Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Granitobelisk
- Hohler Travertinfelsen
- Vier Flussfiguren
- Bronzetaube mit Olivenzweig
Die Geschichte des Ortes
Der lang gestreckte Platz mit einem Halbkreis an der Nordseite setzt den Umriss des antiken Stadions fort: Die Wohnfassaden stehen über den Stellen, an denen einst die Zuschauerreihen lagen. Hier lief man, rang, warf den Diskus und betrieb Fünfkampf nach griechischem Brauch, der vielen Römern fremd erschien. Als das Stadion verschwand, blieb seine offene Mitte im Stadtgrundriss erhalten, und der alte Name des Spielfelds wurde allmählich zum Namen Navona. Die Reste der antiken Tribünen liegen noch heute mehrere Meter unter dem Pflaster, unter den benachbarten Gebäuden.
Im Jahr eintausendsechshundertachtundvierzig war Gian Lorenzo Bernini gezwungen, sich das Recht, für den Papst zu arbeiten, zurückzuerobern. Er lebte von großen kirchlichen und fürstlichen Aufträgen, doch nach dem Tod seines Gönners Urban VIII. fiel er in Ungnade. Die von ihm errichteten Glockentürme des Petersdoms hatten Risse bekommen; Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphilj), der neue Papst, befahl, sie abzutragen, und der Architekt musste eine Geldstrafe zahlen. An der Umgestaltung der Piazza Navona war Bernini zunächst nicht einmal beteiligt.
Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphilj) trug vor seiner Wahl den Namen Giovanni Battista Pamphilj. Neben dem Platz stand der Palast seiner Familie, und der Papst wollte das gesamte Ensemble – Palast, Kirche und zentralen Brunnen – in ein Denkmal für die Familie Pamphilj verwandeln. Wasser wurde bereits von Francesco Borromini auf den Platz geleitet, einem Architekten, der hoffte, auch den Auftrag für den Brunnen zu erhalten. In seinem Entwurf erschienen ein Obelisk und vier Flussgötter.
Fürst Niccolò Ludovisi, der Ehemann der päpstlichen Nichte und ein Bewunderer des in Ungnade gefallenen Meisters, half Gian Lorenzo Bernini. Nach dem Bericht von Berninis Biografen Filippo Baldinucci überredete der Fürst den Bildhauer, ein Modell anzufertigen, und stellte es dann dorthin, wo Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphilj) vorbeikommen musste. Der Papst sah den Entwurf und gab Bernini den Auftrag. Die wirkungsvolle Szene der arrangierten Begegnung ist nur aus dem Bericht des Biografen bekannt; gesichert ist, dass Bernini ein möglicherweise silbernes Modell vorlegte und es den Ausgang des Wettbewerbs entschied.
In drei Jahren errichtete er den Vierströmebrunnen. Durch den hohlen Travertinfelsen ist Licht zu sehen, obwohl über dem Hohlraum ein schwerer Granitobelisk steht. Rundherum liegen Nil, Ganges, Donau und Río de la Plata – vier Flüsse, die die den Europäern damals bekannten Teile der Welt bezeichneten. Gian Lorenzo Bernini gewann die päpstlichen Aufträge zurück; Francesco Borromini verlor das zentrale Werk des Platzes, obwohl das Wasser über einen von ihm entworfenen Zweig des Aquädukts hierherkam. Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphilj) erhielt ein Familiendenkmal: In den Felsen ist das Wappen der Pamphilj gemeißelt, und auf der Spitze des Obelisken steht ihre bronzene Taube mit einem Olivenzweig.
Später entstand die Legende, der Nil habe sein Gesicht bedeckt, um die Kirche von Francesco Borromini nicht sehen zu müssen, und der Río de la Plata habe die Hand erhoben, weil er fürchtete, dass deren Fassade einstürze. Die Chronologie steht dem entgegen: Der Brunnen wurde im Jahr eintausendsechshunderteinundfünfzig vollendet, als die heutige Fassade noch nicht existierte. Das Gesicht des Nil ist bedeckt, weil die europäischen Geografen damals nicht wussten, wo dieser Fluss beginnt.
Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphilj) stellte seinen Brunnen auf eine Arena, die lange vor den Pamphilj geschaffen worden war. Im Jahr sechsundachtzig eröffnete Kaiser Domitian hier ein steinernes Stadion für die Kapitolinischen Spiele. Er wollte die Römer an die griechische Athletik gewöhnen und führte selbst den Vorsitz bei den Spielen, in einer purpurnen Toga und mit einem goldenen Kranz. Berufssportler traten im Lauf, Ringen, Diskuswurf und Fünfkampf an; ein Sieg konnte einem Ausländer das römische Bürgerrecht, Befreiung von Steuern oder vom Militärdienst bringen. Viele Römer verachteten die griechischen Übungen als eines Mannes unwürdig, doch Domitian setzte die Spiele fort.
Solche Wettkämpfe nannte man Agone. Nach dem Verschwinden des Stadions nannten die Römer seine ehemalige Arena noch lange Campo Agonè – Feld der Wettkämpfe. In der Alltagssprache wurde „in Agonè“ allmählich zu „Navona“. Die Häuser an den Seiten des Platzes stehen über den antiken Zuschauerreihen, und der offene Raum nimmt die frühere Laufarena ein. Ihre nördliche Rundung bestimmt noch immer die Krümmung der Piazza Navona; die Reste der Tribünen liegen mehrere Meter tiefer, bei Tor Sanguigna und unter der Kirche Sant'Agnese in Agone.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist ständig zugänglich; die unterirdische archäologische Zone des Stadions ist wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen, vor dem Besuch ist eine erneute Überprüfung der offiziellen Website erforderlich.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Gehen Sie am Rand um den Platz und überqueren Sie ihn: Die Form des ehemaligen Stadions lässt sich in Bewegung besser erkennen.
