Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Reiterdenkmal für Viktor Emanuel II.
- Ausgang der Via Torino
- Seitliche Portiken
- Fassade des Mailänder Doms
Die Geschichte des Ortes
Am siebten Mai achtzehnhundertachtundneunzig ritt General Fiorenzo Bava Beccaris auf die Piazza del Duomo. Er befehligte das Mailänder Armeekorps und sollte das Stadtzentrum wieder unter Kontrolle bringen. Auf der Via Torino standen bereits etwa hundert Meter von hier entfernt Barrikaden. Andere versperrten die Straßen, die auf den Platz führten.
Piazza del Duomo bedeutet wörtlich Domplatz. Die Mailänder benannten ihn nach dem Mailänder Dom, doch die heutige Weite vor ihm entstand erst vergleichsweise spät. In den sechziger und siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts ließ der Stadtrat die überdachte Handelsanlage Coperto dei Figini und das enge Viertel Rebecchino abreißen, baute seitliche Portiken und öffnete den Durchgang zur neuen Galleria Vittorio Emanuele II. Anstelle von Läden, Gaststätten und Wohnhäusern entstand ein breites Rechteck, auf das die wichtigsten Straßen des Zentrums zuliefen. Für Feierlichkeiten war dies eine geeignete städtische Bühne. Für den General war es ein fertiger Exerzierplatz und ein Knotenpunkt, von dem aus sich Mailand Stück für Stück einnehmen ließ.
Auslöser der Unruhen war der Anstieg des Brotpreises. Für Familien, die vom Tageslohn lebten, bedeutete die Verteuerung weniger Essen, nicht weniger Ausgaben für Annehmlichkeiten. Am sechsten Mai begannen die Zusammenstöße. Am folgenden Tag legten Zehntausende Arbeiter die Arbeit nieder, und Menschenmengen zogen von den Außenbezirken ins Zentrum.
Bava Beccaris war seit achtzehnhundertfünfundneunzig für diese Stadt verantwortlich; seine weitere militärische Laufbahn hing davon ab, ob er Mailand für die Monarchie halten würde. Seinen Plan schilderte er später beinahe tageweise. Zuerst sollten die Truppen die Piazza del Duomo halten und die Aufständischen zu den Stadttoren zurückdrängen. Dann sollten sie die Tore und die Boulevards besetzen, danach die Vororte und die Eisenbahnlinien. Am Abend des siebten Mai erhielt der General die Vollmachten eines königlichen Kommissars: Das bedeutete, dass er die Provinz als militärische Zone verwalten konnte. Der Platz füllte sich mit Infanterie, Kavallerie und Armeewagen; von hier aus schwärmten die Einheiten in die Straßen aus.
Die Piazza del Duomo selbst war das Hauptquartier der Operation, geschossen wurde in verschiedenen Teilen Mailands. Bava Beccaris befahl, das Feuer zu eröffnen; die Truppen setzten auch Artillerie ein. Nach offizieller Zählung starben etwa achtzig Menschen, mehrere Hundert wurden verletzt. Gegner der Regierung nannten wesentlich höhere Zahlen. Tausende Menschen wurden verhaftet, oppositionelle Zeitungen geschlossen. Bis zum zehnten Mai hatte der General seinen Plan ausgeführt.
Im Zentrum des Platzes stand damals bereits seit zwei Jahren die Bronzestatue von Viktor Emanuel II., dem ersten König des geeinten Italien. Umberto I., der im Jahr achtzehnhundertachtundneunzig regierte, war sein Sohn. Einen Monat nach den Erschießungen zeichnete Umberto Bava Beccaris mit einem hohen Militärorden aus, und bald darauf wurde der General Senator.
Diese Auszeichnung sah Gaetano Bresci, ein italienischer Weber und Anarchist, der in der Seidenfabrik in Paterson in den Vereinigten Staaten arbeitete. Er hatte eine gut bezahlte Stelle als Meister, eine Ehefrau, eine kleine Tochter und ein weiteres Kind, das die Familie erwartete. Bresci verließ sie und kehrte nach Italien zurück. Vor Gericht erklärte er, er habe sich nach den Mailänder Ereignissen und der Auszeichnung ihrer Organisatoren zum Mord entschlossen. Am neunundzwanzigsten Juli neunzehnhundert erschoss er in Monza König Umberto I. Bresci wurde zu lebenslanger Haft verurteilt; im folgenden Jahr fand man ihn tot in seiner Zelle. Als offizielle Ursache wurde Selbstmord genannt. Bava Beccaris behielt seinen Sitz im Senat und starb im Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig.
Auf dem Platz gibt es kein Militärlager mehr. Geblieben sind das Reiterdenkmal für den Vater des Mannes, der den General auszeichnete, und der Ausgang der Via Torino in der südwestlichen Ecke – genau jener Straße, deren Barrikaden Bava Beccaris hundert Meter von hier entfernt sah.
Praktisch vor Ort
Am besten hört man die Erzählung abseits des Hauptstroms und behält dabei den Blick auf das Denkmal und die Domfassade.
