Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fünfeckiger Signalturm
- Uhren an den fünf Seiten
- Dreifarbige Signale
- Verglaste Kabine
Die Geschichte des Ortes
Als hier das Potsdamer Tor stand, führte von ihm eine Straße nach Potsdam; rund um den ehemaligen Stadteingang kamen nach und nach Eisenbahn, städtischer Verkehr, Hotels, Geschäfte und fünf Straßen zusammen. Der fünfeckige Turm mitten auf der Kreuzung erinnert an eine Zeit, in der dieser gesamte Strom ein eigenes Gerät zur Ordnung erforderte. An seinen Seiten sind Uhren und farbige Lichter erhalten, hinter dem Glas ist es nun leer: Die Signale funktionieren nur zur Vorführung.
Der neununddreißigjährige Polizeibeamte Friedrich Lange trat hier am fünfzehnten Dezember neunzehnhundertvierundzwanzig einen ungewöhnlichen Dienst an. Aus einer engen Kabine in acht Metern Höhe sollte er die verkehrsreichste Kreuzung Berlins regeln.
Zuvor standen Verkehrspolizisten direkt zwischen den Fuhrwerken. Mit Gesten und dem Klang eines Signalhorns hielten sie die Verkehrsströme an; die Fahrer bemerkten sie nicht immer rechtzeitig. Die Polizeiverwaltung berichtete von Bediensteten, die gestreift und umgefahren wurden. Im Sommer neunzehnhundertvierundzwanzig errichtete man für sie ein hölzernes Podest, und Fußgänger versuchte man mit an Bäumen befestigten Brettern zu lenken. Diese Maßnahmen reichten bereits nicht mehr aus.
Die Ursache lag unter der Erde, auf den Schienen und an den fünf Straßen, die hier zusammenliefen. Früher hieß dieser Ort Platz vor dem Potsdamer Tor: Durch dieses begann die Straße nach Potsdam, daher stammt auch der heutige Name. Im Jahr achtzehnhundertachtunddreißig eröffnete man daneben den ersten Berliner Bahnhof. Um den Endbahnhof entstanden Hotels, Restaurants und Geschäfte, und die Züge wurden an den städtischen Verkehr angebunden. Bis neunzehnhundertvierundzwanzig überquerten täglich rund vierundzwanzigtausend Verkehrsmittel den Platz: Autos, Straßenbahnen, Motorräder, Fahrräder, Pferdewagen und Handkarren. Durch den Potsdamer Bahnhof kamen Zehntausende Fahrgäste.
Die Berliner Straßenbahn-Betriebs-Gesellschaft bestellte einen fünfeckigen Signalturm. Lange stieg als Erster an den eisernen Klammern hinauf, öffnete die Bodenluke und nahm in der verglasten Kabine seinen Platz ein. An jeder der fünf Seiten befanden sich eine Uhr, ein Fenster und drei farbige Signale. Das Licht schaltete noch nicht selbstständig um: Der Polizeibeamte prüfte die Intervalle mit einer Stoppuhr und betätigte einen dreistufigen Hebel. Seine Anweisungen sahen die Fahrer gleichzeitig aus allen Richtungen.
Mehrere Bedienstete auf der Fahrbahn wurden durch einen einzigen Mann ersetzt, der durch Stahlstützen und die Höhe geschützt war. Die Fahrer richteten sich nun nach einem einzigen Signal, und die Fußgänger wurden daran gewöhnt, die markierten Übergänge zu benutzen. Die erste deutsche Ampel war eine Kabine für eben jenen Polizeibeamten; automatisch war nur das Licht über seinem Kopf.
Schon vor dem Krieg wurde das Original entfernt: Im Jahr neunzehnhundertsiebenunddreißig bauten die Erbauer der Untergrundbahn den Turm ab und ersetzten ihn durch hängende Signale. Die heutige Kopie wurde im Jahr neunzehnhundertsiebenundneunzig hergestellt und drei Jahre später an den Potsdamer Platz versetzt. Ihre Lichter blinken nun nur zur Vorführung, den Verkehr regeln gewöhnliche Ampeln. Die fünfeckige Kabine ist leer – der Arbeitsplatz von Friedrich Lange ist ohne den Polizeibeamten selbst an die Kreuzung zurückgekehrt.
Praktisch vor Ort
Offener Stadtraum; Geschäfte, Restaurants, Kinos und einzelne Veranstaltungsorte haben jeweils eigene Öffnungszeiten.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Am besten betrachtet man den Turm aus etwas Abstand, ohne den Verkehr an den Übergängen zu behindern. Die gesamte Station findet im Freien statt.
