Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Kirche der ehemaligen Abtei
- Garten beim Rathaus
- Rathausgebäude
- Gedenktafel am Eingang
Die Geschichte des Ortes
Vor Ihnen steht die Hauptkirche eines ehemaligen Benediktinerklosters. Ouen ist der Name eines Bischofs von Rouen aus dem siebten Jahrhundert. Bei seiner Geburt hieß er Dado; in die Kirchengeschichte ging er als der heilige Ouen ein. Man begrub ihn hier im Jahr sechshundertvierundachtzig. Pilger zogen zu seinem Grab, und später entstand um die Basilika die Abtei. Die Mönche sind längst fort: Ihr ehemaliges Wohnhaus wird vom Rathaus genutzt, und die riesige Kirche dient Gottesdiensten und Konzerten.
Am vierundzwanzigsten Mai vierzehnhunderteinunddreißig spielte sich alles draußen auf dem Klosterfriedhof ab. Dort errichtete man zwei Podeste. Auf dem kleineren stand Jeanne d’Arc, auf dem größeren befanden sich ihre Richter, Bischöfe und ein englischer Kardinal. Hinter einer Absperrung versammelte man die Einwohner der Stadt. Daneben warteten der Henker und ein Karren.
Jeanne war eine Gefangene, für die die Engländer den Burgundern zehntausend Livres gezahlt hatten. Zwei Jahre zuvor hatte sie den französischen Truppen geholfen, die Belagerung von Orléans aufzuheben, und Karl VII. zu seiner Krönung nach Reims geführt; dabei erklärte sie, auf Gottes Befehl zu handeln. Nun wollte Pierre Cauchon, Bischof von Beauvais und oberster Richter, einen öffentlichen Widerruf dieser Aussagen erreichen. Eine solche Abschwörung nannte man Abjuration: Die Angeklagte erkannte ihre früheren Aussagen als irrig an und versprach, sich dem kirchlichen Gericht zu unterwerfen. Eine Weigerung bedeutete die Übergabe an den weltlichen Richter und den Scheiterhaufen.
Dem Pariser Theologen Guillaume Érard war aufgetragen worden, eine Predigt zu halten und eine Antwort zu erwirken. Er erklärte, Karl VII. habe sich, weil er Jeanne geglaubt habe, mit der Häresie verbunden. Jeanne unterbrach ihn: Ihr König sei ein guter Christ. Als man von ihr verlangte, sich der Kirche zu unterwerfen, erklärte sie sich bereit, ihre Sache dem Urteil des Papstes zu übergeben. Man erwiderte ihr, der Papst sei weit entfernt, und die örtlichen Bischöfe dürften selbst urteilen.
Cauchon begann, das vorbereitete Todesurteil zu verlesen. Ohne das Ende abzuwarten, gab Jeanne nach. Sie erklärte sich bereit, den Richtern zu gehorchen, wiederholte die vorgelegte Formel, und auf dem Blatt erschien ihr Zeichen.
Was genau auf diesem Blatt stand, ist nicht zuverlässig bekannt. Das Original des kurzen Dokuments ist nicht erhalten. Zeugen, die man ein Vierteljahrhundert später befragte, erinnerten sich an einen Text von sechs bis acht Zeilen. In das endgültige Gerichtsprotokoll nahm man eine weit ausführlichere Abschwörung auf – etwa fünfundsiebzig Zeilen, in denen Jeanne angeblich zugab, ihre Offenbarungen und die Stimmen der Heiligen seien erfunden. Sie selbst sagte später, sie habe nur aus Angst vor dem Feuer nachgegeben.
Cauchon ersetzte das Todesurteil durch lebenslange Haft – nach der Gerichtsformel „bei Brot der Trübsal und Wasser der Bedrängnis“. Man führte Jeanne lebend vom Podest weg. Die Richter erhielten die aufgezeichnete Abschwörung, ohne die ihre Rückkehr zu ihren früheren Aussagen und zur Männerkleidung nicht als erneuter Rückfall in die Häresie hätte bezeichnet werden können.
Auf Verlangen von Jeannes Mutter, Isabelle Romée, wurde der Fall erneut geprüft. Am siebten Juli vierzehnhundertsechsundfünfzig erklärten päpstliche Richter den früheren Prozess, die Urteile und die Abjuration für ungültig. Am selben Tag verlas man die Entscheidung nach einer gemeinsamen Prozession und einer Predigt öffentlich auf der Place Saint-Ouen – dort, wo man zuvor das Urteil über ihre Tochter verlesen hatte.
Der alte Friedhof und beide Podeste sind verschwunden. An ihrer Stelle liegt ein Garten beim Rathaus. Eine Gedenktafel am Eingang bezeichnet das, was hier geschah, vorsichtig als „eine Prüfung, die Abschwörung genannt wird“.
Praktisch vor Ort
Der Eintritt ist kostenlos. Die städtische Seite gibt eine Öffnung samstags und sonntags von 10:00–12:00 und 14:00–17:00 an; das Tourismusbüro veröffentlicht weiter gefasste saisonale Zeitfenster. Am Besuchstag prüfen.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Hören Sie draußen zu, auch wenn die Kirche geöffnet ist: Das entscheidende Ereignis fand nicht unter den Gewölben, sondern bei der Abtei statt.
