Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Aufschrift „Gerhardt“
- Stahlbetongerüst
- Fensteröffnungen und Durchbrüche
- Der der Wolga zugewandte Wand
Die Geschichte des Ortes
Der Ziegelbau am Ufer der Wolga ist von einer großen Mühle erhalten geblieben; um ihn herum standen einst hölzerne Lagerhäuser, ein Büro und Wirtschaftsgebäude. Sie sind nicht mehr da, und der frühere Industriehof lässt sich heute nur noch an den Wänden und den leeren Rechtecken der Fenster erahnen. Die Flussfassade ist deutlich besser erhalten, während die drei anderen Wände von Einschlägen übersät sind.
Hoch oben an der Ziegelwand ist der Familienname „Gerhardt“ erhalten. Alexander Gerhardt, ein Wolgadeutscher und Miteigentümer eines Handelshauses, richtete hier neben der Wolga einen Mühlenbetrieb ein: Eine Eisenbahnzweigstrecke führte bis zur Anlegestelle, und das Getreide wurde in den Produktionsbau hinaufbefördert. Nach dem Brand von neunzehnhundertsieben baute die Familie Gerhardt die Mühle neu auf. Die schweren Maschinen versetzten die Decken in Schwingung, deshalb errichteten die Bauleute im Inneren ein Stahlbetongerüst, das für ständige Vibrationen ausgelegt war. Vierunddreißig Jahre später hielt diese Berechnung die Wände unter Fliegerbomben und Artilleriefeuer stand.
Die Bezeichnung „Grudinin-Mühle“ ist mit einem anderen Menschen verbunden. Konstantin Grudinin verdiente hier seit neunzehnhundertzwanzig seinen Lebensunterhalt als Dreher und leitete die kommunistische Zelle des Betriebs. Am sechsundzwanzigsten Mai neunzehnhundertzweiundzwanzig schoss der Arbeiter Alexander Gerlinger ihm im Raum zur Warenannahme der Mühle in den Hinterkopf. Nach den Unterlagen des Strafverfahrens beteuerte Gerlinger, er habe mit dem Revolver herumgespielt und nicht schießen wollen; das Gericht verurteilte ihn zu eineinhalb Jahren Haft. Sieben Jahre später erhielt das verstaatlichte Unternehmen den Namen des getöteten Grudinin. Deshalb blieb an der Wand der Familienname des Eigentümers erhalten, während die offizielle Bezeichnung den Familiennamen des Arbeiters trägt, der in diesem Baukörper getötet wurde.
Am vierzehnten September neunzehnhundertzweiundvierzig durchschlugen Sprengbomben das Dach, es brach ein Feuer aus, und die Produktion kam zum Erliegen. In derselben Nacht setzte die dreizehnte Garde-Schützendivision über die Wolga. Sachar Tscherwjakow, der Kommandeur des ersten Bataillons des zweiundvierzigsten Garde-Schützenregiments, sollte die deutschen Einheiten von der Anlegestelle zurückdrängen und zu den eingeschlossenen Verteidigern des Bahnhofs durchbrechen.
Tscherwjakows Bataillon nahm die brennende Mühle ein, ließ sie im eigenen Rücken und rückte weiter zum Bahnhof vor. Fünf Tage lang versuchten die Soldaten, sich dort festzusetzen, konnten die Stellung jedoch nicht halten. Tscherwjakow wurde schwer verwundet und wieder über die Wolga zurückgebracht. Die Reste des Bataillons wichen zu eben jenem Gebäude zurück, von dem aus sie den Angriff begonnen hatten. Nach dem Fehlschlag am Bahnhof war die Mühle der äußerste große Baukörper am Ufer, der noch von sowjetischen Einheiten gehalten wurde.
Bis zum zwanzigsten September hatte das dritte Bataillon desselben Regiments hier Stellung bezogen. Der Regimentskommandeur Iwan Jelin setzte sich dafür ein, den schmalen Streifen zwischen den deutschen Stellungen und der Wolga zu halten: Der Verlust der Mühle hätte den Weg zur Anlegestelle geöffnet, über die nachts Menschen und Munition eintrafen. Jelin richtete im Baukörper seinen Beobachtungsposten ein. In verschiedenen Räumen und auf verschiedenen Stockwerken befanden sich außerdem Beobachter der Division, des Bataillons und der Kompanie – mehrere Kommandeure waren mitunter nur durch eine Stahlbetondecke voneinander getrennt.
Von drei Landseiten war die Mühle von Gebäuden umgeben, die von deutschen Einheiten besetzt waren. Im Rücken lag die Wolga. Die Besatzung nutzte Fensteröffnungen und Durchbrüche als Feuerstellungen und reichte über die Schützengräben Munition an vorgeschobene befestigte Häuser weiter. Die hölzernen Lagerhäuser, das Büro und die Wirtschaftsgebäude der Gerhardts verbrannten oder wurden durch Explosionen abgetragen. Das Stahlbetongerüst bot den Soldaten weiterhin Schutz.
Diesen Streifen hielt das zweiundvierzigste Regiment bis Januar neunzehnhundertdreiundvierzig, als die Division von hier aus zum Angriff überging. An der der Wolga zugewandten Seite der Mühle sind deutlich weniger Schäden geblieben. Die drei anderen Wände, vor denen sich die deutschen Stellungen befanden, sind fast auf ihrer gesamten Fläche von Granaten, Kugeln und Splittern durchlöchert. Über ihnen ist der Name Gerhardt weiterhin lesbar; in Museumsdokumenten wird die Ruine als Grudinin-Mühle geführt.
Praktisch vor Ort
Die Besichtigung von außen ist rund um die Uhr möglich; der Zugang ins Innere der Ruine ist geschlossen.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie das Gebäude nur von der zugelassenen Außenfläche aus und versuchen Sie nicht, in die Ruine einzudringen.
