Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Bankreihen
- Erhöhte Plattform an der Ostwand
- Orgel auf der Empore
- Vergoldete Arabesken
Die Geschichte des Ortes
Die Geschichte der heutigen Spanischen Synagoge begann mit einem Streit um Sitzplätze. Im Jahr eintausendachthundertzweiunddreißig gründeten vierundfünfzig Prager Juden – Fabrikanten, Kaufleute und Gelehrte – eine Vereinigung, die einen eigenen Gottesdienst benötigte: mit einer Predigt auf Deutsch, einer im Voraus festgelegten Ordnung, einem ausgebildeten Chor und Musik.
Dafür wählten sie die hier stehende Alte Schule – so hieß die älteste Synagoge Prags. Sie lag damals außerhalb der Jüdischen Stadt; deshalb konnten die traditionellen Gemeindevorsteher die Vorgänge hier nicht ebenso unmittelbar überwachen wie in den Synagogen des Ghettos.
Das Gebäude gehörte jedoch der gesamten Gemeinde, die Plätze darin einzelnen Familien. Ein Synagogensitz galt als vererbbarer Besitz; er verlieh seinem Eigentümer Ansehen und das Recht, an Gemeindewahlen teilzunehmen. Die Reformer mussten diese Plätze tauschen und abkaufen; einige Eigentümer weigerten sich, sie abzutreten. Erst im Januar eintausendachthundertfünfunddreißig gestatteten die Beamten, hier den erneuerten Gottesdienst auf Deutsch abzuhalten. Der eingeladene Prediger musste sich dabei weiterhin den ranghöheren Prager Rabbinern unterordnen.
Die Vereinigung berief Leopold Zunz, einen Berliner Forscher jüdischer Texte, der eine neue Gottesdienstordnung ausarbeiten und hier Trauungen, Segnungen und Beerdigungen vollziehen sollte. Zunz setzte sich für Unabhängigkeit und eine Anstellung auf Lebenszeit ein. Das Gehalt des Predigers sollte sein Einkommen werden, doch der Dienst ließ ihm immer weniger Zeit für die wissenschaftliche Arbeit, die ihm nicht weniger bedeutete.
In einem vorläufigen Vertrag versprach man ihm Unabhängigkeit. Als Zunz im September eintausendachthundertfünfunddreißig nach Prag kam, hatte der Umbau der Alten Schule noch nicht begonnen, und die Beamten hatten die zugesagte Genehmigung bereits abgelehnt. Er verfasste eine dreißigseitige Gottesdienstordnung, trat hier jedoch nur viermal auf. Am ersten Januar reichte er seinen Rücktritt ein, und im Juni verließ er Prag und nahm das Manuskript mit. Es trat nie in Kraft.
Ihm folgte der junge Prediger Michael Sachs. Er erklärte sich zunächst bereit, Trauungen nur mit der Genehmigung der ranghöheren Rabbiner durchzuführen, während die Vereinigung weiterhin Gesuche einreichte. Im März eintausendachthundertneununddreißig erkannte man Sachs als vierten Rabbiner Prags an und befreite ihn von der früheren Unterordnung. Bis zu seiner Abreise nach Berlin im Jahr eintausendachthundertvierundvierzig wirkte er hier und hielt auch Kontakt zu einem Teil der traditionellen Gemeinde.
Die Vereinigung blieb auf diesem Grundstück. Die Alte Schule wurde im Jahr eintausendachthundertsiebenundsechzig abgerissen, und ein Jahr später eröffnete man das heutige Gebäude. Im neuen Saal stellte man die Bänke in Reihen auf, verlegte die erhöhte Plattform für die Lesung der Tora an die Ostwand und baute auf der Empore eine Orgel ein. So gestaltete man den Raum für jenen Gottesdienst, dessen Recht die Mitglieder der Vereinigung mehr als dreißig Jahre lang erstritten hatten.
Zunächst nannte man das Gebäude Spanische Synagoge oder Spanische Synagoge an der Dušní – nach der Straße, an der es steht. Der maurische Schmuck mit Vergoldungen und Arabesken entstand erst in den Jahren eintausendachthundertzweiundachtzig und eintausendachthundertdreiundachtzig. Den heutigen Namen verbindet man gewöhnlich mit dieser Ausstattung, die an die spanische Alhambra erinnert. Forschende nennen noch einen anderen möglichen Grund: die alte, unzutreffende Annahme, bei der Alten Schule habe eine Gemeinde von Auswanderern von der Iberischen Halbinsel bestanden. Spanische Riten wurden hier nicht abgehalten; die Gemeindemitglieder waren Prager Juden der aschkenasischen Tradition.
Die regelmäßigen Gottesdienste endeten im Jahr eintausendneunhunderteinundvierzig, als die Besatzungsverwaltung den Saal in ein Lager für den Juden geraubte Gegenstände verwandelte. Seit eintausendneunhundertfünfundfünfzig wird das Gebäude vom Jüdischen Museum in Prag verwaltet. Heute befindet sich unter der Kuppel eine Ausstellung über die Juden der böhmischen Länder im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, und die restaurierte Orgel wird bei Konzerten genutzt. Von der Alten Schule sind keine Mauern erhalten; Zunz’ Manuskript wird in Jerusalem aufbewahrt, und auf diesem Grundstück ist der Saal erhalten, für den er eine neue Ordnung einzuführen versuchte.
Praktisch vor Ort
Saisonale Öffnungszeiten des Jüdischen Museums in Prag; Veranstaltungen und Konzerte bitte gesondert prüfen.
Geprüft: 26. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Fassade vermittelt nicht die Fülle des Saals; für einen vollständigen Eindruck ist deshalb ein gesonderter Eintritt ins Innere nötig. Beachten Sie während Gottesdiensten, Veranstaltungen oder Konzerten die geltenden Besuchsregeln.
