Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weiße Mauern
- Schwarzer Streifen
- Reihen eingemeißelter Namen
- Durchgang zwischen den Mauern
Die Geschichte des Ortes
Umschlagplatz nannte man den Platz zum Umladen an einem Bahngleis. Zunächst lief über ihn der gesamte erlaubte Warenaustausch zwischen dem Warschauer Ghetto und dem übrigen Teil der Stadt. Später dienten der Hof und die benachbarten Gebäude als Ort, von dem Menschen zu den Güterwagen geführt wurden. Die Rampe ist längst nicht mehr da; weiße Mauern mit einem schwarzen Streifen umschließen das Mahnmal, auf dessen Innenseiten vierhundert verbreitete polnische und jüdische Vornamen aus der Vorkriegszeit eingemeißelt sind.
Im Sommer neunzehnhundertzweiundvierzig betrat Nachum Remba diesen Hof in einem weißen Arztkittel. Arzt war er nicht. Remba arbeitete im Schulamt und im Sekretariat des Judenrats von Warschau im Warschauer Ghetto, und der Kittel erlaubte ihm, sich dort aufzuhalten, von wo fast niemand mehr herausgelassen wurde.
Der Name „Umschlagplatz“ bedeutet Platz zum Umladen. Vor den Massendeportationen befand sich hier der einzige offizielle Knotenpunkt, über den Waren zwischen dem Warschauer Ghetto und dem übrigen Warschau übergeben wurden. Am zweiundzwanzigsten Juli neunzehnhundertzweiundvierzig begannen die deutschen Besatzungsbehörden, das Bahngleis zur Verschickung von Menschen zu nutzen. Die Verhafteten hielt man im Hof und in den benachbarten Gebäuden fest, dann trieb man sie in Güterwagen und brachte sie nach Treblinka.
Am Eingang richtete Remba eine Art Sanitätsposten ein. Unter den Festgehaltenen wählte er eine Person aus, erklärte sie für zu krank für die Fahrt und verlangte, sie den Ärzten zu übergeben. Den Geretteten legte man auf eine Liege, verband ihn zur Glaubwürdigkeit, und bei der ersten Gelegenheit brachte man ihn in einem Krankenwagen zurück ins Ghetto.
Einmal befanden sich an der Rampe die Leiterin eines Waisenhauses, Maria Rotblat, und achtzig ihrer Schützlinge – Mädchen von zehn bis sechzehn Jahren. Marias Sohn, der Erzieher Lejb „Lutek“, bemühte sich um ihre Freilassung. Gemeinsam mit Remba überzeugte er die deutschen Angestellten, dass die Mädchen Militäruniformen nähten und für die Werkstatt gebraucht würden. Die weißen Kittel und ein Bestechungsgeld halfen. Die gesamte Gruppe wurde vom Umschlagplatz weggeführt und in das Waisenhaus in der ul. Twarda zurückgebracht.
Die Rettung erwies sich als vorübergehend. Einige Monate später wurden die Schützlinge dennoch nach Treblinka deportiert. Im Mai neunzehnhundertdreiundvierzig nahm man auch Remba selbst fest. Über denselben Ort schickte man ihn in eines der Lager im Distrikt Lublin, wo er getötet wurde.
Die alte Rampe ist nicht erhalten. Im Jahr neunzehnhundertachtundachtzig errichteten die Architektin Hanna Szmalenberg und der Bildhauer Władysław Klamerus hier ein Rechteck aus weißen Mauern mit einem schwarzen Streifen oben. Auf der Innenseite meißelten sie in alphabetischer Reihenfolge vierhundert verbreitete polnische und jüdische Vornamen aus der Vorkriegszeit ein – von Aba bis Żanna. Das ist keine Liste von vierhundert identifizierten Opfern: Daneben stehen keine Familiennamen. An der Rampe, an der Menschen in Güterwagen verladen wurden, sind heute nur noch Namen geblieben.
Praktisch vor Ort
Das offene Mahnmal ist ohne Eintrittskarte zugänglich; am 22. Juli und an Tagen von Gedenkzeremonien kann der Zugang eingeschränkt sein.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Gehen Sie ruhig hinein, lehnen Sie sich nicht an die Mauern und lassen Sie den schmalen Durchgang frei. Den Schluss hört man besser ohne gleichzeitig zu filmen.
