Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Rekonstruierte Fassade des Schwarzhäupterhauses
- Wappen mit dem schwarzen Profil des heiligen Mauritius
- Mittelalterliche Keller
Die Geschichte des Ortes
Über dem Rathausplatz erhebt sich eine prächtige Fassade mit einem schwarzen Profil auf dem Wappen; hinter ihrer rekonstruierten Wand haben sich steinerne Kellerräume aus dem Mittelalter erhalten. Hier versammelten sich zunächst Rigaer Gesellschaften und veranstalteten Feste, und der Platz vor dem Haus diente als städtischer Markt, während gegenüber der Magistrat tagte. Diese Nachbarschaft machte das Gebäude zu einem funktionalen Teil der Handelsstadt: Waren ließ man unten, Geschäfte und gemeinsame Angelegenheiten regelte man ein Stockwerk höher. Die Fassade kehrte erst gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts auf den Platz zurück, gestützt auf alte Aufmaße, Darstellungen und gefundene Fundamente.
Zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts kam ein junger Kaufmann mit Waren nach Riga und geriet in eine schwierige Lage. Sein Geld steckte in Ballen von Flachs, Wachs, Getreide oder Häuten; ein Teil der Fracht wurde in steinernen Kellern unter diesem Haus gelagert. Doch in die Große Gilde, die selbstständige verheiratete Stadtbewohner vereinte, nahm man einen zugereisten oder unverheirateten Händler gewöhnlich nicht auf. Er musste erst ein Vermögen erwerben, die Rechte eines Rigaer Bürgers erhalten und hier eine Familie finden.
Solche Menschen vereinte die Schwarzhäupterbruderschaft: junge Kaufleute, Handelsgehilfen, Kapitäne und Ausländer, die vorübergehend in Riga lebten. Sie erfuhren voneinander Preise und Routen, fanden Partner, führten eine gemeinsame Kasse, veranstalteten Feste und beteiligten sich bei Bedarf an der Verteidigung der Stadt. Das Risiko begann schon vor dem Geschäft: Ein Schiff konnte nicht zurückkehren, die Fracht konnte verlorengehen, und der zugereiste Kaufmann blieb in einer fremden Stadt ohne Geld und Verwandte zurück. Die Bruderschaft gab ihm einen Kreis von Menschen, die füreinander einstanden.
Die Stadt selbst errichtete das Haus im Jahr eintausenddreihundertvierunddreißig für Versammlungen und Feste der Rigaer Vereinigungen. Damals nannte man es das Neue Haus. Ab der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts mieteten die Schwarzhäupter hier Räume, später nahmen sie das ganze Gebäude ein, und bis zum Jahr eintausendsiebenhundertdreizehn wurden sie seine Eigentümer. Der Ort war mit Bedacht gewählt: Vor dem Haus fand der städtische Markt statt, gegenüber tagte der Magistrat. Ein Kaufmann konnte Waren unten lagern, im Saal ein Geschäft besprechen und direkt auf den Hauptmarktplatz hinausgehen.
Die Schwarzhäupter erhielten ihren Namen von ihrem Wappen. Darauf war der schwarze Kopf des heiligen Mauritius abgebildet, eines römischen Heerführers, den mittelalterliche Künstler dunkelhäutig darstellten. Nach christlicher Überlieferung befehligte Mauritius die Thebäische Legion und wurde zusammen mit seinen Soldaten hingerichtet, nachdem sie sich geweigert hatten, den römischen Göttern Opfer darzubringen. Die Bruderschaft verehrte mehrere Kriegerheilige, doch gerade der Kopf des Mauritius wurde zu ihrem Erkennungszeichen. Mittelalterliche Dokumente nennen dieses Zeichen ausdrücklich den „schwarzen Kopf“; davon leitete sich auch der Name der Vereinigung ab.
Die Mitgliedschaft erforderte Geld. Zunächst zahlte ein Neuling eine halbe Mark Silber. Im siebzehnten Jahrhundert kam zum Beitrag der Brauch hinzu, dem Haus einen wertvollen Gegenstand aus Silber mit dem Namen des Besitzers, seinem Wappen und dem Jahr des Eintritts zu schenken. So sammelten sich in den Sälen Pokale, Schüsseln und Leuchter: Jeder Gegenstand zeigte, wer es geschafft hatte, sich im Handel zu etablieren. Wenn ein Schwarzhäupter heiratete und den Bürgereid ablegte, wechselte er in die Große Gilde. Für viele wurde dieses Haus zu einem Ort zwischen ihrer Ankunft in Riga und einem vollberechtigten Leben in der Stadt.
Das Gebäude über der Erde ist heute rekonstruiert. Das alte Haus brannte im Jahr eintausendneunhunderteinundvierzig nieder, seine Ruinen wurden im Jahr eintausendneunhundertachtundvierzig abgerissen. Die Rigaer errichteten die Fassade von eintausendneunhundertsechsundneunzig bis eintausendneunhundertneunundneunzig nach Aufmaßen, Darstellungen und gefundenen Fundamenten neu. Die mittelalterlichen Keller blieben authentisch. Über ihnen ist wieder das schwarze Profil auf dem Wappen zu sehen – das Zeichen junger Händler, deren Waren unten lagen, während sie selbst darum rangen, das Recht zu erhalten, in Riga zu bleiben.
Praktisch vor Ort
Fassade und Platz sind für eine selbstständige Besichtigung zugänglich. Die authentischen Keller und Innenräume kann man nur bei einem Besuch des Gebäudes sehen; prüfen Sie die Möglichkeit zum Eintritt gesondert.
