Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Figuren von Donau und Isar
- Marmorverkleidung
- Wassertreppe
- Mittelkanal
Die Geschichte des Ortes
Einen hohen Wasserfall kann es hier nicht geben: Der Park liegt auf nahezu ebenem Gelände. Deshalb ist die Große Kaskade als breite Wassertreppe mit Becken zwischen den Stufen angelegt, in denen der Strom allmählich an Höhe verliert. Die rötlich-weiße Marmorverkleidung ist nicht ursprünglich: Zunächst waren die Flächen aus Holz, und nachdem eine Fliegerbombe die Kaskade getroffen hatte, musste der größte Teil der Verkleidung ersetzt werden. In der heutigen Kaskade ist die alte Anordnung der Gefälle erhalten geblieben, nicht jedoch das frühere Material.
Die beiden liegenden Figuren neben dem mittleren Wasserfall stellen Donau und Isar dar. Das Wasser zwischen ihnen kommt aus einem dritten Fluss – der Würm. Bei Pasing wird sie in einen Kanal abgeleitet, bis zur westlichen Grenze des Parks geführt und hier von der oberen auf die untere Ebene hinabgeleitet. Vom unteren Becken fließt das Wasser über den Mittelkanal zum Schloss. Die Kaskade stellte man dort auf, wo das Wasser in den Park eintritt; zugleich bildete sie den Abschluss der Fernperspektive von der Schlosstreppe aus.
Auf nahezu ebenem Gelände konnte der Hofarchitekt Joseph Effner keinen hohen Wasserfall anlegen. Im Jahr siebzehnhundertsiebzehn zog er den Fall in die Breite: Er baute aus Holz eine Wassertreppe mit Zwischenbecken. Das Wasser verlor über mehrere breite Ströme an Höhe, und den Namen Große Kaskade trug sie wegen der Ausdehnung des gesamten Bauwerks.
Die Holzkonstruktion musste bereits ein anderer Architekt ersetzen – François de Cuvilliés. Als Jugendlicher trat er am Hof eine Stelle an, die offiziell „Hofzwerg“ hieß. Sein Gehalt hing von der Gunst des Kurfürsten ab, doch Cuvilliés selbst strebte eine andere Laufbahn an: Er lernte, Befestigungen zu zeichnen, legte die Offiziersprüfung ab und bat um Teilnahme am Ungarnfeldzug. Im Jahr siebzehnhundertsiebzehn wurde er wegen seiner sehr kleinen Körpergröße abgewiesen.
Max Emanuel, der Auftraggeber der Erweiterung von Nymphenburg, beschloss, Cuvilliés’ Fähigkeiten anders zu nutzen. Er bezahlte ihm ein Architekturstudium in Paris. Nach seiner Rückkehr nach München erhielt Cuvilliés die Stelle eines Hofarchitekten mit einem Gehalt von sechshundert Gulden im Jahr und arbeitete neben Effner, der damals die Bauarbeiten am Schloss leitete.
Nach dem Tod von Max Emanuel begann der neue Kurfürst Karl Albrecht (Kaiser Karl VII.), Aufträge an Cuvilliés zu vergeben. Bis zum Jahr siebzehnhundertdreißig behielt Effner seinen hohen Titel, verlor jedoch faktisch die Leitung; später ließ man ihm die Gärten, Reparaturen und die Aufsicht über die Wassereinrichtungen. Cuvilliés wurde mit dem Umbau der von Effner errichteten Kaskade betraut. Er legte den Weg vom abgewiesenen Militäringenieur zum wichtigsten Hofarchitekten zurück, und nach dem Tod von François de Cuvilliés musste sein Sohn die Erneuerung der Kaskade vollenden.
In den Jahren siebzehnhundertneunundsechzig bis siebzehnhunderteinundsiebzig verkleidete man die Holzflächen mit rötlich-weißem Marmor. Die von Effner entworfene architektonische Rahmung an den Seiten wurde nie gebaut. Im November neunzehnhundertvierundvierzig beschädigte eine Fliegerbombe die Kaskade; bis neunzehnhundertfünfundsechzig wurde sie wiederhergestellt, wobei man die Verkleidung weitgehend ersetzte.
Effners hölzerne Treppe gibt es hier nicht mehr, und ein erheblicher Teil des sichtbaren Marmors wurde nach dem Krieg verlegt. Erhalten blieb die Anordnung der Gefälle selbst: Das Wasser der Würm tritt zwischen den Figuren von Donau und Isar in den Park ein, verliert hier an Höhe und setzt seinen Weg den geraden Kanal entlang zum Schloss fort.
Praktisch vor Ort
Die Kaskade befindet sich im Park und ist während der Öffnungszeiten der Tore zugänglich: Januar–März, November und Dezember 6:00–18:00; April und Oktober 6:00–20:00; Mai–September 6:00–21:30. Die Wassereinrichtungen sind in der Regel von Ostern bis Mitte Oktober in Betrieb, doch den genauen Betrieb der Brunnen und Pumpen muss man anhand der aktuellen Bekanntmachungen überprüfen.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Sehen Sie zunächst auf den Wasserfall und drehen Sie sich dann zum Schloss um: So lässt sich die Kaskade leichter mit der gesamten zurückgelegten Achse verbinden. Bleiben Sie auf den erlaubten Wegen und treten Sie nicht an den nassen Stein am Rand des Bauwerks heran.
