Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Torbogen
- Figur von Karl IV.
- Figur von Václav IV.
- Aussichtsgalerie
Die Geschichte des Ortes
Heute gelangt man durch den Bogen des Altstädter Brückenturms zur Karlsbrücke und steigt über die Wendeltreppe zur Aussichtsgalerie hinauf. Der Name ist wörtlich zu verstehen: Der Turm steht am altstädtischen Ende der Brücke. In der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts errichtete die Werkstatt von Peter Parler ihn als repräsentatives Stadttor auf dem Weg zur königlichen Residenz. An der Fassade sind Karl IV. und sein Sohn Václav IV. dargestellt, und aus dem ersten Stock ließ man einst ein eisernes Fallgitter herab, das die Durchfahrt versperrte.
Durch dieses Tor zogen königliche Prozessionen. Durch es ging auch jeder, der die Moldau zwischen der Altstadt und der Kleinseite überquerte. Deshalb ordnete Kaiser Ferdinand II. nach der Hinrichtung der Anführer des Böhmischen Aufstands an, die Repression genau hier fortzusetzen. Die Köpfe von zwölf der siebenundzwanzig Hingerichteten wurden auf den oberen Teil des Turms gehoben und in eisernen Körben ausgestellt. Die Familien durften die Leichen bestatten, doch diese Überreste wurden ihnen nicht ausgehändigt: Die Warnung sollte über dem belebtesten Übergang bleiben.
Fast ein Jahr lang bat die Witwe des zuerst Hingerichteten, eines der Anführer des Aufstands, Joachim Ondřej Šlik, darum, den Kopf ihres Mannes zurückzuerhalten. Im Mai eintausendsechshundertzweiundzwanzig erhielt sie die Erlaubnis und begrub ihn zusammen mit dem Leichnam. Die übrigen elf Köpfe blieben mehr als zehn Jahre am Turm.
Nur die zurückgekehrten Exilanten konnten sie abnehmen. Im Herbst eintausendsechshunderteinunddreißig besetzten sächsische Truppen Prag für kurze Zeit, und mit ihnen kamen Verwandte und Mitstreiter der Hingerichteten in die Stadt. Unter den Turm kam auch Mikuláš Diviš, der ehemalige Schreiber des Altstädter Rates. Ein Schreiber verfasste und verwahrte städtische Dokumente – das war sein Amt und die Grundlage seines Lebensunterhalts. Diviš hatte seine Stelle verloren und war wegen seiner Teilnahme am feierlichen Empfang von Friedrich V. von der Pfalz, dem König, den die Aufständischen anstelle Ferdinands gewählt hatten, auf Lebenszeit verbannt worden.
Nun wurde ihm die Aufgabe übertragen, den Überresten über dem Tor ihre Namen zurückzugeben. Diviš erinnerte sich, in welcher Reihenfolge die Köpfe ausgestellt worden waren. Die elf Schädel wurden abgenommen, in das benachbarte Zollhaus gebracht und in einzelne Kästen gelegt; Diviš beschriftete jeden einzelnen Kasten. Dann stellte man die Kästen in einen gemeinsamen Sarg und brachte ihn in die Teynkirche, wo ein Totengottesdienst stattfand.
Danach übergab man den Sarg mehreren Vertrauensleuten. Die Exilanten verstanden, dass die sächsischen Truppen abziehen könnten und die Überreste dann wieder der Schändung ausgesetzt würden, deshalb hielten sie den Begräbnisort geheim. Einige Monate später verließen die Sachsen Prag, und die Zurückgekehrten mussten die Stadt erneut verlassen.
Am oberen Teil des Turms auf der Brückenseite, wo die eisernen Körbe hingen, gibt es heute weder Befestigungen noch eine Gedenktafel. Die elf Kästen mit den Namen brachte man von hier im Jahr eintausendsechshunderteinunddreißig fort; wo die Vertrauensleute sie nach dem Gottesdienst in der Teynkirche versteckten, ist bis heute unbekannt.
Praktisch vor Ort
Der Turm ist saisonal geöffnet: Januar—März 10:00—18:00, April—Mai 10:00—19:00, Juni—September 9:00—20:30, Oktober—November 10:00—18:00, Dezember 10:00—19:30. Ein Erwachsenenticket kostete zum Prüfdatum 250 tschechische Kronen; zur Galerie führen 138 Stufen. Geprüft 2026-06-29.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie die Fassade aus einiger Entfernung und halten Sie sich nicht unter dem Bogen auf; der Aufstieg auf den Turm ist für diese Geschichte nicht erforderlich.
