Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Gedenkrelief an der Rue Curiol
- Zwei Profilporträts
- Silhouette des Ballons „Le Gabizos“
- Schilder der Place Jean-Jaurès (La Plaine)
Die Geschichte des Ortes
Auf den Schildern steht „Place Jean-Jaurès (La Plaine)“, doch die Marseiller sagen häufiger „La Plaine“. Der umgangssprachliche Name blieb von der früheren Place Saint-Michel – dem Platz des heiligen Michael. Der offizielle Name kam im Jahr neunzehnhundertneunzehn: Der Stadtrat widmete den Platz dem sozialistischen Abgeordneten Jean Jaurès, der sich um eine friedliche Lösung der europäischen Krise bemüht hatte und am einunddreißigsten Juli neunzehnhundertvierzehn, am Vorabend der französischen Mobilmachung, von einem Nationalisten ermordet wurde. Jaurès hatte keine Verbindung zu diesem Platz; sein Name ist hier eine postume Widmung.
Dienstags, donnerstags und samstags wird auf La Plaine ein großer Markt für Waren und Lebensmittel aufgebaut, freitags kommen örtliche Erzeuger. Für den Handel eignet sich schon die Form des Ortes: eine breite Fläche auf der Spitze eines Hügels, auf der Hunderte von Ständen Platz finden. Als es den Markt noch nicht gab, versammelte man hier Truppenteile, veranstaltete Jahrmärkte und ließ Ballons steigen.
Am vierzehnten November achtzehnhundertsechsundachtzig bereitete der vierundzwanzigjährige Louis Capazza hier den kugelförmigen Gasballon „Le Gabizos“ für den Flug vor. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Ingenieur bei der Behörde für Straßen und Brücken, seine Freizeit und sein Geld verwendete er für Versuche mit Ballonen. Capazza wollte von Marseille in seine Heimat Korsika fliegen. Ein Versuch, diese Strecke in umgekehrter Richtung zurückzulegen, war bereits gescheitert.
Als Zweiter stieg der einundzwanzigjährige Alphonse Fondère in den Korb, ein Marseiller und Mitarbeiter der Afrika-Expedition von Pierre Savorgnan de Brazza. Der starke Mistral zwang sie mehrmals, den Start zu verschieben, und um den Korb drängte sich eine Menschenmenge. Gegen halb fünf befahl Capazza schließlich, den Ballon loszulassen. „Le Gabizos“ streifte beinahe das Dach eines Nachbarhauses. Mit einem von Capazza erfundenen Fallschirmballast gelang es, wieder Höhe zu gewinnen: Das Gerät erlaubte es, den Ballon schnell zu erleichtern, ohne den Ballast endgültig zu verlieren.
Nach einer Stunde passierten sie Cassis, dann die Îles d’Hyères. Eine Winddrehung trug den Ballon erst nach Einbruch der Dunkelheit aufs offene Meer. Als es unmöglich wurde, den Sinkflug zu steuern, warfen Capazza und Fondère den Korb ab und setzten den Flug fort, indem sie sich am Netz um die Hülle festhielten. Mehrere Stunden lang sahen sie kein Land, bis vor ihnen der Leuchtturm bei Ajaccio auftauchte.
Fünfeinhalb Stunden nach dem Start ging „Le Gabizos“ nahe dem korsischen Dorf Appietto nieder. Damit der Wind den Ballon nicht mitsamt den Menschen über den Boden schleifte, schnitten beide Aeronauten die Hülle mit Messern auf. Ein örtlicher Hirte gewährte ihnen Unterkunft für die Nacht, und am Morgen gelangten sie nach Ajaccio und schickten ein Telegramm nach Marseille. Capazza und Fondère waren die Ersten, die das Mittelmeer mit einem Ballon überquerten.
Capazza erlebte das Marseiller Denkmal für diesen Flug nicht mehr. Nach seinem Tod gründete die Tochter des Aeronauten, Zabeth Capazza, ein Komitee, gewann die Unterstützung von Städten und Luftfahrtorganisationen, und im Jahr neunzehnhundertdreißig errichteten der Bildhauer Louis Botinelly und der Architekt Gaston Castel ein Relief an der Ecke der Rue Curiol. Es befindet sich an der Wand des armenisch-katholischen Gemeindezentrums, genau am Ort des Starts. Die ursprüngliche Bemalung ist verschwunden, doch unter den beiden Profilporträts ist weiterhin die kleine Silhouette von „Le Gabizos“ zu sehen.
Praktisch vor Ort
Dienstags, donnerstags und samstags findet der Markt von 06:00 bis 13:00 statt; an den übrigen Tagen ist der Platz rund um die Uhr geöffnet.
Geprüft: 19. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Stehen Sie während der Marktzeiten nicht in den Durchgängen und achten Sie auf die Bewegung von Karren und Käuferinnen und Käufern; an den anderen Tagen bleibt der Platz zugänglich, wirkt jedoch deutlich ruhiger.
