Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Ziegelgewölbe
- Beinhausbrunnen
- Öffnungen zwischen den Grüften
- Lange Bruderschaftsgruft
Die Geschichte des Ortes
Unter dem rechten Seitenschiff der Kirche verläuft ein langes Ziegelgewölbe, das in Bestattungsabteilungen unterteilt ist. Mitglieder städtischer Bruderschaften sammelten Beiträge und Almosen in einer gemeinsamen Kasse, aus der sie Kranken halfen und Totenmessen sowie Begräbnisse bezahlten. Zu solchen Zusammenschlüssen gehörten freie und versklavte Menschen. Das Gitter über dem tiefen Brunnen für Überreste erinnert daran, warum es im Untergrund so viele Knochen gibt: Frei gewordene Nischen wurden erneut genutzt, und die früheren Überreste brachte man dorthin.
Die Franziskaner weihten dieses Kloster in Lima Franz von Assisi, dem Gründer ihres Ordens. Unter der Kirche richteten sie Räume für Bestattungen ein. Die heutigen Katakomben entstanden aus einzelnen Grüften: Über jede verfügten Mönche, die Eigentümer einer Familienkapelle oder eine der städtischen Bruderschaften.
Bruderschaften waren Zusammenschlüsse von Laien mit einer gemeinsamen Kapelle und Kasse. In den Bruderschaften schwarzer Stadtbewohner Limas im siebzehnten Jahrhundert waren freie und versklavte Männer und Frauen vertreten. Sie zahlten Beiträge und sammelten Almosen; das gemeinsame Geld gaben sie für die Hilfe für Kranke, Totenmessen und Begräbnisse aus. Unter Menschen, deren Familien durch den Sklavenhandel auseinandergerissen worden waren, sicherte die Bruderschaft einem Verstorbenen einen Platz neben denen, die ihn ihren Mitbruder nannten.
Am achtundzwanzigsten November sechzehnhundertsechsundvierzig schlossen Diego de Avendaño und Manuel, zwei gewählte Verwalter der Bruderschaft Unserer Lieben Frau von den Königen, einen Vertrag mit dem Maurer Francisco Díaz. Der Notar hielt fest, dass Manuel dem westafrikanischen Volk der Wolof aus Westafrika angehörte. Die Verwalter bemühten sich um eine eigene Gruft unter der Kapelle der Bruderschaft. Der Kapellan der Bruderschaft, der Franziskaner Bartolomé de Aguilar, beteiligte sich mit Erlaubnis der Klosterleitung an dem Geschäft.
Díaz verpflichtete sich, ein dreißig Varas langes Ziegelgewölbe anzulegen – etwa fünfundzwanzig Meter. Im Inneren sollten sechsunddreißig Abteilungen für Bestattungen eingerichtet werden, bei ausreichendem Platz noch mehr. Die Franziskaner erlaubten, den unterirdischen Raum über die Grenzen der Bruderschaftskapelle hinauszuführen. Das war ein bedeutendes Zugeständnis: Oben nutzte die Bruderschaft eine kleine Kapelle, unten erhielt sie einen langen Begräbnissaal.
Der Vertrag sah auch einen tiefen, mit einem Gitter verschlossenen Beinhausbrunnen vor. Ein zweiter solcher Brunnen wurde außerhalb der Kirche eigens für Knochen und Leichen gebaut, die aus der Kapelle herausgenommen wurden. Eine Bestattungsabteilung blieb nicht für immer bei einer einzigen Person. Wenn Platz geschaffen werden musste, brachte man die Überreste in das gemeinsame Beinhaus. Daher stammen die Knochen im Untergrund: Sie sind die Folge der mehrfachen Nutzung eines begrenzten Raums und nicht das Ergebnis einer einzigen Massenbestattung.
Zehn Jahre später stürzte ein Teil der alten Kirche ein. Die Franziskaner beschlossen, die abgeschlossenen Seitenkapellen durch offene Seitenschiffe zu ersetzen, und begannen mit dem Bau einer neuen Kirche. Die Bauleute brachen Durchgänge in die Wände benachbarter Grüfte – wahrscheinlich zunächst, um Erde hinauszuschaffen und Baumaterial herbeizubringen. Treppen, die zuvor innerhalb privater Kapellen lagen, befanden sich nun unter dem allgemein zugänglichen Kirchenboden. Die Bruderschaften verloren den ausschließlichen Zugang zu ihren unterirdischen Räumen; die Mönche zahlten ihnen keine Entschädigung. Die einzelnen Grüfte verbanden sich zu einem Netz, das heute Katakomben genannt wird.
Nach der Eröffnung des städtischen Friedhofs im Jahr achtzehnhundertacht begann man, Bestattungen aus den Kirchen an Orte außerhalb des alten Zentrums zu verlegen. Heute führen Fremdenführer Besucher durch die verbundenen Gänge. Unter dem rechten Seitenschiff lässt sich noch immer die lange Gruft der Bruderschaft Unserer Lieben Frau von den Königen erkennen, und Öffnungen in ihren Wänden zeigen, wo Bauleute einen Weg zu den benachbarten Gruften brachen.
Praktisch vor Ort
Die offizielle Museumsseite nennt täglich 09:00–18:00; das Museumsportal des Kulturministeriums nennt 09:00–20:15. Planen Sie vorsichtshalber mit dem Zeitfenster 09:00–18:00 und prüfen Sie den Tag Ihres Besuchs.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Steigen Sie nur auf der zugelassenen Route in die Katakomben hinab und berühren Sie weder Überreste noch Mauerwerk. Falls der Untergrund nicht zugänglich oder Ihnen dort unwohl ist, bleiben Sie oben: Die Geschichte der Gründung und des Umbaus lässt sich auch ohne Abstieg nachvollziehen.
