Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Ovale Fassade
- Inschrift über dem Eingang
- Graues Marmorportal
- Kuppelfresko
Die Geschichte des Ortes
Das graue Marmorportal öffnet eine Barockkirche mit einem ovalen Raum unter der Kuppel: Fresko und Kanzel sind der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet, und über dem Hochaltar ist Petrus gemeinsam mit Johannes am Tor des Jerusalemer Tempels dargestellt. Ihren Namen und die Weihe an Petrus erhielt sie von der alten Pfarrkirche, die ein Dokument aus dem Jahr eintausendeinhundertsiebenunddreißig bereits Peterskirche nennt. Jene Kirche gibt es nicht mehr: Zusammen mit ihr wurde der Friedhof abgerissen, und die heutige Kirche bewahrte sowohl Petrus als auch die Erinnerung an die Dreifaltigkeit. Hier wurden einst an einem einzigen Tag Dutzende bestellte Messen gefeiert.
Während eben jener Epidemie, von der an der Pestsäule die Rede war, reichten die Vorsteher der Dreifaltigkeitsbruderschaft bei Kaiser Leopold I. eine Bittschrift ein. Als Bruderschaft bezeichnete man einen Zusammenschluss von Laien: Seine Mitglieder beteten gemeinsam, veranstalteten Prozessionen und bestellten Gottesdienste für Lebende und Verstorbene. Sie setzten sich für den Umbau der alten Peterskirche ein, die sie seit eintausendsechshundertsechsundsiebzig verwalteten. Nach einem Brand stand die Kirche mit notdürftig geflickten Schäden da und verfiel allmählich.
Leopold versprach eine neue Kirche, gab jedoch kein Geld. Die kaiserliche Kasse finanzierte den Krieg, und die Wiener spendeten immer weniger bereitwillig: Die Epidemie war vorbei, und ihr Gelübde schien nicht mehr dringend. Die Bruderschaft wuchs unterdessen. Wohlhabende Bürger, Hofleute und Adelige traten ihr bei, darunter Leopold selbst. Diese Menschen wollten sich Gebetsgedenken nach dem Tod sichern und zahlten schon zu Lebzeiten Geld in die Gemeinschaft ein.
Solche Einlagen erinnerten zugleich an ein Testament, eine Versicherung und eine Bankeinlage. Die Bürgerwitwe Margareta Ziegler übergab der Bruderschaft fünfhundert Gulden und erhielt bis an ihr Lebensende jährlich fünf Prozent dieser Summe. Andere hinterließen Kapital unter der Bedingung, regelmäßig Messen für sie zu lesen. Aus solchen Geldern wurden Priester, Musiker und der Unterhalt der Kirche bezahlt.
Erst im Jahr eintausendsiebenhunderteins erhielt die Bruderschaft die Erlaubnis, eine Kirche zu bauen – innen sorgfältig ausgestattet, jedoch ohne übermäßige Ausgaben. Die alte Kirche wurde zusammen mit dem sie umgebenden Friedhof abgerissen. Sparen ließ sich nicht. In einer späten Chronik der Bruderschaft stieg die Endsumme auf vierhundertfünfundsiebzigtausend Gulden; diese Berechnung lässt sich heute nicht mehr überprüfen. Das Ergebnis liegt jedoch vor Augen: ein ovaler Saal unter einer Kuppel, kaiserliche Logen und Darstellungen der Heiligen Dreifaltigkeit im Kuppelfresko und an der Kanzel. Die heutige Kirche wurde zugleich der Dreifaltigkeit und dem heiligen Petrus geweiht.
Petrus ist hier der Apostel, einer der engsten Jünger Christi und nach katholischer Überlieferung das erste Oberhaupt der römischen Kirche. Seinen Namen erhielt der Barockbau von der früheren Kirche: Ein Dokument aus dem Jahr eintausendeinhundertsiebenunddreißig nennt die Peterskirche bereits eine Pfarrkirche. Warum das früheste Heiligtum gerade Petrus geweiht wurde, ist nicht zuverlässig bekannt. Ein Marmorrelief an der Ostwand zeigt, wie Karl der Große hier angeblich im achten Jahrhundert eine Kirche gründet. Es wurde erst eintausendneunhundertsechs angebracht und stellt eine Überlieferung dar, kein belegtes Ereignis. Über dem Hochaltar ist Petrus in einer Szene dargestellt, die die Kirche als Tatsache seines irdischen Lebens ansieht: Gemeinsam mit dem Apostel Johannes heilt er einen Lahmen am Tor des Jerusalemer Tempels.
Die Bruderschaft erfüllte die Peterskirche mit ständigen Gottesdiensten. Bis eintausendsiebenhundertsiebenundsiebzig waren in ihren Listen mehr als dreiundvierzigtausend Menschen verzeichnet, und die Schatzmeister verwalteten dreitausendsechshundert Einlagen und testamentarische Stiftungen. Gegen Ende des Bestehens der Bruderschaft wurden hier durchschnittlich sechzig bestellte Messen am Tag gefeiert.
Das Geld hinterließ auch konkrete Spuren. Joachim Georg Schwandtner, Hof- und Ministerialrat, machte Karriere im kaiserlichen Dienst und stand später der Bruderschaft vor. Er finanzierte die Orgelempore und das graue Marmorportal, durch das man die Kirche betritt. Schwandtner starb eintausendsiebenhundertzweiundfünfzig, bevor die Arbeiten abgeschlossen waren. Nach seinem Testament wurde hier ein Kollegium aus sechs Priestern gegründet: Sie sollten die Beichte abnehmen, predigen und die Mitglieder der Bruderschaft seelsorgerisch betreuen. Schwandtners eigenes Grab befindet sich links vom Altarraum.
Eintausendsiebenhundertdreiundachtzig löste Kaiser Joseph II. die Wiener Bruderschaften auf und zog ihr Vermögen ein. Die Peterskirche wurde zu einer gewöhnlichen Pfarrkirche; später wurde sie eine Rektoratskirche, also eine Kirche ohne eigenen Pfarrbezirk. Die Dreifaltigkeitsbruderschaft gibt es nicht mehr. Über dem Eingang blieb die Inschrift über Leopolds Gelübde erhalten, darunter das von Schwandtner bezahlte Portal und im Inneren sein Grab.
Praktisch vor Ort
Offizielle Website der Peterskirche: Mo–Fr 08:00–19:00, Sa–So 09:00–19:00; Messen, Beichte, Gruppenbesuche und Konzerte können den Zugang verändern.
Öffnungszeiten nach Tagen
Der vollständige architektonische Entwurf ist vom kleinen Platz aus zu sehen. Wenn die Kirche geöffnet ist, betreten Sie sie leise: Gottesdienste und Konzerte können die Besichtigung einschränken, und der Besuch des Innenraums ist für die Route nicht erforderlich.
