist ein öffentlicher Raum und rund um die Uhr geöffnet; das Glas des Denkmals liegt direkt im Pflaster.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Treten Sie gemeinsam mit anderen Besuchern nacheinander an das Glas: Spiegelungen der Fassaden können den Blick in den Raum erschweren. Behandeln Sie den Ort wie ein Denkmal und stehen Sie nicht als lärmende Gruppe darauf.
