Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Tiefes Eingangsportal
- Schebeke-Gitter
- Weintrauben und Granatäpfel am Gewölbe
- Seitliche Brunnen
Die Geschichte des Ortes
Sadych Dadaschew und Mikail Useinow, zwei junge Architekten aus Baku, formulierten für sich eine genaue Prüfung: „Damit jeder Kolchosbauer aus Aserbaidschan, wenn er hierher kommt, seinen Pavillon sofort erkennt.“ Auf der wichtigsten landwirtschaftlichen Ausstellung des Landes sollten sie mit einem einzigen Gebäude eine ganze Republik zeigen.
Dadaschew und Useinow waren ehemalige Klassenkameraden und die ersten Absolventen der Architekturfakultät des Polytechnischen Instituts Baku. Sie verdienten ihr Geld mit Entwurfsarbeiten und nahmen gemeinsam alte Paläste, Mausoleen und Wohnhäuser Aserbaidschans genau auf. Der Auftrag aus Moskau gab ihnen die Möglichkeit, diese Forschungen in Architektur zu verwandeln, die das ganze Land sehen würde.
Für den Eingang wählten sie ein tiefes Portal, das an die Öffnungen des Palasts der Schirwanschahs in Baku erinnert. In die Fenster setzten sie Schebeke ein – Gitter aus Holzteilen, die farbige Glasscheiben ohne Nägel und Klebstoff halten. Am Gewölbe erschienen Weinranken, daneben Granatäpfel, Ähren und Baumwolle. Diese Früchte erklärten den Inhalt des Pavillons: In den Sälen zeigte man die Leistungen der Republik im Baumwollanbau, Obstbau, in der Seidenraupenzucht und Viehzucht. Hinter dem Gewächshaus wuchsen aus dem Süden gebrachte Pflanzen, und in einem eigenen gläsernen Becken hielt man Kaspische Störe und Sternhausen.
Der Pavillon wurde im Jahr neunzehnhundertneununddreißig eröffnet. Dadaschew und Useinow erhielten für seinen Entwurf den Stalinpreis zweiter Klasse. Ihre professionelle Berechnung ging auf: Die nationalen Formen brachten den jungen Architekten Anerkennung in Moskau und machten das Gebäude selbst zu einem der wichtigsten Werke ihrer gemeinsamen Arbeit.
Ein Vierteljahrhundert später mussten die für die Ausstellung Verantwortlichen hier bereits elektronische Rechenmaschinen und Steuergeräte zeigen. Der WDNCh-Architekt Leonid Marinowski sollte den früheren republikanischen Pavillon für die neue technische Ausstellung anpassen. Bis zum Jahr neunzehnhundertsiebenundsechzig hatte seine Werkstatt vor dem Portal eine Wand aus Glas und Metall mit riesigen Buchstaben „WT“ errichtet – „Rechentechnik“.
Die Bauarbeiter befestigten die neue Konstruktion vor der alten Fassade. Die seitlichen Brunnen wurden dabei zerstört, doch Majolika, Stuck, Schebeke und das Portal ließ man größtenteils unter der Verkleidung. Mehrere Jahrzehnte lang sahen die Besucher einen strengen technischen Kasten, und das Werk von Dadaschew und Useinow blieb in ihm verborgen.
Als Arbeiter im Jahr zweitausendvierzehn die Paneele abnahmen, entdeckte man darunter die originalen geschnitzten Gitter und den größten Teil der Vorkriegsdekoration. Die Restauratoren legten die Ornamente bis zu den frühen Farbschichten frei und stellten die Glasmalereien, Marmorböden und die verlorenen Brunnen wieder her. Im Jahr zweitausendneunzehn eröffnete hier das Ausstellungs- und Handelszentrum Aserbaidschans: Im Gebäude werden Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.
Vor dem heutigen Portal steht keine Wand mit den Buchstaben „WT“ mehr. Unter der Aufschrift „Aserbaidschan“ sind wieder Weintrauben, Granatäpfel, Ähren und farbige Glasscheiben zu sehen – genau jene Merkmale, durch die Dadaschew und Useinow diesen Pavillon ohne Erklärungen erkennbar machen wollten.
Praktisch vor Ort
Die Fassade ist täglich zugänglich; das Ausstellungs- und Handelszentrum im Inneren arbeitet nach seinem eigenen Programm.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie das Gebäude vom Platz und von den seitlichen Teilen des Portikus aus: So lassen sich die Tiefe des Musters und die Grenze zwischen Architektur und dekorativen Gittern leichter erkennen.
