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Lenbachhaus

Lenbachhaus

Beginnen Sie mit einem Privathaus, in dem Auftragsbildnisse und die gerettete Avantgarde zwei unterschiedliche Museumsgeschichten begründeten.

14 Min.
Lenbachhaus München 2017
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Schau dich zuerst um

Worauf achten

  • Der Balkon der alten Villa
  • Das repräsentative Atelier
  • Die wiederhergestellten Empfangsräume
  • Die originalen Möbel

Die Geschichte des Ortes

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Die alte Villa mit Balkon und repräsentativem Atelier wurde zu einem städtischen Kunstmuseum. In ihrem Erdgeschoss stellte man die Empfangsräume nach Fotografien wieder her und brachte die originalen Möbel dorthin zurück. Hinter den eleganten Sälen arbeitete einst eine beinahe fabrikartige Infrastruktur: ein elektrischer Generator, eine Dampfheizung und ein Fotoatelier. Hier wurde ein Privathaus allmählich zu einem Ort, an dem die Stadt ihre Kunst bewahrt.

Der Name auf der Fassade gehört Franz von Lenbach: Auf Deutsch bedeutet „Lenbachhaus“ „Haus Lenbachs“. Er war Porträtmaler und lebte von Aufträgen von Menschen, die für ihren Palast, ihr Arbeitszimmer oder ihre Familiengalerie ein offizielles Bild brauchten. Als Sohn eines städtischen Maurers und dreizehntes Kind der Familie erreichte Lenbach eine Stellung, in der ihm ein Papst, Kaiser, Könige, Industrielle und die bekanntesten Persönlichkeiten der Münchner Gesellschaft Modell saßen.

Ende der achtzehnhundertachtziger Jahre investierte Lenbach seinen Verdienst in eine eigene Residenz. Das Grundstück wählte er gegenüber den Propyläen, nahe dem Königsplatz und den königlichen Kunstsammlungen. Der Auftraggeber gelangte unmittelbar in Arbeits- und Empfangsräume, die mit antiken Skulpturen, alter Malerei, Teppichen und Wandteppichen gefüllt waren. Im öffentlich zugänglichen repräsentativen Atelier malte Lenbach in elegantem Anzug. Hinter den Kulissen befanden sich ein elektrischer Generator, eine Dampfheizung und ein Fotoatelier: Die Fotografie half ihm, die Flut der Porträtaufträge zu bewältigen. Hier verkaufte der Künstler dem Kunden sowohl ein Gemälde als auch seine eigene gesellschaftliche Stellung.

Die anschaulichste Episode ereignete sich im Jahr achtzehnhundertzweiundneunzig. Fürst Otto von Bismarck, der kürzlich das Amt des deutschen Reichskanzlers verlassen hatte, trat auf den Balkon der Villa. Lenbach porträtierte ihn vielfach und schuf zu einem großen Teil jenes strenge, wiedererkennbare Bild Bismarcks, das sich in Porträts und Reproduktionen in Deutschland verbreitete. Nun nahm der ehemalige Reichskanzler vom Balkon seines Porträtisten die Grüße der Münchner Menge entgegen. Lenbach gelang genau das, wofür er das Haus gebaut hatte: Sein Atelier wurde selbst für einen Menschen, dessen Bild er zuvor auf Leinwand geschaffen hatte, zur passenden Bühne.

Nach Lenbachs Tod musste seine Witwe Lolo von Lenbach über die Villa verfügen – eine Künstlerin, die sich um die Einrichtung einer städtischen Galerie an diesem Ort bemühte. Im Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig verkaufte sie der Stadt die Gebäude und das Grundstück und übergab ihr zugleich die Einrichtung sowie zahlreiche Werke ihres Mannes. Städtische Angestellte führten hier verstreute kommunale Kunstbestände zusammen, bauten einen weiteren Flügel an und eröffneten das Museum am ersten Mai neunzehnhundertneunundzwanzig. Lenbachs Familienname blieb im Namen erhalten, während die privaten Räume und Ateliers zu Ausstellungsräumen wurden.

Eine andere Künstlerin bestimmte die heutige Rolle des Museums. Gabriele Münter gehörte dem „Blauen Reiter“ an, einer Münchner Vereinigung vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, deren Mitglieder sich von der vertrauten gegenständlichen Malerei zum Expressionismus und zur Abstraktion bewegten. In ihrem Haus in Murnau am Staffelsee bewahrte sie eigene Bilder, Werke Wassily Kandinskys und Arbeiten ihrer Gefährten auf. Unter dem nationalsozialistischen Regime versteckte Münter diese Sammlung im Keller: Die Kunst des „Blauen Reiters“ galt als entartet, und ihre Entdeckung hätte mit einer Beschlagnahmung enden können.

Warum die geretteten Bilder gerade hierher gelangten, entschied persönliches Vertrauen. Münters Weggefährte, der Kunsthistoriker Johannes Eichner, erforschte ihr Werk und freundete sich mit Hans Konrad Röthel an, dem künftigen Direktor des Lenbachhauses, der der frühen Münchner modernistischen Malerei einen Platz im Museum zurückgeben wollte. Im Jahr neunzehnhundertsechsundfünfzig erlaubte Münter Röthel erstmals, den gesamten verborgenen Bestand zu sehen. Ein Jahr später, zu ihrem achtzigsten Geburtstag, übergab sie dem Lenbachhaus mehr als tausend Werke: etwa neunzig Ölgemälde Kandinskys, Hunderte seiner Zeichnungen und Aquarelle, eigene Arbeiten und Werke anderer Mitglieder des „Blauen Reiters“.

Im Erdgeschoss der alten Villa stellten die Museumsmitarbeiter Lenbachs Empfangsräume nach Fotografien wieder her und platzierten dort die originalen Möbel. In den Sälen desselben Museums befindet sich die weltweit größte Sammlung des „Blauen Reiters“ – Bilder, die Münter viele Jahre im Keller aufbewahrt hatte, bevor sie sie der Stadt übergab.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort14 Min.
Nächster PunktKönigsplatz
Eintrittvon außen

Städtischer Punkt der Route; wenn Sie hineingehen möchten, prüfen Sie bitte die Öffnungszeiten und Besuchsregeln auf der offiziellen Website des Ortes.

Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Von außen ist das Aufeinandertreffen von Villa und Neubau gut zu erkennen; planen Sie die Sammlung des „Blauen Reiters“ als eigenen Museumsbesuch ein.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie von der Villa zu den Propyläen hinab und treten Sie durch sie auf den Platz.

Stopp 1 von 8Weiter: Königsplatz

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Königsplatz und Kunstareal: Kunst, Macht, Erinnerung“ — 8 Stopps, etwa 2,2 km, 2-3 Stunden.

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