Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Granitfassade
- Breite Treppe
- Drei Portale
- Offene Fundamente
Die Geschichte des Ortes
Eine breite Treppe führt hinauf zur Granitfassade, hinter deren drei Portalen offene Fundamente des Gebäudes und der leere Raum des ehemaligen Saals geblieben sind. Die Steinwand wurde jahrzehntelang weitergebaut: Neben einheimischen Handwerkern arbeiteten Menschen aus Japan, weshalb sich zwischen europäischen Säulen chinesische Sprüche, Chrysanthemen, ein Löwe und ein Schiff mit drei Masten finden. Nach der Schließung des Kollegs wurden seine Gebäude von Soldaten besetzt, und von der Kirche blieben Fassade und Treppe erhalten; der Grundstein an der unteren linken Ecke nennt die Stadt Macao noch immer als Auftraggeberin.
Die Steinwand oben an der Treppe ist die Fassade einer Kirche, die weder ein Dach noch Kirchenschiffe hat. Der Tempel selbst war der Muttergottes geweiht: Über dem mittleren Eingang ist bis heute die lateinische Formel „Muttergottes“ eingemeißelt. Den Namen des Apostels und Missionars Paulus trug das benachbarte St.-Pauls-Kolleg, das katholische Prediger für China und Japan ausbildete. Nach dem Kolleg nannte man zuerst den ganzen Komplex St. Paul und später auch die Ruinen.
Am siebenundzwanzigsten November eintausendsechshunderteins geriet die frühere Kirche in Brand. Der Rektor des Kollegs, Manuel Dias, berichtete dem Leiter des Jesuitenordens, jemand habe sie von außen angezündet. Die Einwohner kamen herbei, um das Feuer zu löschen. Frauen trugen Gefäße mit Wasser aus ihren Häusern, und Dienstmädchen reichten sie den Männern weiter. Den Menschen gelang es, den Tabernakel und zwei kostbare Altäre hinauszutragen, doch die Kirche brannte aus, und das Feuer beschädigte auch das Kolleg.
Die Jesuiten brauchten eine neue Kirche, während die Kaufleute der Stadt auf ein Schiff aus Japan warteten. Von einer solchen Fahrt hingen ihre Einkünfte ab: Nach Japan brachte man chinesische Seide, zurück erhielt man Silber und Waren. Auf einer allgemeinen Versammlung versprachen die Einwohner von Macao, für den Bau ein halbes Prozent der Einkünfte aus dem Japanhandel zu geben, falls das verschwundene Schiff zurückkehre. Es traf mit einer gewinnbringenden Ladung ein, und das versprochene Geld wurde dem Kolleg übergeben.
Dieselbe Verzögerung der Fahrten hielt auch einen Mann in Macao fest, der eine neue Kirche entwerfen konnte. Carlo Spinola, Jesuit und Mathematiker, bemühte sich darum, als Missionar nach Japan entsandt zu werden, doch das jährliche Schiff lief wegen Seidenmangels nicht aus. Während Spinola wartete, beauftragte man ihn mit dem Entwurf der Kirche. Die ursprünglichen Zeichnungen sind nicht erhalten, deshalb kann die Urheberschaft nicht als vollständig bewiesen gelten, obwohl Spinolas frühe Biografie und spätere Dokumente den Entwurf mit Zuversicht mit ihm verbinden.
Im Juli eintausendsechshundertzwei reiste Spinola schließlich nach Japan. Die vollendete Fassade sah er nicht. Nach dem Verbot christlicher Missionen blieb er dort heimlich, wurde verhaftet, verbrachte fast vier Jahre in Gefangenschaft und starb eintausendsechshundertzweiundzwanzig bei einer Hinrichtung in Nagasaki.
Die neue Kirche eröffnete man bereits an Heiligabend eintausendsechshundertdrei, doch an der Granitfassade baute man noch mehrere Jahrzehnte weiter. Gemeinsam mit einheimischen Handwerkern schmückten Menschen aus Japan die Fassade; nach kirchlicher Überlieferung befanden sich unter ihnen Christen, die aus ihrem Land vertrieben worden waren. Deshalb erschienen über den europäischen Säulen chinesische moralische Inschriften, ein Löwe, Chrysanthemen und ein dreimastiges Handelsschiff – eben jenes Verkehrsmittel, von dem sowohl die Missionare als auch die Menschen abhingen, die den Bau bezahlt hatten.
Eintausendsiebenhundertzweiundsechzig schloss man das Jesuitenkolleg, und seine Gebäude wurden später von Soldaten besetzt. Am sechsundzwanzigsten Januar eintausendachthundertfünfunddreißig begann ein Brand in der ehemaligen Küche des Kollegs. Das Feuer zerstörte die hölzernen Säulen, die Decke und den gesamten Innenraum der Kirche. Die Granitfassade und die Treppe blieben stehen.
Hinter den drei Portalen liegen heute offene Fundamente, und in der unteren linken Ecke der Fassade ist ein Grundstein erhalten. Seine Inschrift besagt, dass die Stadt Macao diese Kirche im Jahr eintausendsechshundertzwei freiwillig der Großen Mutter, der Jungfrau, weihte. Der Haupteingang führt zum leeren Ort des ehemaligen Kirchenschiffs, doch der Auftraggeber ist noch immer im Stein genannt: die Stadt Macao.
Praktisch vor Ort
Fassade und Treppe sind rund um die Uhr zugänglich. Das Museum für sakrale Kunst und die Krypta gewöhnlich 09:00–18:00, letzter Einlass 17:30, dienstags Schließung nach 14:00; der Ruinenbereich gewöhnlich 09:00–18:00, letzter Einlass 17:30.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Der Aufstieg liegt in der Sonne und erfordert bequeme Schuhe. Die Fassade wird von außen besichtigt; Krypta und Museumsräume sind als eigener Teil des Besuchs mit eigenen Zugangsbedingungen zu betrachten.
