Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Backsteinfassade
- Öffnung im zweiten Stock zum Hochziehen von Waren
- Schild des Chinese Canadian Museum
Die Geschichte des Ortes
Das Wing-Sang-Backsteinhaus wurde für eine Firma gebaut, die Arbeiter anheuerte, Plätze auf Dampfschiffen verkaufte, mit China und Japan handelte und Geld über den Ozean überwies. Im unteren Stockwerk waren Büro und Läden vereint, darüber lagerte man Waren und wohnte, und im Hofgebäude brachte man die große Familie, die chinesische Schule und Versammlungen unter. Über dem Eingang ist in der Backsteinmauer eine hohe Öffnung zu sehen, durch die Waren zum Lager hinaufgezogen wurden. Heute befindet sich im Haus das Chinese Canadian Museum.
In einem der Briefe, die in diesem Haus zurückblieben, versuchte die Familie von Liang Xian’en, ihm mehrere Nachrichten zugleich zu übermitteln. Die von ihm geschickten zwanzig Dollar waren angekommen, mehr als die Hälfte hatte für die Behandlung des Enkels ausgegeben werden müssen. Seine Eltern, die bereits über achtzig waren, baten Liang, bald zurückzukehren. Sein Sohn teilte mit, dass er das Studium abgebrochen habe und Arbeit suche, doch das Geld für Reis reiche trotzdem nicht. Der Brief erreichte seinen Adressaten nicht.
Die kanadische Post konnte damals Umschläge nicht zustellen, wenn die Adresse nur in chinesischen Schriftzeichen geschrieben war. Außerdem zogen viele chinesische Arbeiter zwischen Baustellen und Arbeitsstätten umher und hatten keine feste Adresse. Deshalb gaben sie die Firma von Yip Sang an. Hier ging Post poste restante ein; von hier wurden Briefe zusammen mit Fracht über den Pazifischen Ozean verschickt. Über dasselbe Büro schickten die Arbeiter ihren Familien das verdiente Geld.
Yip Sang verstand den Wert einer solchen Vermittlung gut. Zuvor hatte er Geschirr gespült, gekocht, Gold geschürft und Kohle von Haus zu Haus verkauft, dann wurde er Buchhalter und Kassierer beim Bau der Canadian Pacific Railway. Er zahlte den chinesischen Arbeitern den Lohn aus und verhandelte für sie mit den Arbeitgebern. Im Jahr tausendachthundertachtundachtzig eröffnete Yip seine eigene Firma: Er heuerte Menschen an, handelte mit China und Japan, verkaufte Fahrkarten für Dampfschiffe und nahm Geldüberweisungen und Briefe entgegen.
Ein Jahr später baute er für die Firma ein Backsteinhaus an der Pender Street. Der Name „Wing Sang“ gehörte der Gesellschaft und bedeutete „ewiges Leben“. Im Erdgeschoss befanden sich Büros und Läden, darüber ein Lager und Wohnräume. Als die Geschäfte wuchsen, erweiterte Yip das Gebäude im Jahr neunzehnhunderteins und errichtete im Jahr neunzehnhundertzwölf im Hof einen sechsstöckigen Bau. Dort lebten seine drei Ehefrauen, die meisten seiner dreiundzwanzig Kinder und weitere Verwandte. In den Räumen fanden Versammlungen und Unterricht der chinesischen Schule statt.
Ende der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts besaß die Familie Yip das Gebäude noch, nutzte es aber kaum. Vor der Renovierung rief Randall Yip, ein Vertreter der Familie, das Stadtarchiv an: Im Inneren lagen noch Unterlagen, die er bewahren wollte. Fünf Archivare trugen innerhalb von drei Tagen mehr als vierzig Kisten heraus. Die Türen des großen Safes waren verrostet und mussten mit einem Brenner aufgeschnitten werden. Von den elf darin gefundenen Kisten wurden sieben durch Lecks und Schimmel zerstört; die übrigen Dokumente fror man ein, trocknete und reinigte sie.
Unter den geretteten Unterlagen waren mehr als sechshundert unzustellbare Briefe aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. Sie werden heute im Stadtarchiv aufbewahrt und sind digitalisiert. Im Haus selbst wurde im Jahr zweitausenddreiundzwanzig das Chinese Canadian Museum eröffnet. Über seinem Eingang ist weiterhin die Öffnung des zweiten Stockwerks zu sehen, durch die die Waren der Firma zum Lager hinaufgezogen wurden, die zusammen mit ihnen die Familienbriefe anderer Menschen beförderte.
Praktisch vor Ort
Das Museum ist von Mittwoch bis Sonntag 10:00–19:00 geöffnet; Montag und Dienstag geschlossen. Die reguläre Eintrittskarte für Erwachsene kostet 18 kanadische Dollar.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Fassade kann von außen besichtigt werden, das Museum erfordert jedoch einen gesonderten Besuch; prüfen Sie die Eintrittsbedingungen vorher und gehen Sie nicht davon aus, dass der gesamte Komplex geöffnet ist.
