Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Bronzefigur von Jan Nepomucký
- Zwei Reliefs am Sockel
- Fünf Sterne um den Kopf
- Kreuz mit fünf Sternen
Die Geschichte des Ortes
Lange Zeit trug der steinerne Übergang hier die einzige Straße über die Moldau zwischen Altstadt, Kleinseite und Prager Burg. Er wurde als Ersatz für die Judithbrücke errichtet, die ein Hochwasser fortgerissen hatte; Karl IV. ließ den Bau beginnen, vollendet wurde er erst nach seinem Tod. Hier zogen Händler, königliche Prozessionen, Truppen und Verurteilte entlang. In die nahe Brüstung ist ein Kreuz mit fünf Sternen eingelassen, und ihren heutigen Namen erhielt die Brücke erst viel später.
Bei der Bronzefigur Jan Nepomuckýs reiben Menschen zwei Reliefs am Sockel. Das rechte zeigt, wie ein Mensch von der Brücke gestoßen wird. Das linke zeigt eine Frau bei der Beichte. Diese Szenen erzählen zwei verschiedene Versionen eines Todes: Die erste stützt sich auf historische Dokumente, die zweite entstand später als Legende.
Im Jahr eintausenddreihundertdreiundneunzig hieß dieser Mann Jan aus Pomuk. Er war Generalvikar des Prager Erzbischofs – ein Kirchenjurist, der im Namen seines Vorgesetzten Ernennungen und Gerichtsentscheidungen bestätigte. König Václav IV. wartete auf den Tod des Abtes des wohlhabenden Klosters Kladruby. Der König wollte das Kloster aufheben, seine Ländereien einem neuen Bistum übertragen und damit seinen Gegner, Erzbischof Jan z Jenštejna, schwächen.
Als der Abt starb, wählten die Mönche sofort einen Nachfolger. Am zehnten März bestätigte Jan aus Pomuk ihre Wahl. Er erfüllte genau die Aufgabe, von der er lebte, doch mit einer einzigen Unterschrift versperrte er dem König den Weg zu den Klosterbesitzungen.
Zehn Tage später ließ Václav die engsten Bediensteten des Erzbischofs festnehmen. Jan z Jenštejna selbst konnte fliehen. Seine Vikare wurden gefoltert, um sie zur Unterwerfung zu zwingen; Jan aus Pomuk überlebte die Folter nicht. Die Quellen lassen nicht mit Sicherheit sagen, ob Jan noch lebte, als die Leute des Königs ihn hierher brachten. Eines steht jedoch fest: Den sterbenden Jan oder bereits seinen Leichnam stieß man von dieser Brücke in die Moldau.
Am siebzehnten April fand man den Leichnam weiter flussabwärts. Später brachte man die Überreste in den St.-Veits-Dom. Der König erhielt das Kloster Kladruby dennoch nicht, und der geflohene Erzbischof brachte dem Papst eine schriftliche Anklage wegen Mordes.
Anderthalb Jahrhunderte später ersetzten Chronisten den Streit um das Kloster durch eine verständlichere Geschichte: Jan sei der Beichtvater von Königin Sofia gewesen, und Václav habe ihn getötet, weil er sich geweigert habe, preiszugeben, was er bei der Beichte gehört hatte. Das ist eine Legende, und genau sie stellte Jan Brokoff auf dem linken Relief dar. Auch die fünf Sterne um den Kopf des Heiligen gehören zur Legende: Angeblich erschienen sie nach seinem Sturz über dem Wasser.
Die Bronzefigur wurde im Jahr eintausendsechshundertdreiundachtzig gegossen – sechsundvierzig Jahre vor Jans Heiligsprechung. Sie ist die älteste Skulptur auf der Brücke, die sich hier in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten hat; nach dieser Figur stellte man Jan Nepomucký später auf Brücken in ganz Europa dar. Etwas weiter ist ein Kreuz mit fünf Sternen in die Brüstung eingelassen: Es markiert die traditionell genannte Stelle des Sturzes. Und auf dem Sockel stehen bis heute das dokumentierte Tötungsdelikt und die spätere Legende von der königlichen Beichte nebeneinander.
In der Nacht von Jans Tod hieß diese Brücke noch nicht Karlsbrücke. Die Prager nannten sie Steinerne Brücke oder Prager Brücke, und auch ihr Bau dauerte damals noch an. Ihre Vorgängerin, die Judithbrücke, wurde durch das Hochwasser des Jahres eintausenddreihundertzweiundvierzig zerstört. Karl IV., König von Böhmen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ordnete den Bau eines neuen steinernen Übergangs an und legte im Jahr eintausenddreihundertsiebenundfünfzig den ersten Stein. Die Baumeister vollendeten ihn erst im Jahr eintausendvierhundertzwei, bereits nach Karls Tod.
Bis zum Jahr eintausendachthunderteinundvierzig blieb sie die einzige Prager Brücke über die Moldau: Über sie zogen zwischen Altstadt, Kleinseite und Prager Burg Händler, königliche Prozessionen, Truppen und Verurteilte. Der Name „Karlsbrücke“ setzte sich erst im Jahr eintausendachthundertsiebzig durch, nach einem Vorschlag des tschechischen Journalisten und Dichters Karel Havlíček Borovský. Der Name erinnert an den Mann, der den Ersatz der fortgespülten Brücke anordnete; Karl IV. selbst nannte seinen Übergang Prager Brücke.
Praktisch vor Ort
Die Fußgängerbrücke ist als Stadtraum ohne Eintrittskarte geöffnet. Die Menschenmenge erschwert das Erfassen des Ortes besonders zur Tagesmitte; der Belag kann bei Regen und im Winter rutschig sein. Geprüft 2026-06-29.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Bleiben Sie nicht mitten im dichten Strom stehen; wählen Sie für den Blick auf den Fluss und die Reliefs einen freien Platz an der Brüstung.
