Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fünf Kuppeln
- Die Hauptikone der heiligen Maria Magdalena
- Das Porträt von Metropolit Georgi an der Westwand
Die Geschichte des Ortes
Die fünf Kuppeln der Kathedrale sind schon von weitem gut zu sehen, und im Inneren wird eine von der russischen Kaiserin gestiftete Ikone der Maria Magdalena aufbewahrt. Die Weihe an diese Heilige verbindet die Evangeliumsbotschaft von der Auferstehung mit der Erinnerung an die Stifterin des Bildes. Nebenan befindet sich weiterhin die Residenz des Metropoliten von Warschau, und an Feiertagen versammelt die Kathedrale Geistliche aus ganz Polen. An der Westwand hängt ein Porträt von Metropolit Georgi Jaroszewski, der im Haus neben der Kirche arbeitete.
Nach der Niederschlagung des Januaraufstands setzte Fürst Wladimir Tscherkasski, der die inneren und kirchlichen Angelegenheiten des Königreichs Polen leitete, den Bau einer neuen orthodoxen Kirche in Praga durch. Hier lebten russische Beamte und Militärangehörige, und zwei Eisenbahnstrecken brachten zahlreiche orthodoxe Bedienstete her. Der Statthalter Fjodor Berg wählte ein Grundstück gegenüber dem Dworzec Petersburski – dem heutigen Warszawa Wileńska. Ein Reisender aus Sankt Petersburg stieg aus dem Waggon und sah als erstes großes Gebäude auf dem Weg nach Warschau fünf orthodoxe Kuppeln.
Die Kirche wurde im Jahr achtzehnhundertneunundsechzig zu Ehren der den Aposteln gleichgestellten Maria Magdalena geweiht – einer Jüngerin Christi, die den Aposteln nach dem Evangelium als Erste von der Auferstehung berichtete. Die Wahl der himmlischen Patronin verwies zugleich auf Kaiserin Maria Alexandrowna, die Ehefrau Alexanders II. Sie schenkte der Kirche die Hauptikone der Heiligen. So entsprach der Name über dem Eingang zugleich der kirchlichen Überlieferung und dem höfischen Plan der Bauherren.
Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Polens erhielt die Kirche eine andere Aufgabe. Seit dem Jahr neunzehnhunderteinundzwanzig befand sich hier der Sitz des Metropoliten, des Oberhaupts der orthodoxen Kirche im Land. Im Nachbarhaus lebte er, empfing Geistliche und entschied kirchliche Angelegenheiten. Genau dort spielte sich ein Streit ab, von dessen Ausgang abhing, wem die orthodoxen Eparchien innerhalb der neuen polnischen Grenzen unterstehen sollten.
Metropolit Georgi Jaroszewski strebte nach Autokephalie – dem Recht der Ortskirche, ihre Leitung selbst zu wählen und ihre Eparchien selbst zu verwalten. Er war als Vertreter des Moskauer Patriarchen Tichon nach Warschau gekommen, doch die Verbindung zu Moskau zerfiel: Der Patriarch befand sich in Haft, die Kirchenverwaltung war zerrüttet, und Staatsgrenzen teilten die früheren Eparchien.
Zum wichtigsten Gegner Georgis wurde Archimandrit Smaragd Latyschenko, ein ranghoher Mönchspriester und Lehrer am Priesterseminar. Er hielt die Trennung vom Moskauer Patriarchat für einen Verstoß gegen kirchliche Regeln. Der Streit hatte auch einen persönlichen Preis. Georgi verhinderte Smaragds Ernennung zum Bischof und verbot ihm danach, nach einer langen Abwesenheit wegen der Pflege seines kranken Vaters wieder zu dienen. Smaragd war überzeugt, wegen seiner Haltung seinen geistlichen Stand und seinen künftigen Bischofssitz verloren zu haben.
Am achten Februar neunzehnhundertdreiundzwanzig kam Smaragd in das Haus bei der Kathedrale und versuchte zwei Stunden lang, den Metropoliten zum Verzicht auf die Autokephalie zu bewegen. Georgi gab nicht nach. Daraufhin zog der Archimandrit einen Revolver und schoss dreimal. Der Sekretär hielt ihn am Tatort fest. Georgi starb, und Smaragd wurde seines geistlichen Standes enthoben und verbrachte zwölf Jahre im Gefängnis.
Der Mord hielt das Begonnene nicht auf. Georgis Nachfolger, Metropolit Dionysius Waledyński, setzte die Verhandlungen fort. Im Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig stellte der Patriarch von Konstantinopel einen Tomos aus – eine Urkunde über kirchliche Eigenständigkeit. Am siebzehnten September neunzehnhundertfünfundzwanzig wurde sie hier, in der Kathedrale der Heiligen Maria Magdalena, feierlich verlesen.
Heute ist dies die Hauptkirche der Polnisch-Orthodoxen Kirche; an Feiertagen leitet der Metropolit von Warschau und ganz Polen hier die Gottesdienste. Seine Residenz befindet sich weiterhin nebenan, und an der Westwand der Kathedrale hängt ein Porträt von Georgi Jaroszewski.
Praktisch vor Ort
Aktive orthodoxe Kathedrale. Touristische Öffnungszeiten sind in öffentlich zugänglichen Quellen nicht bestätigt; betreten Sie sie nur, wenn die Kirche geöffnet ist und kein Gottesdienst dadurch gestört wird.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betreten Sie das Innere nur bei geöffneten Türen und ohne den Gottesdienst zu stören; Fotos und die Besichtigung des Innenraums sollten Sie vor Ort abstimmen.
