Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Hohe Säule
- Bronzefigur mit einem zusammengerollten Dokument
- Wellenförmiges Pflaster
- Fassade des Theaters
Die Geschichte des Ortes
Das wellenförmige Pflaster breitet sich über eine breite freie Fläche zwischen Häusern aus, die nach dem Erdbeben neu errichtet wurden. Bei der Neugestaltung des Zentrums wurde sie nicht mit Häuserblöcken bebaut: Das alte Wort „Rossio“ bezeichnete ein gemeinsames offenes Gelände, das die Stadtbewohner nutzten. Hier erfuhr man Neuigkeiten, kaufte ein, versammelte sich zu Festen und öffentlichen Hinrichtungen; wenn die Stadt eine große Menschenmenge brauchte, war sie bereits hier.
In der rechten Hand des bronzenen Pedro IV. von Portugal auf der Spitze der Säule liegt ein zusammengerolltes Dokument. Es ist die Carta Constitucional da Monarquia Portuguesa, die er Portugal im Jahr eintausendachthundertsechsundzwanzig gewährte. Zwölf Jahre später endete der Streit um dieses Papier hier mit Schüssen.
Pedro IV. von Portugal und Pedro I. von Brasilien sind ein und dieselbe Person. Er verkündete die Unabhängigkeit Brasiliens und wurde dessen erster Kaiser; nach dem Tod seines Vaters erbte er außerdem die portugiesische Krone. Nach Lissabon kam er damals nicht: Von Rio de Janeiro aus erließ er die Carta Constitucional da Monarquia Portuguesa, die den Monarchen durch ein Parlament beschränkte, und übergab den portugiesischen Thron seiner siebenjährigen Tochter Maria. Als ihr Onkel den Thron an sich riss, verzichtete Pedro auf die brasilianische Krone, kehrte nach Europa zurück und führte den Krieg für die Rechte seiner Tochter. Maria II. wurde Königin, und ihr Vater starb kurz nach dem Sieg.
Im Jahr eintausendachthundertsechsunddreißig nannte die Regierung den Rossio (Praça de D. Pedro IV). Der alte Name blieb dennoch erhalten. Das portugiesische Wort „Rossio“ bezeichnete einen gemeinsamen offenen Ort, den die Stadtbewohner nutzten. Nach dem Erdbeben wurden die Häuser ringsum neu errichtet, doch die freie Fläche ließ man bestehen. Man kam hierher zum Einkaufen und für Nachrichten; hier veranstaltete man Feste, Hinrichtungen und politische Versammlungen. Wer eine Menschenmenge der Stadt brauchte, wusste, wo er sie finden konnte.
Die Liberalen stritten zu dieser Zeit bereits untereinander. Die Anhänger der Verfassung von eintausendachthundertzweiundzwanzig forderten direkte Wahlen und eine Kammer des Parlaments. Die Carta Constitucional da Monarquia Portuguesa sah indirekte Wahlen und eine obere Kammer vor, deren Sitze durch Erbschaft oder königliche Ernennung vergeben wurden. Im September eintausendachthundertsechsunddreißig zwang die Guarda Nacional von Lissabon Maria II., die alte Verfassung vorübergehend wieder in Kraft zu setzen. Die Guarda Nacional war eine unbezahlte Bürgerwehr; besonders entschlossen trat das Bataillon der Handwerker des Arsenal da Marinha auf. Diese Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt in den Werkstätten und traten mit ihrer politischen Forderung in die Reihen.
Ihr Kommandeur, der Marineoffizier und Inspektor des Arsenal da Marinha Ricardo José Rodrigues França, setzte sich für den Erhalt der Septembererrungenschaften ein. Am neunten März eintausendachthundertachtunddreißig besetzte sein Bataillon das Arsenal da Marinha. França schloss mit einem Regierungsvertreter eine Vereinbarung: Die Gardisten räumen das Gebäude, und sie werden nicht verfolgt. Sie zogen zum Rossio (Praça de D. Pedro IV) und gingen auseinander. Am selben Abend enthob der Regierungschef und General Sá da Bandeira França seines Amts und löste die aufständischen Bataillone auf.
Vier Tage später griffen die Gardisten erneut zu den Waffen. Sie forderten die Wiedereinsetzung Franç as und fürchteten, die Königin werde die Carta Constitucional da Monarquia Portuguesa ihres Vaters wiederherstellen. Regierungssoldaten drängten sie von ihren Stellungen, doch Sá da Bandeira hoffte noch immer, die Angelegenheit ohne einen neuen Kampf zu beenden. Er ging persönlich zwischen die Bewaffneten, überredete sie, zum Rossio (Praça de D. Pedro IV) hinabzugehen, und ging mit ihnen.
Die Quellen widersprechen einander darin, ob die Gardisten versprachen, ihre Gewehre abzugeben, oder auf dem Recht bestanden, sie mit nach Hause zu nehmen. Auf dem Platz selbst gingen ihre Kommandeure mit Sá da Bandeira in eines der Häuser, um sich über die Modalitäten der Entwaffnung zu verständigen. Draußen fiel ein Schuss. Wer zuerst schoss, stellten die Zeitgenossen nie fest. Eine Kompanie der Guarda Municipal, die von der Rua da Palma herankam, gab eine Salve auf den Platz ab. Die Kugeln trafen sowohl Gardisten als auch Menschen, die sich wegen ihrer Angelegenheiten oder aus Neugier auf dem Rossio (Praça de D. Pedro IV) befanden. Die Gardisten erwiderten das Feuer mit Gewehren und feuerten zweimal aus den mitgebrachten Kanonen. Mit Einbruch der Dunkelheit warfen die Überlebenden ihre Waffen weg und zerstreuten sich in die benachbarten Straßen.
Die Zahl der Toten blieb umstritten; gewöhnlich werden etwa hundert Menschen genannt. Der bewaffnete Flügel der radikalen Liberalen wurde zerschlagen, die Bataillone wurden aufgelöst, obwohl ihre Kommandeure nicht vor Gericht gestellt wurden. Am vierten April schwor Maria II. der neuen Verfassung Treue: Sie verband Bestimmungen des alten Textes mit einem Teil der Regeln aus der Carta Constitucional da Monarquia Portuguesa ihres Vaters.
Das Teatro Nacional D. Maria II am Nordrand des Platzes erhielt den Namen Maria II. und wurde im Jahr eintausendachthundertsechsundvierzig eröffnet. Die Säule für ihren Vater wurde im Jahr eintausendachthundertsiebzig errichtet. Die Gewehre des Bataillons des Arsenal da Marinha sind auf dem Rossio (Praça de D. Pedro IV) längst nicht mehr da; in der Hand des bronzenen Pedro blieb die Carta Constitucional da Monarquia Portuguesa, deren Rückkehr diese Menschen fürchteten.
Praktisch vor Ort
Offener Stadtplatz. Am belebtesten ist es zur Tagesmitte und am Abend.
Geprüft: 16. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Am bequemsten hört es sich seitlich, außerhalb der wichtigsten diagonalen Ströme; Kirche und Cafés sind für den Rundgang nicht erforderlich und können äußere Orientierungspunkte bleiben.
