Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Schräge Helling
- Hölzerne Schuppen
- Steile Dächer
- Rio de San Trovaso
Die Geschichte des Ortes
Am ersten Mai neunzehnhundertsechsundfünfzig wurden auf dem schrägen Hof dieser Werft gleichzeitig vier gleiche hölzerne Galeonen aufgestellt. Gebaut hatte sie Giovanni „Nino“ Giuponi, der Meister des Squero di San Trovaso. Squero ist die venezianische Bezeichnung für eine kleine Werft; Giuponi verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Bau und der Reparatur von Booten für die Cooperativa Gondolieri Daniele Manin.
Diesmal bestellte man keine Gondeln. Venedig, Pisa, Genua und Amalfi gründeten die Regata delle Antiche Repubbliche Marinare – ein Achterrennen auf Schiffen, die alten Galeeren ähneln. Damit das Ergebnis von den Ruderern und nicht vom Boot abhing, gab man den Bootsbauern gleiche Maße und ein gleiches Gewicht mit zulässigen Abweichungen vor. Der Entwurf der venezianischen Genossenschaft wurde aus mehreren Vorschlägen ausgewählt, und Giuponi musste vier gleiche Rümpfe herstellen, wo die Meister gewöhnlich einzelne Boote bauten.
Zur Auswahl kam ein Achter aus Pellestrina. Diese Männer lebten vom Fischfang und nahmen an Regatten teil: Sie hatten das Rudern im Stehen auf venezianische Art gelernt, wenn sie zum Fischen hinausfuhren und den Fang zum Markt brachten. In der Galeone musste man auf einer festen Bank sitzen und mit einem Doppelruder arbeiten. Keiner von ihnen hatte diese Art des Ruderns zuvor versucht. Sie trainierten den ganzen Tag und setzten sich dann auf Giuponis Booten gegen die als Favorit geltende Mannschaft aus Treporti durch. Eine Niederlage hätte ihnen die Reise nach Pisa genommen.
Am ersten Juli desselben Jahres fand auf dem Arno die erste Regata delle Antiche Repubbliche Marinare statt. Der venezianische Achter aus Pellestrina kam als Erster ins Ziel. Die vier gleichen Rümpfe, die im Frühjahr auf dieser Schräge gebaut worden waren, begründeten einen Wettbewerb, der bis heute ausgetragen wird.
Die breite Schräge vor den Holzgebäuden dient als Helling: Auf Rollen werden die Boote von Hand in den Kanal hinabgelassen und wieder herausgezogen. Unter den Dächern werden sie gebaut, getrocknet und repariert. Die Arbeit hier ist bereits vor dem siebzehnten Jahrhundert belegt. Die Zimmerleute kamen ebenso wie das Bauholz aus Cadore und Val di Zoldo nach Venedig; deshalb erhielten die Tese – die Arbeitsschuppen des Squero – steile Dächer und hölzerne Galerien, die Bauten in den Dolomitendörfern ähneln.
San Trovaso ist ebenfalls eine Spur der verkürzten venezianischen Sprache. Einen Heiligen dieses Namens gibt es nicht: So wurden die Namen von Gervasius und Protasius zusammengezogen, den Mailänder Märtyrerbrüdern, denen die benachbarte Chiesa di San Trovaso geweiht ist. Von der Kirche ging der Name auf den Rio de San Trovaso und die Werft über.
Giuponis Galeonen sind nicht mehr hier. Die ersten Holzschiffe der Regata delle Antiche Repubbliche Marinare werden in einem anderen venezianischen Hof aufbewahrt, und die Teilnehmer fahren Rennen auf neuen Rümpfen aus Glasfaserverstärktem Kunststoff. Über die Schräge, auf der im Frühjahr neunzehnhundertsechsundfünfzig vier gleiche Boote standen, werden heute Gondeln zum Wasser gebracht.
Praktisch vor Ort
Die arbeitende Werft ist für freien Zutritt geschlossen; sie kann nur vom öffentlichen Ufer gegenüber betrachtet werden.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie das Squero von der gegenüberliegenden Seite des Kanals. Es ist eine arbeitende private Werkstatt: Betreten Sie den Hof nicht, rufen Sie die Handwerker nicht an und versperren Sie ihnen nicht den Arbeitszugang.
