Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zwei Seitentürme
- Breiter neugotischer Durchgang
- Wegweiser „Karlsplatz“ und „Stachus“
Die Geschichte des Ortes
Die beiden Seitentürme an den Rändern des breiten neugotischen Durchgangs bewahren die Spur der westlichen Stadtpforte. Im Mittelalter hielt man hier die aus Richtung Neuhausen Einreisenden an, kontrollierte sie und erhob eine Durchfahrtsgebühr. Später erhielt das Tor den Namen eines bayerischen Herrschers, doch den benachbarten Platz nennen die Einwohner weiterhin Stachus – zur Erinnerung an eine längst verschwundene Gastwirtschaft. Heute führt entlang der alten Einfahrtlinie der Weg vom Platz in die Fußgängerzone.
Um halb elf am Abend des fünfzehnten September tausendachthundertsiebenundfünfzig explodierte in einem unmittelbar an das Karlstor angrenzenden Haus Schießpulver. Das Haus gehörte Oskar Rosenlehner. Er verdiente sein Geld mit Eisenhandel und unterhielt hier ein Lager, in dem neben anderen Waren auch ein beträchtlicher Vorrat an Schießpulver aufbewahrt wurde.
Das Haus wurde zerstört. Fünf Bewohner kamen ums Leben, mindestens drei wurden verletzt. Die Explosion beschädigte auch den hohen mittleren Turm des Tores. König Maximilian II. erlaubte, ihn abzureißen. Die Architekten schlugen vor, zugleich die gesamte alte Anlage abzutragen und eine repräsentative Einfahrt neu zu bauen, doch die städtischen Verwalter hielten die Entwürfe für zu teuer. Sie ließen die beiden Seitentürme stehen, und Arnold Zenetti verband sie mit einem breiten neugotischen Durchgang.
So erhielt das Karlstor in den Jahren tausendachthunderteinundsechzig bis tausendachthundertsechsundsechzig seine heutige Gestalt. Die mittelalterlichen Kerne sind in den Seitentürmen erhalten. Wo sich früher der hohe mittlere Turm erhob, befindet sich jetzt der Hauptdurchgang. Vom Haus und Lager Rosenlehners ist nichts geblieben.
Dieses Tor wurde schon im Mittelalter am westlichen Ausgang Münchens errichtet. Hier kontrollierte man die Einreisenden und erhob Zölle; die Straße führte zum Dorf Neuhausen, deshalb hieß das Tor Neuhauser Tor. Heute gehen Menschen entlang derselben Linie vom Platz auf die Fußgängerzone der Neuhauser Straße.
Das Tor wurde auf Anordnung Karl Theodors zum Karlstor. Er war Kurfürst von Bayern – ein Fürst, der bei der Wahl des Kaisers eine Stimme hatte. Karl Theodor erbte Bayern im Jahr tausendsiebenhundertsiebenundsiebzig und verlegte seinen Hof aus Mannheim in das ihm fremde München. Der neue Herrscher hoffte, Bayern gegen die Österreichischen Niederlande, Gebiete ungefähr des heutigen Belgien, eintauschen und dort eine Königskrone erhalten zu können. Das Geschäft scheiterte, doch die Münchner erinnerten sich daran, dass man ihr Land im Tausch weggeben wollte.
Im Juni tausendsiebenhundertzweiundneunzig ließ Karl Theodor den natürlichen Namen des Neuhauser Tors durch seinen eigenen Namen ersetzen. Fünf Jahre später nannte er auch den neuen Platz davor Karlsplatz. Im alltäglichen Sprachgebrauch setzte sich dieser Name nicht durch. An der Ecke betrieb Eustachius Föderl, bekannt als Stachus, eine Gastwirtschaft, und der Platz wurde weiterhin nach seinem Lokal Stachus genannt.
Föderls Gastwirtschaft gibt es längst nicht mehr. Im Namen des Tores ist Karl Theodor geblieben, und auf den städtischen Wegweisern stehen noch heute zwei Namen des Platzes nebeneinander: Karlsplatz und Stachus.
Praktisch vor Ort
Die Station lässt sich vollständig von außen lesen. Halten Sie sich unter dem Bogen abseits des Hauptstroms und betrachten Sie die Köpfe, ohne den Durchgang zu versperren.
