Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade des Hauses Nummer 40
- Altar der Dachbodenkirche
- Galerien des Kirchensaals
- Klappbare Kanzel
Die Geschichte des Ortes
Am Kanal beim alten Hafen lagen lange Zeit Schlafplätze für Seeleute, Schanklokale, günstige Zimmer und Bordelle nebeneinander. Im siebzehnten Jahrhundert ließen sich hier jedoch wohlhabende, häufig katholische Kaufleute nieder; wegen der kostbaren Kleidung erhielt das Ufer den Beinamen Fluwelen Burgwal. Haus Nummer vierzig wirkt von der Straße aus wie ein Wohnhaus, obwohl sich darüber drei Dachböden zu einem Kirchensaal für einhundertfünfzig Personen verbinden. Zum Altar führten Treppen aus einer engen Gasse, und oben sind Galerien und eine klappbare Kanzel erhalten.
Oudezijds Voorburgwal bedeutet „vorderer Festungswall der alten Seite“. Als alte Seite bezeichnete man die Hälfte des mittelalterlichen Amsterdam rund um die Oude Kerk. Im Jahr eintausenddreihundertfünfundachtzig gruben die Bürger weiter östlich einen weiteren Verteidigungskanal und schütteten einen neuen Wall auf. Die frühere Linie wurde zur vorderen – Voorburgwal –, die neue erhielt den Namen Oudezijds Achterburgwal, der hintere Wall. Der Stadtteil De Wallen, „die Wälle“, trägt bis heute den Namen dieser Befestigungen.
Der nördliche Teil des Kanals lag nahe dem alten Hafen. Seeleute brauchten Herbergen und Schankstuben; in ihrer Nähe ließen sich Frauen nieder, die sexuelle Dienstleistungen verkauften. Als wohlhabende Familien ab dem Jahr eintausendsechshundertdreizehn in den neuen Grachtengürtel zogen, gab es hier immer mehr günstige Zimmer, Schanklokale und Bordelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierten die städtischen Beamten die Prostitution faktisch in diesem Viertel. So verfestigte sich das alte Hafenleben gerade an den ehemaligen Wällen.
Im siebzehnten Jahrhundert sah dieses Ufer jedoch anders aus. Hier lebten wohlhabende, oft katholische Kaufleute, und der Kanal erhielt den Beinamen Fluwelen Burgwal: Samtkleidung galt als auffälliges Zeichen des Wohlstands. Am zehnten Mai eintausendsechshunderteinundsechzig kaufte Jan Hartman ein Haus am Kanal und zwei Gebäude in der Gasse dahinter. Er hatte als Bäckergeselle begonnen, dann mit Strümpfen und Leinen gehandelt und war Pächter der Weinakzise geworden: Er übernahm die Steuereinziehung und haftete mit seinem eigenen Vermögen für die der Stadt zugesagte Summe. Die drei Häuser kosteten ihn sechzehntausend Gulden. Hartman wollte zeigen, was er erreicht hatte: Er schmückte das Empfangszimmer mit Marmor und brachte über dem Kamin das Familienwappen an.
Zugleich brauchte Hartman als Katholik einen Ort für die Messe. Seit dem Jahr eintausendfünfhundertachtundsiebzig durften katholische Gottesdienste in Amsterdam nicht öffentlich abgehalten werden. Die städtischen Beamten wussten von Hauskirchen und duldeten sie, solange von der Straße nichts auf ein Gotteshaus hinwies.
Hartman verband die oberen Stockwerke der drei gekauften Häuser und ließ die Zwischendecken zwischen den Dachböden entfernen. So entstand ein Kirchensaal für einhundertfünfzig Personen. Die Gemeindemitglieder betraten ihn nicht von der Uferpromenade aus, sondern durch eine Tür in der schmalen Gasse Heintje Hoekssteeg und stiegen die Treppen hinauf. Petrus Parmentier, ein Augustinerpriester, der in der protestantischen Stadt eine katholische Gemeinde sammelte, zog in eines der hinteren Häuser und begann hier zu zelebrieren. Allein im Jahr eintausendsechshundertsiebenundsechzig wurden in der Dachbodenkirche siebzig Kinder getauft und vierzehn Paare getraut.
Hartman bezahlte für dieses Gotteshaus mit fast allem, was er hatte verdienen können. Im April eintausendsechshundertachtundsechzig starb er und hinterließ seiner Familie große Schulden. Zwei Jahre später musste Parmentier in eine andere Hauskirche ziehen. Wieder ein Jahr später konnten Hartmans Erben die der Staatskasse geschuldete Summe der Weinakzise nicht zahlen. Die Häuser, die als Sicherheit für die Schuld dienten, wurden bei einer Zwangsversteigerung verkauft.
Die neuen Eigentümer bewahrten den Kirchensaal, und später wurden die Gottesdienste wieder aufgenommen. Am dreißigsten März eintausendachthundertsiebenundachtzig brachte der Gemeindepfarrer die Heiligen Gaben von hier in eine neue, geöffnete Kirche, und zwar in einer nicht geschlossenen Kutsche. Ein Jahr später erwarb eine katholische historische Gesellschaft die Häuser, bewahrte die Kirche vor dem Abbruch und eröffnete ein Museum.
Hinter der Fassade des Hauses Nummer vierzig sind die Dachböden dreier Gebäude noch immer miteinander verbunden; Altar, Galerien und eine klappbare Kanzel sind erhalten. Die Aufschrift „Ons' Lieve Heer op Solder“ besagt wörtlich, was sich oben befindet.
Praktisch vor Ort
Der Kanal ist rund um die Uhr geöffnet, die Uferpromenade ist frei zugänglich.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist ein Wohnviertel mit regem Betrieb: Schauen Sie nicht in die Fenster und fotografieren Sie Menschen nicht ohne ihr Einverständnis. Die Hauskirche ist nur bei einem gesonderten Museumsbesuch zu sehen.
