Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Der steinerne Halbkreis
- Neun wiederhergestellte Reihen
- Grobe Vorsprünge auf den Blöcken
- Meißelspuren
Die Geschichte des Ortes
Am römischen Forum ist ein kleiner Zuschauerraum erhalten, in dem Musik, Rezitationen und dramatische Aufführungen erklangen. Sechzehn Reihen steinerner Sitze fielen halbkreisförmig zur Bühne ab, die Zuschauer kamen durch seitliche Gänge hinein, und hinter der Bühne lagen Räume für die Auftretenden. Wahrscheinlich befand sich über dem Saal ein Holzdach oder ein Vordach, sodass man auch in der kühleren Jahreszeit hierherkommen konnte, doch die Archäologen fanden die Überdachung selbst nicht. Heute empfängt der Halbkreis wieder Konzerte, obwohl nur die neun unteren Reihen wieder zusammengesetzt sind und darüber die Leere des verschwundenen oberen Rangs bleibt.
Mitte der neunzehnhundertsechziger Jahre arbeitete der Archäologe Adnan Hadidi hier nach einem Zeitplan, den andere vorgaben. Er leitete Rettungsgrabungen auf dem römischen Forum, während städtische Bauarbeiter gleichzeitig die Kanalisation verlegten und einen Stadtpark anlegten. Die Archäologen durften die Bauarbeiten nicht verzögern: Die Verschiebung eines weiteren Bauabschnitts erhöhte die Kosten des gesamten Programms. Die Ausgrabungen waren ein gemeinsames Projekt des jordanischen Antikendienstes und der USAID, und Hadidi wollte das geborgene Material zur Grundlage seiner Doktorarbeit machen. Er musste ein zusammenhängendes Bild der Stadt gewinnen, bevor die Gräben wieder geschlossen wurden.
Einer der von ihm ausgewählten Bereiche lag unmittelbar hinter der Bühnenwand des Odeons. Den größten Teil des antiken Platzes überdeckten bereits eine Straße und moderne Gebäude. Besonders hinderlich war das Hotel Philadelphia: Es stand über dem Teil der Anlage, in dem sich der Eingang zum Theater fortgesetzt haben könnte, doch es war in Privatbesitz, und das Team durfte nicht darunter graben.
Auf dem zugänglichen Streifen legten die Archäologen zwei parallele Mauern frei. Dazwischen lag ein dichtes Fundament aus Mörtel und kleinen Steinen. Aus ihrer Höhe und Lage schloss Hadidi, dass ein breiter Eingang mit mindestens zwei Stufen zum Odeon führte. Vollständig überprüfen konnte er diesen Schluss nicht: Die Fortsetzung lag unter dem Hotel. So bestimmten der Zeitplan der Kanalisationsarbeiten und die Grenze des Privatgrundstücks, welchen Teil des Römischen Theaters man verstehen konnte und welcher Teil eine offene Frage bleiben musste.
Das Wort „Odeon“ selbst bezeichnete einen kleinen Saal für Musik, Rezitationen und dramatische Aufführungen. Man begann ihn um das Jahr einhundertdreißig zu bauen und stellte ihn ungefähr bis einhunderteinundvierzig fertig. Der halbkreisförmige Saal fasste etwa vierhundert Zuschauer. Die unteren und oberen Ränge umfassten zusammen sechzehn Reihen, seitliche Gänge führten zur Bühne, und hinter ihr lagen Räume für die Auftretenden. Wahrscheinlich war der Saal von einem Holzdach oder einem Vordach überdeckt, weshalb er manchmal Wintertheater genannt wird. Reste der Überdachung fand man nicht, und das Dach bleibt eine archäologische Rekonstruktion.
Hadidis Ausgrabungen gaben dem Odeon auch eine spätere Biografie. Münzen und Keramik in den Schichten an den Mauern zeigten, dass die Anlage zumindest während eines Teils des vierten Jahrhunderts weiter genutzt wurde. Darüber begann ein Schuttfeld, das sich erst nach dem Ende des Theaterbetriebs gebildet hatte. Hadidi vermutete, die oberen Mauern könnten bei dem starken Erdbeben des Jahres dreihundertfünfundsechzig eingestürzt sein, doch für genau eine solche Zerstörung gibt es keinen direkten Beweis.
Dafür war die unvollendete Bearbeitung des Steins unmittelbar sichtbar. Römische Steinmetze hatten auf den Sichtseiten einiger Blöcke schwere grobe Vorsprünge stehen lassen. Auf benachbarten Steinen blieben Meißelspuren erhalten: Die Handwerker hatten begonnen, diese Vorsprünge abzutragen, hielten dann aber an. Hadidi meinte, die Auftraggeber hätten es eilig gehabt, das Odeon fertigzustellen, oder ihre Mittel erschöpft. Die Zuschauer ließ man dennoch hinein, und das unvollendete Mauerwerk blieb mehrere Jahrhunderte lang Teil eines funktionierenden Saals.
Im Jahr neunzehnhundertsechsundachtzig restaurierte der Antikendienst das Odeon und brachte die Aufführungen hierher zurück. Die Restauratoren setzten neun untere Reihen wieder zusammen. Die sieben oberen bauten sie nicht wieder auf: Von ihnen war kein Material erhalten, anhand dessen sich die genaue Form hätte wiederherstellen lassen. Bei Konzerten nehmen die Zuschauer wieder den steinernen Halbkreis ein, aber nur seine untere Hälfte; über der letzten Reihe bleibt der Platz des verschwundenen Rangs.
Praktisch vor Ort
Die offizielle Tabelle für das Theater und das Odeon ist saisonabhängig: normalerweise Öffnung ab 8:00, im Winter Schließung gegen 16:00, in der warmen Jahreszeit später, im Ramadan 9:00–17:00; prüfen Sie Freitage und Feiertage.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Bleiben Sie in der Mitte des Halbkreises stehen und achten Sie darauf, wie sich der Klang verändert. Der Platz bleibt ein lebendiger öffentlicher Raum, versperren Sie daher weder den Durchgang noch die Bühne.
