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Domkirche St. Stephan

Domkirche St. Stephan / Stephansdom

Hier beginnt der Streit darüber, ob eine fürstliche Residenz ohne eigenen Bischof zu einer kirchlichen Hauptstadt werden kann.

15 Min.
Die gotische Domkirche St. Stephan mit ihrem hohen Südturm im Zentrum von Wien.
Sharon Hahn Darlin · CC BY 2.0; cropped/resized for app
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Worauf achten

  • Westfassade
  • Figur mit einem Kirchenmodell
  • Südturm
  • Hochaltar

Die Geschichte des Ortes

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An der Westfassade ist eine Kopie einer mittelalterlichen Figur mit einem kleinen Kirchenmodell in den Händen erhalten. Der Südturm und das erweiterte Gebäude entstanden um die alte Pfarrei herum, die im zwölften Jahrhundert zu Ehren des heiligen Stephanus geweiht wurde. Unter dem Chor befindet sich eine Familiengruft, und an den Fassaden stellte man vornehme Stifter neben Heilige. Heute zelebriert hier der Wiener Erzbischof, und das ständige Kollegium der Priester wirkt an der Verwaltung des Doms mit.

Im Jahr eintausenddreihundertfünfundsechzig gründete Herzog Rudolf IV. von Österreich an dieser Kirche ein Kapitel für einen künftigen Dom. Ein Kapitel war ein ständiges Kollegium von Priestern: Sie feierten feierliche Gottesdienste, verwalteten das Kirchenvermögen und unterstützten den Bischof bei der Leitung der Diözese. Nur einen eigenen Bischof hatte Wien damals nicht. Die Hauptkirche der Stadt blieb eine Pfarrei des Bischofs von Passau.

Diese Abhängigkeit steht schon im Namen der Domkirche St. Stephan. Der Bischof von Passau weihte hier im Jahr eintausendeinhundertsiebenundvierzig die erste große Kirche und gab ihr den Schutzpatron seines Domes – den heiligen Stephanus. Nach der Apostelgeschichte war Stephanus ein Diener der frühen christlichen Gemeinde: Ihm war aufgetragen worden, Hilfe unter den Witwen zu verteilen, die bei der täglichen Essensausgabe übergangen wurden. Nach einer Rede vor dem Hohen Rat führte man ihn vor die Stadttore und steinigte ihn. Christen verehren Stephanus als ersten Märtyrer. Im Inneren des Wiener Doms ist seine Hinrichtung auf dem Hochaltar dargestellt.

Rudolf IV. wollte die Unterordnung unter Passau beenden. Seine Stellung gründete sich auf die Erblande der Habsburger, doch seinem Rang nach blieb er Herzog. Sein Schwiegervater, Kaiser Karl IV., hatte Prag zu einer Residenz mit einem Erzbischof, dem Veitsdom und einer Universität gemacht. Wien war Rudolfs Residenz, doch seine Hauptkirche galt weiterhin als gewöhnliche Pfarrei einer fremden Diözese. Der Bischof von Passau leistete Widerstand: Ein neuer Bischofssitz hätte für ihn den Verlust eines Teils seines Gebiets bedeutet.

Rudolf gelang es nicht, einen Bischof zu erhalten. Daraufhin löste er das von ihm gegründete Kapitel aus der Aufsicht Passaus und unterstellte es unmittelbar dem Papst. Vierundzwanzig Priester trugen rote Gewänder, und ihr Vorsteher, der Propst, erhielt das Recht, in einem bischofsähnlichen Gewand aufzutreten. Die Westempore überließ Rudolf dem Kapitel für seine Versammlungen, den mittleren Chor für das gemeinsame Gebet. Einen Bischof gab es in Wien noch nicht, doch in der Domkirche St. Stephan versah bereits ein Klerus von Domrang seinen Dienst.

Der Herzog ließ den Südturm errichten und die Kirche erweitern, richtete unter dem Chor eine Familiengruft ein und bestimmte dort schon im Voraus einen Platz für sich selbst. An den Fassaden erschienen seine Darstellungen: Rudolf hielt ein Modell der Kirche, die er seiner Dynastie hinterlassen wollte. Der Herzog stellte seine eigene Figur neben Heilige und seine vornehmen Verwandten – so sollten die Gemeindemitglieder sehen, wer der Domkirche St. Stephan ihren neuen Status verliehen hatte.

Einige Monate nach der Gründung des Kapitels reiste Rudolf nach Mailand, um über die Heirat seines Bruders zu verhandeln und dynastische Ansprüche in Italien zu festigen. Dort starb er, bevor er sechsundzwanzig Jahre alt wurde, und hinterließ keine Kinder. Sein Leichnam wurde nach Wien gebracht und in die von ihm vorbereitete Gruft unter dem Chor gelegt. Sein steinernes Grabdenkmal im Inneren des Doms blieb leer: Die Gebeine liegen unter dem Fußboden, getrennt von der liegenden Figur des Herzogs.

Nach Rudolfs Tod verloren seine Brüder das Interesse an der gewaltigen Baustelle, und die Wiener Bürger mussten sie weiterführen. Erst etwas mehr als hundert Jahre später erwirkte Kaiser Friedrich III. bei Papst Paul II. die Gründung der Diözese Wien. Die Domkirche St. Stephan erhielt den Bischof, den Rudolf für sie nie erhalten hatte.

Heute zelebriert hier der Wiener Erzbischof, und das von Rudolf gegründete Kapitel besteht bis heute ohne Unterbrechung. Ihm gehören zwölf Priester an; sie wirken an der Verwaltung des Doms und an Entscheidungen der Erzdiözese mit. An der Westfassade hält eine Kopie der Figur Rudolfs noch immer das Kirchenmodell. Das Original wird im Wien Museum aufbewahrt, der Leichnam des Herzogs liegt unter dem Chor, und der Dom trägt den Namen des Heiligen, der einst aus Passau hierherkam.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktStock-im-Eisen-Platz
Eintrittvon außen

WienTourismus / Domkirche St. Stephan: Die Domkirche ist gewöhnlich Mo–Sa 06:00–22:00, So/Feiertage 07:00–22:00 geöffnet; für Türme, Katakomben und Führungen gelten eigene Öffnungszeiten.

Öffnungszeiten nach Tagen
Mo06:00–22:00
Di06:00–22:00
Mi06:00–22:00
Do06:00–22:00
Fr06:00–22:00
Sa06:00–22:00
So07:00–22:00
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Betrachten Sie den Dom zunächst vom Platz aus. Bewahren Sie im Inneren Ruhe und betreten Sie keine Bereiche für Gottesdienste; für Türme, Katakomben und Führungsteile können eigene Zugangsregelungen gelten.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Überqueren Sie den Platz zur Glasnische an der Ecke des Palais.

Stopp 1 von 8Weiter: Stock-im-Eisen-Platz

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Von der Domkirche St. Stephan zur Hofburg: Wer über Wien bestimmte“ — 8 Stopps, etwa 1,6 km, 2–3 Stunden.

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