Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Breite Stufen
- Peepalbaum
- Shivalingam unter dem Baum
- Assi Sangameshwar Temple
Die Geschichte des Ortes
Auf den Stufen des Assi Ghat, einer Uferpromenade am Fluss, lernte man nicht nur das Beten. Im Jahr neunzehnhundertdreiundfünfzig kam der sechzehnjährige Kashinath Singh aus einem Dorf nach Benaras, um seine Ausbildung fortzusetzen. Der Vater setzte seine Söhne an die Bücher, weil er sich auf den Hof nicht mehr verließ: Ohne Bildung, wiederholte er, würden sie um Almosen bitten müssen. Um den Jüngeren kümmerte sich sein Bruder Ramji Singh. Dieser führte selbst die Familienangelegenheiten, bereitete sich im Fernstudium auf die Prüfungen für den Bachelorabschluss vor und meinte, Kashinath brauche vor allem gesprochenes Englisch.
Eines Abends brachte Ramji seinen Bruder zum Assi Ghat, setzte ihn auf eine Stufe bei einem Peepalbaum und zeigte ihm eine Übung. Er entfernte sich ungefähr vierzehn Meter vom Baum und fragte auf Englisch, wie sein Gegenüber heiße. Dann lief er zum Peepalbaum und antwortete selbst: „Sir, mein Name ist Ramji Singh.“ Anschließend entfernte er sich wieder, stellte eine Frage über den Vater, kehrte zurück und antwortete. Er wechselte die Rollen und lief zwischen der Stufe und dem Baum hin und her, bis er schweißgebadet war.
Kashinath gab später zu, dass er damals doch nicht Englisch sprechen gelernt hatte. Seine Ausbildung schloss er jedoch ab, wurde Professor und leitete anschließend die Hindi-Abteilung der nahe gelegenen Banaras Hindu University. Assi blieb seine feste Adresse außerhalb des Hörsaals.
Von der oberen Plattform des Ghats führt eine breite Straße in die Stadt – eine Seltenheit an den Uferanlagen des alten Benaras, die man gewöhnlich durch enge Gassen erreicht. Über diese Straße kamen Studierende und Lehrende zum Fluss. Sie blieben in Teestuben, stritten über Bücher und städtische Angelegenheiten. Singh erinnerte sich, dass jemand einem Besucher ohne Geld trotzdem eine Tasse kaufte. Das Gespräch erforderte weder Eintrittskarte noch Lehrstuhl.
Jahrelang hörte Singh den Stammgästen der Pappu Tea Shop zu. Als er begann, Kashi Ka Assi zu schreiben, ließ er den Figuren ihre echten Namen und ihre schroffe Umgangssprache. Er änderte nur einzelne Details, aus Angst vor Klagen. Die Menschen erkannten sich trotzdem wieder: Einige empörten sich, andere drohten mit Schlägen und einer Klage. Fünf Texte veröffentlichte zunächst die Zeitschrift Hans, und im Jahr zweitausendvier erschienen sie als Buch. Der Roman wurde vielfach neu aufgelegt, für die Bühne bearbeitet und verfilmt. Die Besucher der kleinen Teestube wurden zu Figuren, an denen Leser Assi erkannten.
Dieselbe Zugänglichkeit bestimmt auch heute die Nutzung des Ghats. Die breiten Stufen dienen als Ort für rituelle Waschungen, als Bootsanleger und als Zuschauerraum unter freiem Himmel. Morgens findet hier Subah-e-Banaras statt: Vedische Hymnen werden rezitiert, klassische Musik wird gespielt, Yoga wird praktiziert und Ganga wird ein Feueropfer dargebracht. Am Abend findet Aarti statt – ein Feueropfer für Ganga. Die Universität ist weiterhin in der Nähe, deshalb gibt es unter den Pilgern und Besuchern hier viele Studierende und Lehrende.
Der Name des Ghats entstand wegen des Flusses Assi. Seine frühere Mündung markierte die südliche Grenze des heiligen Benaras. Einer Überlieferung zufolge warf die Göttin Durga nach ihrem Sieg über die Dämonen Shumbha und Nishumbha ein Schwert; dort, wo die Klinge die Erde spaltete, entstand der Strom Assi. Dies ist eine religiöse Überlieferung, keine Darstellung der von Historikern festgestellten Entstehung des Flusses.
Die alte Mündung selbst gibt es bei den heutigen Stufen nicht mehr. Das Flussbett wurde ungefähr siebenhundertsiebzig Meter flussaufwärts, hinter dem Park des Ravidas Ghat, zum Ganges umgeleitet; der frühere Kanal am Assi Ghat ist versperrt und nimmt häusliche Abwässer auf. Unter dem Peepalbaum wird hier weiterhin ein Shivalingam verehrt, und unweit davon steht der kleine Assi Sangameshwar Temple, der Shiva geweiht ist, der als Schutzherr der Flussvereinigung verehrt wird. Ob der heutige Peepalbaum derselbe ist, bei dem Ramji die Englischstunde vorspielte, lässt sich nicht feststellen. Bei den Stufen sind der Baum, der Shivalingam und der Name Assi geblieben; das Wasser, das ihnen diesen Ort gab, mündet nun an einer anderen Stelle in den Ganges.
Praktisch vor Ort
Öffentliches Ghat, gewöhnlich rund um die Uhr zugänglich; die unteren Stufen und der Zugang zum Wasser können sich je nach Wasserstand, Reinigung und Organisation von Festen verändern.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Versperren Sie nicht den Zugang zum Wasser und greifen Sie nicht in Waschungen, Gebete oder morgendliche Übungen ein. Beobachten Sie während der Zeremonien vom Rand des gemeinsamen Bereichs aus.
