Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Niedrige Mauern punischer Häuser
- Gerade Linien punischer Straßen
- Fassade des Akropolium (ehemalige Kathedrale St. Louis)
Die Geschichte des Ortes
Die Spitze des Hügels wurde von römischen Baumeistern später abgetragen und aufgeschüttet, um hier das Forum des neuen Karthago anzulegen. Weiter unten am Südosthang ist ein Viertel der alten Stadt erhalten: Niedrige Hausreste und das regelmäßige Muster der Straßen lagen unter der römischen Aufschüttung. Vor diesem Umbau stand auf der felsigen Höhe das Heiligtum des Heilgottes Eshmun; zu ihm führte eine Treppe mit sechzig Stufen. Der obere Teil der Stadt war von Befestigungen umgeben, und hierher strömten die Einwohner, als die unteren Viertel bereits brannten.
Im Frühjahr des Jahres hundertsechsundvierzig vor unserer Zeitrechnung trat der karthagische Oberbefehlshaber Hasdrubal von der Spitze der Byrsa zu dem römischen Feldherrn Publius Cornelius Scipio Aemilianus hinaus. Scipio wollte die dreijährige Belagerung beenden; Hasdrubal bemühte sich nun nur um eines – sein Leben zu retten. Er brachte einen Olivenzweig, und der Sieger befahl ihm, sich zu seinen Füßen niederzusetzen. Im Eshmun-Tempel oben blieben Hasdrubals Frau, ihre beiden Söhne und etwa neunhundert römische Überläufer zurück. Der Befehlshaber rettete sich allein: Den Deserteuren hatte Scipio keine Schonung versprochen.
Der Krieg begann nach einer Entscheidung, die weit von diesem Hügel entfernt getroffen worden war. Nach dem Vertrag mit Rom durften die Karthager nicht ohne römische Erlaubnis Krieg führen. Als sie gegen den numidischen König Massinissa vorgingen, der ihr Land an sich nahm, erklärten die Römer den Vertrag für gebrochen und landeten ein Heer in Africa (römische Provinz). Die Karthager übergaben Geiseln, Schiffe und Waffen, in der Hoffnung, die Invasion aufzuhalten. Daraufhin verlangte der römische Konsul, dass die Einwohner Karthago verlassen, sich mindestens fünfzehn Kilometer vom Meer entfernt ansiedeln und die Zerstörung der Stadt zulassen sollten. Für Menschen, die vom Seehandel lebten, bedeutete das den Verlust der Häfen, Werkstätten, Häuser, Tempel und Familiengräber. Sie lehnten ab.
Der letzte Angriff begann von der Seite des Militärhafens. Vom Forum von Karthago führten drei enge Straßen mit Häusern von bis zu sechs Stockwerken zur Byrsa hinauf. Römische Soldaten gingen über die Dächer und legten Bretter zwischen den Gebäuden aus, während sie sich unten durch die Trümmer kämpften. Die Kämpfe dauerten sechs Tage und Nächte. Die Byrsa war der befestigte obere Teil Karthagos: Hierhin zogen sich die Einwohner zurück, als die unteren Viertel bereits brannten.
Am siebten Tag stiegen Bittsteller mit Olivenzweigen aus dem Eshmun-Tempel herab. Eshmun war ein karthagischer Heilgott; die Griechen setzten ihn mit Asklepios gleich. Sein Heiligtum stand auf dem höchsten und felsigsten Teil der Zitadelle, über einer Treppe mit sechzig Stufen. Nach der Zahl des antiken Historikers Appian kamen fünfzigtausend Männer und Frauen durch die offenen Tore heraus. Man ließ sie am Leben und verkaufte sie anschließend in die Sklaverei.
Hasdrubal verließ den Tempel heimlich. Als die Überläufer ihren Befehlshaber zu Scipios Füßen sahen, überschütteten sie ihn mit Flüchen und zündeten das Heiligtum an. Hasdrubals Frau blieb oben. Ihr Name ist nicht überliefert. Appian, der fast drei Jahrhunderte nach den Ereignissen schrieb, leitet diese Szene mit den Worten „man erzählt“ ein, und die Rede, die er ihr in den Mund legt, ist offenkundig als tragischer Monolog gestaltet. Seinem Bericht zufolge beschuldigte die Frau ihren Mann des Verrats an Familie und Stadt, tötete ihre beiden Söhne, warf sie ins Feuer und ging selbst in die Flammen. Die Überläufer kamen mit ihr um. Hasdrubal blieb am Leben und wurde zum Gefangenen des Mannes, der Karthago zerstört hatte.
Vom Eshmun-Tempel sind weder die Treppe noch Mauern erhalten, die ihm sicher zugeschrieben werden könnten. Als römische Baumeister unter Kaiser Augustus das neue Karthago errichteten, trugen sie die Spitze der Byrsa ab und ebneten sie ein, um hier ein Forum anzulegen. Die punischen Häuser, die weiter unten am Südosthang freigelegt wurden, stammen aus den letzten Jahrzehnten der untergegangenen Stadt. Ihre niedrigen Mauern blieben unter der Erde erhalten, weil die römische Aufschüttung das Viertel bei der Einebnung des Hügels bedeckte.
Praktisch vor Ort
Im einheitlichen Ticket für Karthago enthalten; AMVPPC veröffentlicht die saisonalen Öffnungszeiten des archäologischen Parks.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie das Viertel von oben und von der Seite: Die niedrigen Mauern lassen sich leichter als Straßennetz lesen, wenn Sie sich Zeit lassen.
