Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Bogenbalkone
- Gedrehte Säulchen
- Fensterverkleidungen mit Schnörkeln
- Breite Auffahrt in den zweiten Stock
Die Geschichte des Ortes
Unter dem unebenen Dach von Haus Oschewnew befand sich ein ganzer saoneschischer Wirtschaftsbetrieb, nicht nur Wohnraum. Eine breite hölzerne Auffahrt führt nach oben, wohin man Heuwagen hinaufrollte; unten hielt man Vieh und lagerte Vorräte. Hier konnten mehrere Generationen zugleich leben, ohne Wohnräume, Arbeit und Vorräte voneinander zu trennen. Bogenbalkone, gedrehte Säulchen und Schnörkel an den Fensterverkleidungen verraten den Wohlstand der Besitzer, denen dieses Haus zugleich als Werkstatt und Lager diente.
Im Jahr eintausendachthundertsechsundsiebzig baute Nestor Maximowitsch Oschewnew, das Oberhaupt eines großen Bauernhofs, dieses Haus gemeinsam mit seinen vier erwachsenen Söhnen. Eine Familienüberlieferung bezeichnet Nestor als blind. Morgens teilte er jedem Sohn eine Aufgabe zu, abends überprüfte er die erledigte Arbeit und führte den Hof bis zu seinem Tod selbst. Gerade die Überlieferung, nicht ein Dokument, hat diese Einzelheit bewahrt.
Dokumente bestätigen etwas anderes: Die Oschewnews gehörten zu den wohlhabendsten Familien der Wolost Kischi. Einer von Nestors Söhnen diente als Kirchenältester, zwei wurden Kaufleute in Sankt Petersburg. Auch der Geschmack der Stadt gelangte in ihr Dorfhaus: Die Familie schmückte die Fassaden mit Bogenbalkonen, gedrehten Säulchen und Fensterverkleidungen mit Schnörkeln, die steinernem Dekor ähnelten.
Gebaut wurde jedoch vor allem für die Arbeit und das gemeinsame Leben. Wohnräume, Ställe, Vorratskammern und eine riesige Scheune verbanden Zimmerleute unter einem einzigen asymmetrischen Dach. Einen solchen Hauskomplex nannte man „Koschel“. Über eine breite Auffahrt brachte man einen Heuwagen in den zweiten Stock; unten hielt man Vieh, daneben lagerte man Getreide, Fleisch und Milchprodukte. Mehrere Generationen konnten hier untergebracht werden, ohne Wohnraum und Wirtschaft voneinander zu trennen.
Im Jahr eintausendneunhundertvierzehn kam Marija Jefimowna Denisowa als junge Ehefrau hierher. Neben ihr und ihrem Ehemann Fjodor lebten im Haus seine Eltern, ein achtzigjähriger Onkel mit seiner Frau, drei Schwestern und eine betagte Verwandte. Im Sommer wies man der alten Frau die helle Kammer unter dem Dach zu. Im Winter zogen alle in die untere Stube, um einen einzigen Raum zu heizen.
Die Oschewnews besaßen sechs Netzreusen, große Fallen für Fische. Zweimal in der Woche ruderten die Männer vierzig Kilometer weit hinaus, fingen Lachs, Hecht, Brachse und Kleine Maräne und schickten frischen Fisch mit dem Dampfschiff nach Petrosawodsk. Fjodor baute Boote auf Bestellung, arbeitete als Zimmermann und nähte Stiefel. Die geräumigen Vorratskammern, die Scheune und der Eiskeller neben dem Haus dienten diesem Wirtschaftsbetrieb und nicht einer dörflichen Vorliebe für riesige Räume.
Im Jahr eintausendneunhundertneunundzwanzig übergab die Familie dem Kolchos ein Pferd, Schafe und fast das gesamte Vieh. Ein Jahr später zog Fjodor zum Kalkabbau, und im Jahr eintausendneunhundertsiebenunddreißig zogen die Oschewnews zunächst nach Solomennoje, dann nach Petrosawodsk. Das Haus stand leer und verfiel innerhalb von vierzehn Jahren zu einem baufälligen Gebäude.
Der Architekturtechniker Emil Iljin vermaß den Blockbau und bereitete einen Wiederaufbauplan vor. Im Jahr eintausendneunhunderteinundfünfzig zerlegten örtliche Zimmerleute das Haus von Hand, transportierten die Stämme mit einem Pferd und setzten sie auf Kischi wieder zusammen. Es war das erste Wohnbaudenkmal, das für das künftige Museum hierher versetzt wurde.
Im August eintausendneunhundertsiebzig kamen der zweiundachtzigjährige Fjodor und Marija Oschewnewa nach Kischi und betraten ihr früheres Haus nun als Besucher. Sie erzählten den Museumsmitarbeitern, wo die Schindelmaschine stand, was in den Vorratskammern lag und wer welche Räume bewohnte. Die heutige Einrichtung im Inneren wurde vom Museum zusammengestellt und zeigt den Alltag einer wohlhabenden Familie aus Saoneschje; sie ist kein unantastbar erhaltenes Eigentum der Oschewnews.
An der Westfassade ist weiterhin das Baujahr eintausendachthundertsechsundsiebzig eingeschnitzt. Hinter diesem Datum stehen die überführten Hausstämme; das Dorf Oschewnewo selbst, in dem sie erstmals zu einem Blockbau gefügt wurden, gibt es nicht mehr.
Praktisch vor Ort
Das Museumsgelände ist ganzjährig geöffnet: 01.11–30.04 10:00–16:00; 01.05–11.05 10:00–18:00; 12.05–31.08 08:00–19:00; 01.09–30.09 10:00–17:00; 01.10–31.10 10:00–16:00. Im Basisticket ist eines der Bauernhäuser entsprechend der Museumsroute enthalten; erkundigen Sie sich beim Kauf oder beim Aufseher nach dem konkreten Haus und dem Innenraum.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Innenroute kann durch das Museumsprogramm eingeschränkt sein. Betreten Sie nicht die Bereiche hinter den Absperrungen und lehnen Sie sich nicht an die Wände, auch wenn der Raum wie eine gewöhnliche Bauernstube aussieht.
