Stopp 6 von 8

Mercerie

Mercerie / Torre dell'Orologio

Die Handelsstraße zeigt, wie ein Zugezogener über einen Laden, eine Partnerschaft und das Bürgerrecht in der Stadt Fuß fassen konnte.

15 Min.
Der Uhrturm am Markusplatz in Venedig
Peter J StB Green · CC BY-SA 3.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
12345678

0 von 8 erledigt

Audioguide · aufgenommene StimmeOrtsgeschichte anhören

Schau dich zuerst um

Worauf achten

  • Bogen des Uhrturms am Markusplatz
  • Enge Geschäftsstraßen
  • Schilder über den Läden
  • Schild „Calle del Calice“

Die Geschichte des Ortes

Textgröße

Vom Markusplatz bis zum Rialto erstreckt sich ein enger Handelskorridor, in dem sich noch heute Schilder über den Türen drängen. Einst verband er die Großhandelsgeschäfte am Rialto mit den Beamten und wohlhabenden Auftraggebern bei San Marco. Hier wurden importierte Stoffe, Kleidung, Bänder, Handschuhe und kleine Waren zu Einkäufen für das Zuhause. Hausnummern existierten nicht, deshalb suchte man den gewünschten Laden nach einem Kelch, einem Mond oder einem Schiff über dem Eingang.

Diese engen Straßen zwischen San Marco und Rialto heißen Mercerie. Mitte des sechzehnten Jahrhunderts kam der dreizehnjährige Bartolomeo Bontempelli aus einem Gebirgstal bei Brescia nach Venedig. Er hatte nur eine kleine Summe Geld bei sich; in der Stadt hatte er weder eine Familie mit bekanntem Namen noch ein eigenes Geschäft. Seinen Lebensunterhalt sollte er durch Handel verdienen.

Einige Jahre später befand sich Bontempelli hier, in der Mercerie, im Laden Zum Kelch. Die Mercerie ist eine Folge enger Straßen zwischen San Marco und Rialto. Der Name kommt vom venezianischen Wort „marzeri“: So nannte man Händler mit Stoffen, Kleidung, Bändern, Handschuhen und vielen importierten Kleinigkeiten. Die Großhändler schlossen ihre Geschäfte am Rialto ab, Beamte und wohlhabende Auftraggeber befanden sich bei San Marco, und die marzeri besetzten den Weg dazwischen. Sie machten aus Waren aus dem Schiffsraum oder aus der Werkstatt einen Einkauf, den man nach Hause tragen konnte.

Hausnummern gab es damals nicht. Der Käufer suchte nach einem Kelch, einem Mond, einem Schiff oder einem anderen Bild über der Tür. Das Schild ging allmählich auch auf den Händler selbst über: Bartolomeo begann man Bontempelli dal Calice zu nennen – Bontempelli „vom Kelch“.

Bis zum Jahr eintausendfünfhundertzweiundsechzig war er bereits Mitinhaber dieses Ladens. Danach vereinigte Bontempelli das Geschäft mit Gioacchino und Salvatore Rubbi, den Söhnen eines früheren Partners, die den Familienanteil bewahren mussten. Im Jahr eintausendfünfhundertachtundsiebzig brachten die Partner vierundzwanzigtausend Dukaten in das Unternehmen ein, je zur Hälfte von beiden Seiten. Das Ausmaß des Risikos wird im Vergleich deutlich: Bei zwei Dritteln der venezianischen marzeri erreichte das Kapital nicht einmal fünfhundert Dukaten.

Der Vertrag verbot es, acht Jahre lang Gewinne zu entnehmen. Das Geld sollte im Umlauf bleiben: Davon kaufte man erneut Stoffe, gab Waren auf Kredit aus und bezahlte die nächsten Lieferungen. Die Familien festigten ihr Bündnis durch eine Heirat – Bartolomeos Bruder heiratete die Schwester der Rubbi. Doch bis zum Jahr eintausendfünfhundertsiebenundachtzig ging der Laden Zum Kelch vollständig an Bontempelli über, während die Rubbi nur einen Anteil an den Einnahmen behielten.

Bartolomeo handelte bereits nicht nur mit Brokat. Er investierte in Zinnober und Quecksilber, pachtete ein Bergwerk, gewährte vornehmen Familien Kredite und hielt Zehntausende Dukaten in Staatspapieren. Die Senatoren verliehen dem Zugezogenen im Jahr eintausendfünfhundertneunundsiebzig das volle venezianische Bürgerrecht. Ein Patrizier wurde er dadurch nicht, doch der Ladenbesitzer erhielt die Anerkennung, um derentwillen er an einem fremden Ladentisch begonnen hatte.

Im Jahr eintausendfünfhundertsechsundachtzig kaufte Bontempelli einen Platz für das Familiengrab beim Hauptaltar der benachbarten Kirche San Salvador. Dort brachte man auch ein Gemälde an, auf dem er und sein Bruder Grazioso Bontempelli unter einer Szene der Beweinung Christi knien. Der Händler bestellte sich schon zu Lebzeiten eine Präsenz neben dem Altar.

Den Laden Bontempellis gibt es nicht mehr. Von einem Seitendurchgang der Mercerie zweigen weiterhin die Calle del Calice, der Sottoportego del Calice und die Corte del Calice ab – die Straße, der überdachte Durchgang und der Hof des Kelchs. Das Schild über dem Ladentisch überlebte sowohl seinen Besitzer als auch dessen Waren.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktRialtobrücke
Eintrittvon außen

Offener Stadtraum; wählen Sie einen Aussichtspunkt, der den Fußgängerverkehr nicht behindert.

Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Die Durchgänge sind eng und ständig belebt. Bleiben Sie nicht vor den Ladentüren und nicht direkt unter dem Bogen stehen; wählen Sie für eine Pause eine kleine Straßenerweiterung.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Folgen Sie den Wegweisern „Rialto“ bis zur ersten Stufe der Brücke.

Stopp 6 von 8Weiter: Rialtobrücke

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Von San Marco nach Rialto: Republik Venedig“ — 8 Stopps, etwa 1,3 km, 2–3 Stunden.

Ohne App Store und Google Play

Guide On Map als App installieren

Ein Symbol erscheint auf dem Startbildschirm; die Website öffnet sich ohne Browseroberfläche.

Android · Chrome
  1. Wenn unten „Jetzt installieren“ erscheint, tippe darauf und bestätige.
  2. Falls die Schaltfläche fehlt: Menü ⋮ → „App installieren“.
iPhone · Safari
  1. Tippe unten in Safari auf „Teilen“.
  2. Wähle „Zum Home-Bildschirm“ und dann „Hinzufügen“.
Symbol auf dem BildschirmVollbildmodusOffline-RoutenSpazierfortschritt