Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinplatte über dem großen Tor
- Lateinische Inschrift
- Vergrößerte Buchstaben als Ziffern
- Fassade des Hauses Nummer sechs
Die Geschichte des Ortes
Ihren Namen erhielt die Gospodska ulica von wohlhabenden Kaufmanns- und Handwerkerfamilien, die hier Läden betrieben. Nach dem Brand wurde die Südseite der Straße von der Glavna ulica bis zum heutigen Haus Nummer vierzehn neu aufgebaut. Unter diesen Häusern ist das eingeschossige Steinhaus Nummer sechs erhalten geblieben; über seinem großen Tor befindet sich eine Platte mit einer lateinischen Inschrift und mehreren absichtlich vergrößerten Buchstaben.
Im Jahr eintausendsiebenhundertsiebzig bat der Zemuner Händler Rafael Salamon den Magistrat, ihm ein Grundstück für ein Haus mit Laden zuzuteilen oder ihm den Kauf eines bestehenden Hauses zu erlauben. Der Laden sicherte ihm ein Einkommen, doch Salamon war Jude, und die Zemuner Händler lebten und arbeiteten damals nach Glaubenszugehörigkeit getrennt. Der Magistrat stimmte nur dem Kauf eines Hauses im jüdischen Viertel zu. Das Militärkommando erlaubte Salamon, zu den Christen umzuziehen, unter der Bedingung, dass er sein bisheriges Haus verkaufte.
Die Vertreter der christlichen Gemeinde sahen in ihm einen Konkurrenten. Sie forderten, die Erlaubnis aufzuheben, und wollten sich beim Kaiser beschweren. Im März eintausendsiebenhunderteinundsiebzig verzichtete Salamon auf den Kauf. Die Protestierenden setzten sich durch: Ein Haus mit Laden unter den christlichen Händlern gelangte damals nicht in seinen Besitz.
Siebzehn Jahre später wurden in Zemun Soldaten einquartiert, die für den Österreichisch-Türkischen Krieg zusammengezogen worden waren. Durch ihre Unvorsichtigkeit brach ein Brand aus. Die südliche Häuserzeile der künftigen Gospodska ulica brannte nieder – von der Glavna ulica bis zum heutigen Haus Nummer vierzehn. Anstelle der früheren Häuser blieb eine Brandstätte zurück.
Rafael Salamon bat nicht mehr um ein unbebautes Grundstück. Im Jahr eintausendsiebenhundertzweiundneunzig errichtete er hier, im Haus Nummer sechs, ein eingeschossiges Steingebäude und ließ über dem großen Tor eine lateinische Inschrift anbringen. In Übersetzung lautet sie: „Dieses zu Asche gewordene Haus wurde mit Gottes Hilfe, durch Arbeit und Fleiß seines Besitzers wieder errichtet.“
Salamon verbarg das Datum in der Formel. Einzelne Buchstaben sind größer geschrieben: Jeder von ihnen dient zugleich als römische Ziffer. Addiert man ihre Werte, ergibt sich eintausendsiebenhundertzweiundneunzig – das Jahr der Fertigstellung des Baus. Eine solche Rätselinschrift nennt man Chronogramm.
Ein Jahr später erhielt die Straße den Namen Gospodska ulica – nach den wohlhabenden Kaufmanns- und Handwerkerfamilien, die sich hier niederließen und Läden betrieben. Das Haus wurde später umgebaut, und die Straße wurde zur Fußgängerzone, doch die Steinplatte blieb über dem Tor erhalten. Einundzwanzig Jahre zuvor war Salamon nach dem Protest gegen sein Haus unter den christlichen Händlern zurückgewichen; nun ergibt sich das Jahr, in dem sein eigenes Haus im Handelszentrum von Zemun entstand, weiterhin aus den Buchstaben an der Fassade.
Praktisch vor Ort
Öffentliche Stadtstraße; Geschäfte, Cafés und Höfe haben eigene Öffnungszeiten.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Inschrift lässt sich am besten vom Gehweg aus betrachten; betreten Sie ohne Einladung weder den Hof noch die Arbeitsräume der Werkstatt.
