Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade des Regierungspalasts
- Palasteingang
- Großer Empfangssaal
- Regierungsgebäude
Die Geschichte des Ortes
Dar el-Bey bedeutet wörtlich: „Haus des Bey“. Der Bey war der erbliche Herrscher Tunesiens. Im siebzehnten Jahrhundert erweiterte Hammuda Pascha aus der Dynastie der Muradiden das hier stehende Große Haus und machte es zu seiner Residenz. Doch seit eintausendsiebenhundertfünf bevorzugte Husain ibn Ali, der Gründer einer neuen Dynastie, den Bardo-Palast außerhalb der Stadtmauern. Seine Nachfolger handelten ebenso. Dar el-Bey empfing Gesandte, Staatsgäste und seltene Zeremonien; den größten Teil des Jahres lebte der Herrscher, dessen Namen der Palast trug, an einem anderen Ort.
Die ständige Arbeit der Beamten begann hier nach dem Tod eines Menschen, der diese Säle nie betreten hatte. Im Sommer eintausendachthundertsiebenundfünfzig verdiente Samuel Sfez, genannt Batto, sein Geld als Kutscher bei Nassim Shamama, dem Oberhaupt der jüdischen Gemeinde. Nach einem Straßenstreit wurde Sfez beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben. Das Gericht verhängte die Todesstrafe, und Muhammad Bey ordnete ihre Vollstreckung an.
Die Hinrichtung erschreckte die jüdische und die christliche Gemeinde. Die französischen und britischen Konsuln forderten von Muhammad Bey rechtliche Garantien für alle Einwohner, und bei La Goulette erschien ein französisches Geschwader. Der Bey befand sich zwischen der Drohung einer ausländischen Intervention und der Befürchtung, rasche Veränderungen könnten im Inneren des Landes einen Aufstand auslösen. Reformen hatte er schon früher versprochen, doch nach dem Fall Sfez war es unmöglich geworden, sie weiter aufzuschieben.
Am zehnten September verkündete Muhammad Bey in Bardo den „Ahd al-Aman“ – den Sicherheitspakt. Er versprach die Unverletzlichkeit von Person und Eigentum, Gleichheit vor dem Gesetz und bei den Steuern sowie Religions- und Handelsfreiheit. Danach galt es, elf deklaratorische Artikel in Regeln zu verwandeln, die örtliche Richter und Religionsrechtsgelehrte anerkennen würden. Für diese Arbeit stellte der Bey seinen Stadtpalast Dar el-Bey zur Verfügung, in dem es große Empfangssäle, aber keinen ständigen Hofstaat gab.
Am vierten November wurde hier den Ministern und Ulema, also muslimischen Rechtsgelehrten, eine Erläuterung des ersten Artikels vorgelesen – über die Sicherheit für Menschen jeder Religion, Sprache und Herkunft. Der Scheich al-Islam, der ranghöchste Religionsrechtsgelehrte, erwiderte, ein solcher Grundsatz lasse sich sogar in der Freitagspredigt erläutern. Khayreddin Pascha, Marineminister und Reformbefürworter, bat jeden der Versammelten, alle elf Artikel schriftlich zu prüfen und aufzuzeigen, welchen Normen des islamischen Rechts sie entsprachen. Die Rechtsgelehrten verfassten einzelne Gutachten; die weitere Arbeit der Kommissionen führte zur Verfassung von eintausendachthunderteinundsechzig.
Der Nachfolger Muhammad Beys, Sadok Bey, brachte im Dar el-Bey das Großministerium und einen Rat aus sechzig Staatsräten unter. Doch das Verfassungsexperiment dauerte nicht lange. Als die Erhöhung der Kopfsteuer im Jahr eintausendachthundertvierundsechzig den Aufstand von Ali Ben Ghedhahem auslöste, setzte Sadok Bey die Verfassung außer Kraft. Samuel Sfez erlebte die versprochenen Garantien nicht mehr, und der aus der Untersuchung seines Falls hervorgegangene Rat verlor seine verfassungsmäßige Rolle.
Die Beamten verließen den Palast nicht mehr. Im Jahr eintausendachthundertzweiundachtzig verlegte man die Ministerien und die Kanzlei aus Bardo hierher, und im folgenden Frühjahr eröffnete Ali Bey neue Dienststellen. Heute heißt Dar el-Bey offiziell Regierungspalast. Hier befinden sich die Dienststellen des Regierungschefs, und hier tagt das Kabinett; ein Teil des großen Empfangssaals, den Sadok Bey anbauen ließ, dient auch heute als Sitzungssaal.
Praktisch vor Ort
Besichtigung von außen vom Platz und der angrenzenden Straße; kein touristischer Zugang zum Inneren.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Das Gebäude ist mit aktiven Institutionen verbunden: Besichtigen Sie es von der öffentlich zugänglichen Straße aus, halten Sie sich nicht an Dienstein-gängen auf und befolgen Sie die Anweisungen der Wache.
