Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade des Theaters
- Überdachte Vorfahrt
- Theaterlogen
- Plakat von Nabucodonosor
Die Geschichte des Ortes
Die überdachte Vorfahrt an der Fassade des Teatro alla Scala führt in das Theater, in dem der Impresario die ganze Saison zusammenstellte: Er bestellte neue Opern, engagierte Sänger und war für gefüllte Logen verantwortlich. Hier wurden Manuskripte zu Aufführungen auf der Bühne, und das Schicksal jedes Abends wurde sofort zu einer künstlerischen und finanziellen Angelegenheit. Nur wenige Säle vom Zuschauerraum entfernt befindet sich das Museo Teatrale alla Scala, das ein Plakat aus einer jener Spielzeiten bewahrt.
Am fünften September achtzehnhundertvierzig lehnte das Publikum der Teatro alla Scala Giuseppe Verdis komische Oper Un giorno di regno ab. Nach einer einzigen Aufführung wurde sie abgesetzt. Für den jungen Komponisten war das ein Schlag gegen den Beruf, von dem er leben wollte. Giuseppe Verdi hatte seine einzige feste Stelle bereits aufgegeben – die eines städtischen Musiklehrers in Busseto – und war für Theateraufträge nach Mailand gezogen.
Bis zu jenem Abend hatte er zwei kleine Kinder verloren, und weniger als drei Monate vor der Premiere war seine Frau Margherita gestorben. Hinter ihm lag eine Oper, die vom Publikum ohne Begeisterung aufgenommen worden war, vor ihm ein Vertrag über noch mehrere Partituren. Giuseppe Verdi verlangte die Auflösung des Vertrags und erklärte, nie wieder komponieren zu wollen.
Bartolomeo Merelli, der Impresario der Teatro alla Scala, weigerte sich, ihn gehen zu lassen. Damals stellte ein Impresario eine ganze Saison selbst zusammen: Er bestellte Opern, engagierte Sänger, sorgte für gefüllte Logen und stand bei einem Misserfolg mit den Einnahmen dafür ein. Gerade Merelli hatte Giuseppe Verdi nach dessen erster Inszenierung noch drei weitere Werke in Auftrag gegeben; nun wirkte auch seine Entscheidung wie ein Fehler. Er musste den Komponisten wieder zur Arbeit bringen und anstelle des gescheiterten Stücks eine neue Aufführung erhalten.
Bei Merelli lag der fertige Text der Oper Nabucco, geschrieben von Temistocle Solera. Ein anderer Komponist, Otto Nicolai, hatte ihn bereits abgelehnt. Merelli gab Giuseppe Verdi das Manuskript und bestand darauf, dass er es wenigstens lese. Viele Jahre später erzählte Giuseppe Verdi, er habe das Bündel zu Hause auf den Tisch geworfen, die Seiten hätten sich bei den Worten des Chors der gefangenen Juden „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“ geöffnet, und diese Zeile habe ihn zum Weiterlesen gebracht. Die Erzählung wurde fast vierzig Jahre nach dem Ereignis aufgezeichnet, und in Giuseppe Verdis Darstellung finden sich Fehler in der Chronologie der Todesfälle in seiner Familie. Deshalb kann die zufällig aufgeschlagene Seite nicht als genau rekonstruierte Szene gelten. Die Abfolge selbst steht fest: Merelli löste den Vertrag nicht auf, gab ihm den abgelehnten Text, und Giuseppe Verdi schrieb die Musik.
Am neunten März achtzehnhundertzweiundvierzig wurde Nabucco erstmals auf dieser Bühne aufgeführt. Im Herbst kam die Oper auf siebenundfünfzig Aufführungen. Bis zum Jahr achtzehnhundertvierundvierzig war sie an fast sechzig Theatern inszeniert worden. Merelli hatte einen neuen Erfolg und bestellte bei Giuseppe Verdi die nächste Oper; der Komponist, der den Beruf hatte aufgeben wollen, erhielt nun Angebote aus anderen Städten. Später nannte er Nabucco den eigentlichen Beginn seiner schöpferischen Laufbahn.
Im Museo Teatrale alla Scala wird das Originalplakat jener Saison aufbewahrt. Darauf steht der vollständige Titel – Nabucodonosor; die Kurzform Nabucco setzte sich zwei Jahre später durch. Das Plakat befindet sich nur wenige Säle von der Bühne entfernt, auf der das Publikum Giuseppe Verdis Karriere zunächst nach einem Abend beendete und dann siebenundfünfzigmal hintereinander für seine Rückkehr zahlte.
Praktisch vor Ort
Die Fassade kann frei besichtigt werden, das Museum wird jedoch separat besucht; die Sicht in den Zuschauerraum kann vom Theaterbetrieb abhängen.
