Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Turm des Wiener Rathauses
- Rathausmann
- Gotische Fassade
- Park vor der Fassade
Die Geschichte des Ortes
Die gotischen Fenster und schmalen Spitzen gehören zu dem Gebäude, in dem der Gemeinderat und der Landtag des Landes Wien zusammenkommen. Wien ist zugleich Stadt und Bundesland, deshalb arbeiten unter einem Dach der Bürgermeister, die Abgeordneten und die städtischen Dienststellen. Das Erscheinungsbild greift mittelalterliche Wiener Rathäuser auf, als ein eigenes Haus des Rates zum Zeichen städtischer Selbstverwaltung wurde. Über dem Park vor der Fassade hält ein eiserner bewaffneter Bürger eine Fahne, und unten auf dem breiten Streifen des Platzes finden Jahrmärkte, eine Eisbahn und sommerliche Filmvorführungen statt.
Cajetan Felder ging schon über diesen Ort, als hier noch kein Wiener Rathaus stand. An der Stelle von Turm, Park und Platz lag das Josefstädter Glacis – ein offenes Feld vor den geschleiften Stadtbefestigungen. Das kaiserliche Militär nutzte es für Paraden und Übungen. Felder lebte in der Josefstadt und überquerte auf dem Weg ins Zentrum den Exerzierplatz: bei trockenem Wetter staubig, nach Regen mit Schlamm bedeckt.
Felder machte als Gerichtsadvokat Karriere und wurde im Jahr achtzehnhundertachtundsechzig Bürgermeister von Wien. Zu diesem Zeitpunkt fanden die Beamten und der Gemeinderat bereits keinen Platz mehr im alten Wiener Rathaus an der Wipplingerstraße. Für den Neubau wählte man ein Grundstück beim Stadtpark, auf der anderen Seite des Zentrums. Die Mehrheit der Gemeinderäte wollte genau dort bauen.
Felder setzte sich für diesen Exerzierplatz ein. Hier war Platz für ein wesentlich größeres Gebäude, und in der Nähe konnten Universität Wien, das Reichsparlament und die Stadtverwaltung zusammengeführt werden. Gegen ihn standen Gemeinderäte und Militärs, die den Exerzierplatz nicht abgeben wollten. Daraufhin brachte der Bürgermeister seinen Vorschlag zur Abstimmung. Ein Teil der Gegner unterstützte ihn in der Erwartung, dass Franz Joseph I. ihn ablehnen würde: Der Kaiser werde den Platz ihrer Ansicht nach ohnehin für die Armee behalten.
Doch Felder hatte Franz Joseph I. bereits von dem Vorhaben berichtet. Der Kaiser stimmte zu, und dem Militär wurde ein neuer Übungsplatz am damaligen Stadtrand auf der Schmelz zur Verfügung gestellt. Die Genehmigung war an eine Bedingung geknüpft: Der Turm des Wiener Rathauses durfte neunundneunzig Meter – die Höhe der bereits bekannten Votivkirche – nicht überschreiten.
Der Architekt Friedrich von Schmidt entwarf einen Turm von knapp achtundneunzig Metern Höhe. Oben darauf setzte er einen mehr als fünf Meter hohen eisernen Fahnenträger. Die kaiserliche Bedingung war formell erfüllt: Der Turm selbst blieb niedriger als die Votivkirche, doch die Figur hob die gesamte Silhouette über sie hinaus.
Diesen Fahnenträger nennt man Rathausmann – den „Mann des Rathauses“. Er stellt keinen bestimmten Wiener dar. Schmidt verwendete das alte Bild eines bewaffneten Bürgers, das mit der Selbstständigkeit mittelalterlicher Städte verbunden war. Aus demselben Grund erinnert die Fassade an ein gotisches Wiener Rathaus: Der Architekt bezog sich auf die Epoche, in der Stadträte eigene Gebäude und das Recht erhielten, die Angelegenheiten der Stadt zu führen.
Der Sieg kam Felder teuer zu stehen. Der ursprüngliche Kostenvoranschlag wurde mit achteinhalb Millionen Gulden genehmigt, die endgültigen Ausgaben erreichten dreizehneinhalb Millionen. Die Stadt nahm Geld auf, und die Bauschulden wurden zu einem der Gründe, weshalb Felder im Jahr achtzehnhundertachtundsiebzig nicht wiedergewählt wurde. Das Wiener Rathaus wurde fünf Jahre nach seinem Ausscheiden fertiggestellt, und der Gemeinderat zog noch später hier ein.
Heute tagen im Inneren die Abgeordneten des Gemeinderats und des Landtags: Wien ist zugleich Stadt und eigenständiges Bundesland. Hier befinden sich das Büro des Bürgermeisters und die städtischen Dienststellen, während die Prunksäle Konzerte, Bälle und offizielle Zeremonien aufnehmen. Der frühere Exerzierplatz vor der Fassade ist durch einen Park geteilt; den freien Streifen in der Mitte nehmen Jahrmärkte, eine Eisbahn und sommerliche Filmvorführungen ein. Über ihm steht der Rathausmann, dank dem Felders Turm doch höher als die erlaubten neunundneunzig Meter wurde.
Praktisch vor Ort
Überprüfen Sie den aktuellen Betrieb des Wiener Rathauses, der Führungen und Veranstaltungen auf dem Rathausplatz
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Treten Sie von der Fassade zurück, um den ganzen Turm zu sehen; die obere Figur ist vom Boden aus sehr klein. Die Innenräume erfordern einen gesonderten Zugang.
