Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Grabplatte von Andreas Knöpken
- Darstellung Christi mit dem Siegesbanner
- Kirchturm
Die Geschichte des Ortes
Der über den Dächern der Altstadt von Riga sichtbare Turm der Petrikirche gehört zu einer Kirche, die jahrhundertelang von den Kaufleuten und Handwerkern der Stadt unterhalten wurde. Den Apostel Petrus, einen Fischer und Jünger Christi, betrachteten die mittelalterlichen Rigaer als den himmlischen Schutzpatron der Stadt; nach ihm benannten sie die wichtigste Kirche der Stadtbewohner. Im Inneren standen die Altäre der Bruderschaften, sodass unter einem Dach Handwerk, Handel und das religiöse Leben Rigas zusammenkamen. In der Mauer ist eine durch Brände beschädigte Grabplatte erhalten: Christus tritt mit einem Siegesbanner aus dem Grab heraus, dessen Schaft einen Drachen durchbohrt.
Andreas Knöpken, Hilfspriester an dieser Kirche, wollte den Rigaern beweisen, dass das Heil vom Glauben abhängt und bezahlte Messen, Spenden und gestiftete Altäre es nicht erkaufen. Der Streit betraf auch seinen eigenen Verdienst. Im Jahr eintausendfünfhundertsiebzehn zahlte eine Bruderschaft nichtdeutscher Salzträger Knöpken für Gottesdienste an ihrem Altar hier in der Petrikirche. Für diese Arbeit erhielt er zwölf Rigaer Mark.
Die Bruderschaftsaltäre erklären die Funktion des Gotteshauses. Der Dom zu Riga war die Residenz des Erzbischofs, die Petrikirche hingegen wurde vor allem von den Kaufleuten und Handwerkern der Stadt unterhalten. Die Kirche war dem Apostel Petrus geweiht – einem Fischer, der zum Jünger Christi wurde und von ihm nach dem Evangelium die Schlüssel zum Himmelreich erhielt. Die mittelalterlichen Rigaer betrachteten Petrus als den himmlischen Schutzpatron der Stadt, deshalb trug die wichtigste Kirche der Stadtbewohner seinen Namen.
Am zwölften Juni eintausendfünfhundertzweiundzwanzig trat Knöpken im Kirchenchor zu einer öffentlichen Disputation mit Franziskanern an. Vor dem Bürgermeister und Mitgliedern des Rates – des Stadtrates – vertrat er vierundzwanzig Thesen. Eine davon verwarf ausdrücklich die Hoffnung auf Heil durch bestellte Messen, religiöse Bruderschaften und den Bau von Altären. Damit bestritt der Priester den Nutzen genau jenes Dienstes, der ihm Einkünfte brachte.
Der Stadtrat hatte einen eigenen Grund, ihn zu unterstützen: Der Rat strebte nach größerer Unabhängigkeit vom Erzbischof und vom Livländischen Orden. Im Herbst desselben Jahres setzte der Rat Knöpken als Pastor der Petrikirche ein und umging dabei das Kanonikerkollegium am Dom zu Riga, dem die Bestätigung einer solchen Ernennung zustand. Knöpken behielt seine Stelle und erhielt eine Kanzel für seine Predigten. Der Text dieser Predigten bildete die Grundlage seines Kommentars zum Brief des Paulus an die Römer, der im Jahr eintausendfünfhundertvierundzwanzig in Wittenberg gedruckt wurde.
Knöpken selbst strebte schrittweise Veränderungen an und bemühte sich, Unruhen zu verhindern. Doch der radikale Prediger der Jakobskirche, Sylvester Tegetmeier, forderte, die Kirchen von katholischen Bildern zu reinigen. Am zehnten März eintausendfünfhundertvierundzwanzig kamen seine Anhänger aus der Schwarzhäupterbruderschaft in die Petrikirche und zerschlugen den größten Teil ihres eigenen Altars. Eine wertvolle silberne Statuette, ein Reliquiar des heiligen Georg, konnten sie noch hinausbringen; heute befindet sie sich in einem Museum in Bremen. Einige Tage später zerstörte eine Menschenmenge hier weitere Altäre, Kreuze, Reliquien und Grabplatten. Im November verbot der Rat katholische Gottesdienste und beschlagnahmte kirchliches Eigentum. Die katholischen Priester wurden vertrieben, und das Gebäude wurde der lutherischen Gemeinde übergeben.
Knöpken wirkte hier bis zu seinem Tod im Jahr eintausendfünfhundertneununddreißig und wurde vor dem Altar beigesetzt. Seine durch spätere Brände beschädigte Grabplatte ist heute in die Kirchenmauer eingelassen. Auf ihr erhebt sich Christus aus dem leeren Grab, und der Schaft des Siegesbanners durchbohrt einen Drachen. Eine solche Darstellung widersprach Knöpkens Thesen nicht: Das Zeichen konnte an das Ereignis aus dem Evangelium erinnern, gewährte aber für sich allein kein Heil. Die mittelalterlichen Altäre verschwanden, die alte katholische Weihe blieb erhalten, und heute finden lutherische Gottesdienste, Konzerte und Ausstellungen in derselben dem Apostel Petrus geweihten Kirche statt.
Praktisch vor Ort
Von außen sind Höhe und Konstruktion des Turmhelms gut zu erkennen. Der Aufstieg und die Besichtigung des erhaltenen alten Hahns gehören zum Kirchenbesuch – die Eintrittsbedingungen sollten vorab geklärt werden.
