Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Arkaden des unteren Geschosses
- Rote Säulen der Loggia
- Balkon über der Piazzetta San Marco
- Rosa-weiße Verkleidung
Die Geschichte des Ortes
In der Nacht vom fünfzehnten auf den sechzehnten April eintausenddreihundertfünfundfünfzig füllten bewaffnete Patrizier den Dogenpalast. Doge Marino Falier selbst befand sich in dem Gebäude unter Bewachung, in dem er als auf Lebenszeit gewähltes Oberhaupt der Republik Venedig lebte.
Der Name des Palastes kann irreführen. Neben den Gemächern des Dogen befanden sich hier die Säle des Großen Rates, Gerichte, Kanzleien und der Rat der Zehn – ein Gremium, das Verschwörungen gegen die Republik untersuchte. Der Doge führte bei Zeremonien den Vorsitz, bestimmte Treffen und empfing Gesandte, doch die wichtigsten Entscheidungen mussten durch die Räte gehen. Bei seinem Amtsantritt schwor er, die festgelegten Regeln einzuhalten.
Falier war erst sieben Monate zuvor gewählt worden. Venedig befand sich bereits seit vier Jahren im Krieg mit Genua, und kurz nach der Wahl des Dogen erlitt die venezianische Flotte bei Porto Longo eine katastrophale Niederlage: Die Schiffe fielen dem Gegner zu, der Admiral und der größte Teil seiner Männer gerieten in Gefangenschaft. Seeleute und Schiffseigner gaben den Patriziern die Schuld, die den Krieg lenkten.
Damals gerieten im Schifffahrtsamt im Erdgeschoss des Palastes der Patrizier Giovanni Dandolo und Bertuccio Isarello, Schiffseigner und eine einflussreiche Persönlichkeit unter den Seeleuten, aneinander. Dandolo schlug Isarello ins Gesicht. Dieser versammelte seine Gefährten und wartete am Ausgang auf den Beleidiger. Falier ließ Isarello in den Palast kommen und tadelte ihn wegen seiner Drohungen. In der Nacht ließ der Doge ihn erneut rufen – diesmal ohne Zeugen – und schlug vor, gemeinsam gegen die Patrizier vorzugehen.
Spätere Chronisten erklärten Faliers Handeln mit einer persönlichen Demütigung: Junge Adlige hätten ihn und seine Frau beleidigt, und das Gericht habe den Schuldigen zu milde bestraft. Die bekannteste Version mit einer obszönen Inschrift entstand später und gilt als unzuverlässig. Die Prozessakten sind nicht erhalten: An der betreffenden Stelle im Register des Rates der Zehn steht zweimal, dass keine Eintragung vorgenommen werden soll. Etwas anderes ist sicher bekannt – der Doge traf sich mehrere Nächte lang gerade im Palast mit den Verschwörern.
Isarello gewann Seeleute und Schiffseigner für sich. Zu den Anführern gehörte sein Schwiegervater Filippo Calendario, Steinmetz und Besitzer von Booten. Sie wollten mit bewaffneten Abteilungen auf den Markusplatz kommen. Auf Befehl des Dogen sollten die Glocken die Annäherung von fünfzig genuesischen Galeeren verkünden. Die Patrizier wären in den Palast geeilt, um über die Verteidigung zu beraten, und die Verschwörer hätten sie hier erschlagen. Danach sollte Falier zum Alleinherrscher erklärt, die bisherige Zusammensetzung des Großen Rates aufgelöst und die Ämter den Teilnehmern des Aufstands übertragen werden.
Den Plan vereitelte einer der Eingeweihten, der Kürschner Vendrame. Aus Angst vor der Entdeckung erzählte er dem Patrizier Nicolò Lion alles. Lion brachte ihn zum Dogen. Falier versuchte, die Mitteilung als leeres Gerücht darzustellen, musste jedoch die Ratgeber einberufen. Sie begannen mit Verhören, alarmierten die Patrizier und verhafteten innerhalb einer Nacht die Anführer der Verschwörung.
Isarello und Calendario wurden an den roten Säulen der Palastloggia gehängt; neun weitere Beteiligte wurden anschließend hingerichtet. Falier wurde am siebzehnten April vor Gericht gestellt. Das Urteil fällten fünf Ratgeber des Dogen und neun Mitglieder des Rates der Zehn. Vor der Hinrichtung nahm man Falier die Amtszeichen ab und beschlagnahmte sein Vermögen, erlaubte seiner Frau jedoch, zweitausend Dukaten zu behalten. Bei Sonnenuntergang enthauptete man ihn auf dem Podest jener Treppe, an der er bei seinem Amtsantritt geschworen hatte, die Gesetze der Republik einzuhalten.
Diese Treppe gibt es nicht mehr. Die heutige Riesentreppe im Hof wurde zwischen eintausendvierhundertsechsundachtzig und eintausendvierhundertsiebenundneunzig errichtet. Im Inneren aber bleibt unter der Decke des Saals des Großen Rates, zwischen den Porträts der Dogen, ein schwarzer Vorhang. Nach dem Brand von eintausendfünfhundertsiebenundsiebzig stellten die Künstler die frühere Inschrift wieder her: „Hier ist der Platz von Marino Falier, der wegen seiner Verbrechen enthauptet wurde.“ Ein Porträt gibt es dort nicht. Sein Platz blieb frei.
Praktisch vor Ort
MUVE: im Sommer 09:00-19:00, letzter Einlass 18:00; freitags und samstags bis 26. September 2026 verlängert bis 23:00, letzter Einlass 22:00.
Öffnungszeiten nach Tagen
Von außen lässt sich der Aufbau der Fassade gut betrachten. Faliers Porträt, das „Paradies“ und die Gefängnisräume befinden sich im Inneren und sind nur bei einem gesonderten Besuch zugänglich.
