Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade der Kathedrale
- Buntglasfenster mit dem Apostel Thomas
- Denkmal für Richard Cobbe
Die Geschichte des Ortes
Den Namen des heiligen Thomas erhielt die Kirche nach der christlichen Überlieferung über den Apostel, der den Glauben nach Indien brachte. Im südwestlichen Teil der Kathedrale ist er in einem Buntglasfenster zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel dargestellt. Später wurde hier der Bischofssitz des ersten Bischofs von Bombay eingerichtet, und die Kirche wurde zur Kathedrale; heute hält die Diözese Mumbai der vereinten protestantischen Kirche von Nordindien hier Gottesdienste.
Am neunzehnten Juni siebzehnhundertfünfzehn hielt Richard Cobbe, der Kaplan der Ostindien-Kompanie, eine Predigt über die unvollendete Kirche. Als Kaplan bezeichnete man einen Priester, den die Kompanie für ihre Angestellten und Soldaten anstellte. Von ihr erhielt Cobbe seine Stelle und sein Gehalt, doch es beschämte ihn, dass die Engländer in Bombay in zwei miteinander verbundenen Räumen innerhalb der Burg beteten. Er wollte den Gottesdienst aus dem geschlossenen Fort in eine eigene Kirche verlegen, die der gesamten englischen Gemeinde zugänglich war.
Zu diesem Zeitpunkt standen auf diesem Grundstück bereits seit mehr als dreißig Jahren etwa fünfzehn Fuß hohe Mauern. Sie waren von Gouverneur Gerald Aungier begonnen worden, der den Bau der ersten anglikanischen Kirche Bombays vorantrieb. Im Jahr sechzehnhundertsechsundsiebzig legte man den Grundstein für ein Gebäude für eintausend Gemeindemitglieder, obwohl es in der Siedlung weniger als dreihundert Engländer gab. Aungier starb und hinterließ fünftausend Rupien für die Fortsetzung der Arbeiten. Sein Bruder, der in England über den Nachlass verfügte, gab das Geld nicht heraus. Das Projekt war für die kleine Gemeinde zu groß, und über den Mauern erschien nie ein Dach.
Nach Cobbes Predigt erklärte sich Gouverneur William Aislabie bereit, den Bau wieder aufzunehmen, und ließ ein Subskriptionsbuch anlegen. Die Ostindien-Kompanie zahlte zehntausend Rupien ein. Cobbe verschickte Spendenbitten an englische Faktoreien von Persien bis China; die Kirchenvertreter in Madras lehnten ab, doch die übrigen Sammlungen ermöglichten die Fortsetzung der Arbeiten. Zu Weihnachten siebzehnhundertachtzehn zogen der Gouverneur, die Ratsmitglieder, Kaufleute und Militärangehörige vom Fort hierher. An diesem Tag wurde in der neuen Kirche ein Mädchen namens Susanna getauft. Das Gebäude nannte man vorerst einfach die St.-Thomas-Kirche.
Zwei Jahre später erfuhr Cobbe, wie unsicher seine Stellung in der Kirche war, die er fertiggestellt hatte. Das Mitglied des Bombay-Rats Braddill ließ sonntags Menschen sein Haus renovieren. Cobbe hielt die Sonntagsarbeit für einen Verstoß gegen das Gebot und ermahnte Braddill zunächst unter vier Augen. Dieser setzte die Renovierung fort. Daraufhin nannte Cobbe ihn während des Gottesdienstes vom Altar aus beim Namen, forderte Reue und drohte mit Exkommunikation.
Braddill beschwerte sich bei seinen Kollegen. Der Rat der Kompanie befahl Cobbe, sich am folgenden Sonntag nach dem Abendmahl öffentlich in derselben Kirche bei ihm zu entschuldigen. Der Priester räumte ein, dass er für den Tadel einen anderen Ort hätte wählen können, und war bereit, außerhalb der Kirche um Verzeihung zu bitten. Er weigerte sich, am Altar das zu widerrufen, was er vom Altar aus gesagt hatte: Danach würden die Gemeindemitglieder seine Ermahnungen, wie Cobbe erklärte, nicht mehr ernst nehmen. Der Rat enthob den Kaplan seines Amtes und schickte ihn nach England zurück. Dort erhielt Cobbe eine Pfarrstelle in Dorset und veröffentlichte viele Jahre später seinen eigenen Bericht über den Bau der St.-Thomas-Kirche.
Der Name des heiligen Thomas kam erst ohne ihn hinzu. Gleich nach der Eröffnung bat Cobbe den Bischof von London, die Kirche zu weihen und ihr einen Namen vorzuschlagen, erhielt jedoch keine Antwort. Erst im Jahr achtzehnhundertsechzehn weihte Bischof Thomas Middleton die Kirche dem Apostel Thomas. Nach christlicher Überlieferung brachte Thomas das Christentum nach Indien; der Name verweist auf diese Überlieferung, nicht auf ein Ereignis in Bombay. In einem Buntglasfenster im südwestlichen Teil der Kathedrale ist der Apostel zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel dargestellt.
Zur Kathedrale wurde die Kirche im Jahr achtzehnhundertachtunddreißig, als hier der Bischofssitz von Thomas Carr, dem ersten Bischof von Bombay, eingerichtet wurde. Heute finden hier Gottesdienste der Diözese Mumbai der vereinten protestantischen Kirche von Nordindien statt. Im Inneren ist ein Denkmal für Richard Cobbe erhalten: Die Gemeindemitglieder ließen den Mann, den die Ostindien-Kompanie aus der von ihm errichteten Kirche entfernt hatte, an ihrer Wand zurück.
Praktisch vor Ort
Aktive Kathedrale. Von außen jederzeit zu besichtigen; der Zugang zum Inneren hängt von Gottesdiensten, Veranstaltungen und den aktuellen Regelungen vor Ort ab.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Kathedrale wird als Gotteshaus genutzt. Treten Sie nur ein, wenn es angemessen ist, bewahren Sie Ruhe und machen Sie aus einem Gottesdienst keine Besichtigung; bei geschlossenem Eingang konzentrieren Sie sich auf das Gebäude und seine Lage im alten Stadtplan.
