Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weibliche Figur mit zwei Söhnen
- Sich berührende Hände der Figuren
- Inschrift „Unseren Gefallenen“
- Runder Garten
Die Geschichte des Ortes
Die Place de la République wurde als zentraler Knotenpunkt der Neustadt angelegt, eines Stadtteils, der an der Stelle abgetragener Straßburger Befestigungen entstand. Rund um den runden Garten stehen Behörden, der ehemalige Kaiserpalast und eine Allee zur Universität: Dieses gesamte Ensemble war für eine Stadt mit hauptstädtischen Ambitionen gedacht. Der Garten überstand mehrere Umbenennungen, und von dem hier stehenden Reiterstandbild blieb nur der Kopf, den heute das Historische Museum Straßburg aufbewahrt.
Im Zentrum des runden Gartens hält eine Frau zwei sterbende Söhne auf dem Schoß. Sie sind nackt, und keine Waffen liegen bei ihnen. Die Körper sind in entgegengesetzte Richtungen gewandt, doch die Hände der Brüder berühren einander. Auf dem Sockel steht nur: „Unseren Gefallenen“. Es wird nicht gesagt, für welches Land sie starben.
Diese Unausgesprochenheit beginnt mit dem Platz selbst. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von achtzehnhundertsiebzig bis achtzehnhunderteinundsiebzig wurde das Elsass dem Deutschen Kaiserreich angegliedert. Die deutsche Verwaltung ließ einen Teil der Straßburger Befestigungen abtragen und begann mit dem Bau der Neustadt – einer neuen Stadt, die für eine Hauptstadtrolle vorgesehen war. Hier kamen Behörden, der Kaiserpalast und eine Allee zur Universität zusammen. Der Platz erhielt den Namen Kaiserplatz.
Im Jahr neunzehnhundertelf errichtete man im runden Garten ein Reiterstandbild Wilhelms I., des Königs von Preußen und ersten deutschen Kaisers. Unter ihm war das Elsass an Deutschland übergegangen; seine Figur markierte daher gerade jenen Wandel, nach dem der gesamte Stadtteil entstand.
In der Nacht vom zwanzigsten auf den einundzwanzigsten November neunzehnhundertachtzehn verließen die deutschen Truppen Straßburg bereits, während die französischen Truppen noch nicht eingezogen waren. Einwohner stürzten Wilhelm vom Sockel, schlugen der Statue den Kopf ab und bearbeiteten die Bronze mit Vorschlaghämmern. Arbeiter der Stadtverwaltung brachten den Korpus anschließend zum Einschmelzen fort; der Kopf verschwand. Im folgenden Jahr erhielt der Kaiserplatz seinen heutigen Namen, Place de la République, also Platz der Französischen Republik, zu der die Stadt zurückgekehrt war.
Doch die französische Formel „für das Vaterland gestorben“ eignete sich hier nicht für ein Denkmal der Gefallenen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren die Einwohner Straßburgs deutsche Untertanen: Einige wurden in die deutsche Armee eingezogen, andere Elsässer gingen freiwillig zu den Franzosen. Mitglieder derselben Familie konnten unter verschiedenen Flaggen stehen, und die Gräber der Gefallenen blieben oft weit von zu Hause entfernt.
Achtzehn Jahre lang gab es noch kein dauerhaftes städtisches Denkmal. Im Jahr neunzehnhundertsechsunddreißig gründete Henri Lévy, ehemaliger erster stellvertretender Bürgermeister und Besitzer großer Mühlenbetriebe, ein Komitee, um den Familien endlich einen Ort für gemeinsame Trauer zu geben. Dem Komitee gehörten Veteranen, Kriegerwitwen, Invaliden sowie katholische, protestantische und jüdische Vertreter an. Geld sammelten die Stadt, Unternehmen und private Spender.
Das Komitee beauftragte den Bildhauer Léon-Ernest Drivier mit der Arbeit. Im Jahr neunzehnhundertachtzehn hatte er eine offizielle Büste des siegreichen Frankreich geschaffen; hier sollte er eine Stadt darstellen, der der Sieg einer Seite nicht beide Söhne zurückgab. Drivier nahm den Figuren die Uniformen ab. Henri Lévy erklärte bei der Einweihung: Vor Mutter Straßburg liegen Brüder, die die Annexion auf zwei Armeen verteilt und im Krieg als Gegner gegeneinandergeführt hatte. Daher ihre verbundenen Hände und die kurze Inschrift ohne Ländernamen.
Eine royalistische Zeitung reagierte mit Angriffen auf Lévys jüdische Herkunft und auf den Erwerbszweig, mit dem er sein Geld verdiente – die Mühlenbetriebe. Das hielt das Denkmal nicht auf. Am achtzehnten Oktober neunzehnhundertsechsunddreißig weihte es der französische Präsident Albert Lebrun ein. Weniger als ein halbes Jahr später starb Henri Lévy.
Im Jahr neunzehnhundertvierzig wurde der Platz in Bismarckplatz umbenannt, doch die Skulptur blieb unversehrt. Seit neunzehnhundertfünfundvierzig heißt er wieder Place de la République. Vom Reiterstandbild auf dem Platz ist nichts erhalten: Der Korpus wurde eingeschmolzen, und den viele Jahrzehnte später wiedergefundenen Kopf Wilhelms bewahrt heute das Historische Museum Straßburg auf. Im runden Garten, etwas abseits des früheren kaiserlichen Sockels, legt man Kränze für die beiden Söhne ohne Uniformen nieder.
Praktisch vor Ort
Der Platz und das Denkmal sind von außen ohne feste Öffnungszeiten zugänglich; die einzelnen umliegenden Gebäude haben eigene Zugangsregelungen.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Der Platz ist groß; gehen Sie daher einmal im Kreis um ihn herum und betrachten Sie das Ensemble von mehreren Seiten. Nutzen Sie beim Überqueren der Fahrbahnen die üblichen Fußgängerüberwege.
