Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Den vergoldeten Hochaltar
- Die Figuren der vier Evangelisten
- Die Figur des Erzengels Michael
- Die Seitenpaneele und die Decke des Altarbereichs
Die Geschichte des Ortes
Die Igreja de São Miguel verbindet die Erinnerung an eine mittelalterliche Gemeinde mit der späteren barocken Ausstattung. An dieser Stelle stand bereits eine dem Erzengel geweihte Kirche; sein Name blieb der Gemeinde, dem Platz und der benachbarten Straße erhalten. Im Inneren ist ein hoher vergoldeter Holzaufbau zu sehen: Inmitten der Schnitzereien ist Michael erhalten, daneben sind vier Evangelisten untergebracht. Hier wird die wichtigste Gemeindemesse gefeiert, deshalb betrafen die Veränderungen im Altarbereich das gemeinsame Zentrum des kirchlichen Lebens.
Im Jahr eintausendsiebenhundertdreiundzwanzig beschlossen Laien aus der Bruderschaft des Allerheiligsten Sakraments, den Hochaltar dieser Kirche abzubauen. Der vorherige war noch nicht einmal fünfundzwanzig Jahre alt. Die Bruderschaft verfügte über die Spenden der Gemeinde und war für den Teil der Kirche zuständig, in dem die geweihten Gaben aufbewahrt und die Messe gefeiert wurden. Ihre Mitglieder wollten einen neuen Altar, der der wichtigsten Zeremonie der Gemeinde würdig war, und engagierten den Holzschnitzer Manuel de Brito.
De Brito lebte von solchen Aufträgen: Er erhielt Bezahlung für den Entwurf, die Schnitzarbeiten und die Arbeit seiner Werkstatt. Er begann den hohen Holzaufbau hinter dem Altar, ließ ihn jedoch unvollendet und reiste plötzlich nach Rio de Janeiro. Warum der Meister gerade damals nach Brasilien ging, erklären die Dokumente nicht. Aus ihnen ist etwas anderes bekannt: De Brito forderte den noch nicht ausgezahlten Restbetrag aus dem Vertrag, doch die Bruderschaft weigerte sich zu zahlen.
Der Meister befand sich bereits jenseits des Ozeans, deshalb führte sein Bevollmächtigter den Rechtsstreit in Lissabon. Die Bruderschaft verlor, legte neue Berufungen ein und weigerte sich erneut, die Rechnung zu begleichen. Der Streit endete erst, nachdem man damit gedroht hatte, den Vorsitzenden der Bruderschaft ins Gefängnis zu bringen. Das Geld wurde de Brito nach Brasilien geschickt. Dort erhielt er bald einen Auftrag für den Hochaltar der Kirche einer Franziskanerbruderschaft in Rio und übertrug auf die neue Arbeit die Techniken, die er hier in Alfama erprobt hatte.
Die Gemeinde von Lissabon benötigte unterdessen einen vollendeten Altar. Die Bruderschaft engagierte die Schnitzer Manuel Nunes und Félix Adauto da Cunha. Sie vollendeten den zurückgelassenen Aufbau und schnitzten die Figuren der vier Evangelisten. Die Auftraggeber bezahlten, besichtigten das Ergebnis und beschlossen, die Seitenpaneele und die Decke des Altarbereichs umzugestalten. Im Jahr eintausendsiebenhundertsiebenundzwanzig nahm der Meister Santos Pacheco de Lima die Schnitzarbeiten von Adauto da Cunha auseinander und ersetzte sie durch seine eigenen. Weitere zwei Jahre gingen für die Vergoldung darauf.
Das Erdbeben von eintausendsiebenhundertfünfundfünfzig beschädigte die Türme und die Decke der Kirche, doch ein erheblicher Teil des alten Gebäudes und der vergoldeten Ausstattung blieb erhalten. Der heutige Hochaltar ist das Ergebnis jener Kette von Verträgen: Den zentralen Aufbau begann de Brito, Nunes und Adauto da Cunha brachten den Auftrag zu Ende, und Pacheco entfernte einen Teil bereits bezahlter Arbeit und schnitzte ihn neu.
Auf dem Altar ist Erzengel Michael dargestellt – der Anführer des himmlischen Heeres in der christlichen Überlieferung. Ihm war bereits die mittelalterliche Kirche geweiht, die an dieser Stelle stand; wer genau den Schutzpatron auswählte, haben die Dokumente nicht festgehalten. Der Name der Gemeinde ging auf den Platz und die benachbarte Straße über. Die Figur Michaels blieb inmitten der Schnitzereien erhalten, für die ein Meister aus Brasilien prozessierte, die Arbeit eines anderen auseinandergenommen wurde und der Vorsitzende der Auftraggeber beinahe ins Gefängnis gekommen wäre.
Praktisch vor Ort
Die Außenbesichtigung ist jederzeit möglich. Ein lokales Kirchenverzeichnis nennt Montag—Samstag von 10:00 bis 18:00 und Sonntag von 08:00 bis 22:00, doch vor dem Betreten sollten Sie den Zeitplan besser an der Tür oder in der Gemeinde überprüfen. Geprüft 2026-06-29.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Rechnen Sie nicht mit einem garantierten Zugang ins Innere. Wenn die Tür geschlossen ist, nutzen Sie die Station, um die Höhe, die Enge des Viertels und die Lage der Kirche zwischen Wohnhäusern wahrzunehmen.
