Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Hohe Steinmauer
- Hölzerne Galerie des Obergeschosses
- Bögen im Erdgeschoss
- Sommer- und Winterzimmer
Die Geschichte des Ortes
Hinter der hohen Steinmauer verbergen sich zwei Höfe und ein zweigeschossiges Haus: Das Obergeschoss wird von einer hölzernen Galerie umgeben, das untere ist von Bögen durchbrochen. Oben wechselte man die Zimmer je nach Jahreszeit, unten bewahrte man Getreide, Öl und Wein auf. Hier verwaltete man Familienbesitz, unterrichtete Kinder, bearbeitete die Bitten der Stadtbewohner und brachte Reisende unter. Die Mauern in ihrer heutigen Form entstanden hauptsächlich in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts; ein anderes Stadtanwesen dieser Art ist in Athen nicht erhalten geblieben.
Im Jahr eintausendsiebenhundertsechsundneunzig nahm Ioannis Benizelos in diesem Haus den englischen Geologen und Reisenden John Hawkins auf. Der Gast lebte vierzig Tage hier. Hawkins sammelte Informationen über Griechenland, während der Hausherr an einer Schule in Athen unterrichtete und anhand von Dokumenten, Erzählungen der Stadtbewohner und eigenen Beobachtungen eine Geschichte seiner Heimatstadt schrieb.
Benizelos konnte einen Ausländer wochenlang beherbergen, weil er einer der wohlhabendsten Familien Athens angehörte. Ihre Angehörigen dienten als Notare, Lehrer und Älteste – so nannte man die Menschen, die die Angelegenheiten der örtlichen christlichen Gemeinschaft führten. Ihr Stadtanwesen nahm ein Grundstück zwischen zwei Höfen ein, die hinter einer hohen Mauer verborgen lagen. Man wohnte oben, in einem Sommer- und einem Winterzimmer; unten lagerte man Getreide, Öl und Wein. Von solchen Häusern aus verwaltete man Besitz, unterrichtete Kinder, empfing Bittsteller und brachte Gäste unter.
Ioannis hinterließ eine handschriftliche „Geschichte Athens“. Darin standen antike Denkmäler neben Ereignissen, die der Autor selbst gesehen hatte. Für spätere Forscher erwies sich besonders der Bericht eines Stadtbewohners über das osmanische Athen als wertvoll: Reisende beschrieben gewöhnlich die Ruinen, Benizelos hingegen hielt alltägliche Geschäfte, Streitigkeiten in der Stadt und die Handlungen von Beamten fest.
Im weiteren Schicksal der Handschrift bleibt eine Lücke. Es ist nicht bekannt, ob Benizelos sie Hawkins während jener vierzig Tage oder später übergab. Bekannt ist etwas anderes: Sie gelangte nach England, unter die Bücher des ehemaligen Gastes, und kehrte mehr als hundert Jahre lang nicht zur Familie zurück.
Im Dezember eintausendneunhundertsiebenundzwanzig erhielt Ioannis Gennadios, ein griechischer Diplomat, Büchersammler und Urenkel des Chronisten, den Katalog für den Ausverkauf von Hawkins’ Bibliothek. Er wollte den Katalog bereits wegwerfen, als ihm im Eintrag zum vierhundertsiebenundfünfzigsten Los der verfälschte Name „Beninzelo“ auffiel. Gennadios erkannte die Handschrift seines Vorfahren und erwarb die Handschrift. Er bereitete sie für den Druck vor, erlebte jedoch keine vollständige Ausgabe mehr: Sie erschien erst im Jahr eintausendneunhundertsechsundachtzig. Das Autograph selbst wird in der von ihm gegründeten Gennadius-Bibliothek in Athen aufbewahrt.
Das heutige zweigeschossige Haus wurde hauptsächlich in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts errichtet; heute ist es das letzte erhaltene Stadtanwesen dieser Art in Athen. Der Familienname am Tor gehört der ganzen Familie Benizelos. Einer ihrer Besitzer nahm hier einen englischen Reisenden auf, die Handschrift gelangte in die Bibliothek des Gastes, und der Urenkel des Autors fand sie auf einer englischen Auktion anhand eines fehlerhaft gedruckten Namens.
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