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Praça Tiradentes

Praça Tiradentes

Hier stellt sich die zentrale Frage der Route: Wer und wie verwandelt einen gescheiterten Aufstand in staatliche Erinnerung?

12 Min.
Praça Tiradentes in Ouro Preto mit historischen Fassaden ringsum.
MarcoDrumond · CC BY-SA 4.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Bronzestatue
  • Granitsäule
  • Palácio dos Governadores
  • Fassade des Museu da Inconfidência

Die Geschichte des Ortes

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Der Platz liegt auf dem Morro de Santa Quitéria, der einst zwei Bergbausiedlungen trennte, aus denen Ouro Preto hervorging. Über ihn liefen die wichtigsten Straßen der Goldprovinz zusammen, deshalb wählte der königliche Gerichtshof diesen offenen Bereich für seinen Hauptplatz. Auf einer Seite des Hügels stand der Palácio dos Governadores, auf der anderen errichtete man die Casa de Câmara e Cadeia; zwischen Macht und Straßen verlief der belebteste Weg der Stadt. Über dem Platz erhebt sich eine neunzehn Meter hohe Granitsäule.

Die Bronzefigur in der Mitte des Platzes wurde hundertundzwei Jahre später aufgestellt, nachdem hier der abgetrennte Kopf desselben Mannes auf einem hohen Pfahl befestigt worden war.

Im Jahr tausendsiebenhundertzweiundneunzig hieß Ouro Preto noch Vila Rica – „Reiche Stadt“ –, und der Platz war noch der Morro de Santa Quitéria. Der Hügel trennte zwei Bergbausiedlungen, aus denen die Stadt hervorging; hier liefen die wichtigsten Straßen zusammen. An einem Ende stand bereits der Palácio dos Governadores, am anderen errichtete man die Casa de Câmara e Cadeia. Der königliche Gerichtshof wählte die belebteste und auffälligste Stelle der Hauptstadt der Goldprovinz.

Der Mann hieß Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes). Er diente als Alferes, als niederer Offizier der Kavallerie, und patrouillierte auf der Straße, auf der Gold zur Küste gebracht wurde. Der Militärsold verschaffte ihm ein regelmäßiges Einkommen; außerdem behandelte und zog er Zähne. Daher erhielt Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes) den Beinamen „Zahnausreißer“.

Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts ging die Goldförderung zurück, während die Rückstände gegenüber der Portugiesischen Krone anwuchsen. Beamte bereiteten die Derrama vor: Den fehlenden Betrag wollten sie zwangsweise von den Einwohnern der Provinz eintreiben. Eine Gruppe von Militärs, Richtern, Priestern und Minenbesitzern beschloss, den Tag der Eintreibung zu nutzen, einen Aufstand zu beginnen, Minas Gerais von Portugal abzutrennen und eine Republik zu gründen. Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes) suchte Unterstützer und verbreitete diese Pläne offen entlang der ihm vertrauten Straßen.

Der Verschwörungsteilnehmer Joaquim Silvério dos Reis, der dem Fiskus Geld schuldete, informierte den Gouverneur über die Vorbereitungen, weil er sich eine Erleichterung seiner eigenen Schulden erhoffte. Der Gouverneur sagte die Derrama ab und ließ die Verschwörer festnehmen. Der Aufstand begann nie.

Ermittlungen und Prozess dauerten fast drei Jahre. Elf Angeklagte erhielten Todesurteile, doch bei zehn wurde die Hinrichtung durch lebenslange Verbannung ersetzt. Das Gericht erklärte Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes) zum Hauptanstifter. Am einundzwanzigsten April tausendsiebenhundertzweiundneunzig wurde er in Rio de Janeiro gehängt. Sein Eigentum wurde eingezogen, sein Haus sollte abgerissen und sein Name für ehrlos erklärt werden.

Damit war die Strafe nicht beendet. Beamte ordneten an, den Körper zu zerstückeln und seine Teile entlang der Straßen auszustellen, auf denen Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes) Unterstützer angeworben hatte. Den Kopf brachte man nach Vila Rica und befestigte ihn auf einem Pfahl mitten auf diesem Hügel. Dem Urteil zufolge sollte er dort bleiben, bis die Zeit ihn zerstörte. Den Bewohnern, die zwischen den beiden Hälften der Stadt am Palácio dos Governadores vorbeigingen, wurde täglich gezeigt, wie der Versuch endete, sich von Portugal abzutrennen.

Nach dem Sturz der brasilianischen Monarchie wählten republikanische Abgeordnete des Bundesstaates Minas Gerais denselben Ort für ein Denkmal. Am einundzwanzigsten April achtzehnhundertzweiundneunzig, zum hundertsten Jahrestag der Hinrichtung, legte man den Grundstein. Weitere zwei Jahre später weihte man eine neunzehn Meter hohe Granitsäule mit einer Bronzestatue ein, und der Platz, der zuvor Praça da Independência geheißen hatte, erhielt den Namen Praça Tiradentes.

Ein zuverlässiges Porträt von Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes) aus dessen Lebenszeit gab es nicht. Der Bildhauer Virgílio Cestari stützte sich auf eine Zeichnung von Angelo Agostini, die den Verurteilten nach dem Vorbild Christi mit langem Haar und Bart zeigte. Die Gerichtsakten berichten etwas anderes: Vor der Hinrichtung rasierte man Joaquim José da Silva Xavier (Tiradentes) Kopf und Gesicht. Wo das Urteil angeordnet hatte, seinen Kopf zu belassen, bis die Zeit ihn zerstörte, steht nun über dem Morro de Santa Quitéria ein Gesicht, das republikanische Künstler geschaffen haben.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort12 Min.
Nächster PunktMuseu da Inconfidência
Eintrittvon außen

Offener städtischer Platz, rund um die Uhr zugänglich; für das Lesen der Fassaden und zur Orientierung kommt man besser tagsüber.

Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Stellen Sie sich so an das Denkmal, dass Sie nacheinander beide Hauptgebäude sehen: Ihre Lage zueinander erklärt den Platz besser als ein einziges Foto.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Überqueren Sie den Platz und gehen Sie zur Fassade der Casa de Câmara e Cadeia.

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Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Ouro Preto: Gold, Steuern und Aufstände“ — 8 Stopps, 3,4 km, 3 Std. 15 Min..

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