Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Der Fluss Shirakawa
- Der Stein „Kani-kakuni“
- Der Weg am Wasser
Die Geschichte des Ortes
Gion-Shirakawa gehört zu Gion Kobu, einem Viertel von Kyoto, in dem erfahrene Geiko und angehende Maiko bei privaten Abenden auftreten. Geschlossene Empfänge fanden in Ochiya statt, Häusern mit getrennten Räumen: Die Gastgeberinnen versammelten ihnen bekannte Gäste, richteten das Abendessen aus und luden Künstlerinnen ein. Neben dem schmalen Weg fließt der Shirakawa, und jeden Herbst bringen die Geiko und Maiko hierher Chrysanthemen.
Der heutige Weg entlang des Shirakawa verläuft an der Stelle verschwundener Räume. Dort, wo der Stein mit der Inschrift „Kani-kakuni“ steht, befand sich bis März neunzehnhundertfünfundvierzig das Ochiya „Daitomo“, ein Etablissement für geschlossene Bankette.
Gion-Shirakawa gehört zu Gion Kobu, dem Viertel, in dem Geiko und ihre Maiko-Schülerinnen arbeiten. Ein Ochiya stellte Räume für geschlossene Bankette bereit: Die Gastgeberin kannte die Stammgäste, bestellte das Essen und lud Künstlerinnen zum Tanz, zur Musik und zum Gespräch ein. Die Gastgeberin des „Daitomo“, die ehemalige Geiko Isoda Taka, verdiente ihren Lebensunterhalt mit der Ausrichtung solcher Abende und versammelte Schriftsteller und Künstler bei sich. Durch sie wurde das Haus zu einem literarischen Salon.
Im Mai neunzehnhundertzehn kam der dreiundzwanzigjährige Dichter und Dramatiker Yoshii Isamu hierher. Er versuchte, von der Literatur zu leben, und brachte die ersten zehn Yen nach Kyoto, die er für ein geschriebenes Theaterstück erhalten hatte. Für jemanden, der erstmals Geld für einen Text bekam, war ein Besuch in Gion eine Ausgabe aus dem eigenen Verdienst und nicht aus dem Familienvermögen.
Im hinteren Teil des „Daitomo“ hatte Taka ein Zimmer von drei Tatami Größe. Es ragte über den Shirakawa hinaus, sodass das Wasser direkt unter dem Fußboden floss. Die Tradition Gions verbindet gerade dieses Zimmer mit einer Zeile von Yoshii: „So oder so ist mir Gion lieb; selbst wenn ich schlafe, fließt Wasser unter meinem Kissen.“ Die Worte „kani-kakuni“ bedeuten „so oder so“.
Im Sommer veröffentlichte Yoshii das Gedicht, und im Herbst nahm er es in seinen ersten Gedichtband auf. Die Zeile vom Wasser unter dem Kissen wurde sein bekanntester Text über Gion. Die ersten mit Literatur verdienten Gelder kehrten bereits als Ruf eines „Dichters von Gion“ zu ihm zurück; viele Jahre später schrieb er Texte für Miyako Odori.
Im März neunzehnhundertfünfundvierzig ordneten die Behörden an, die Häuser am Shirakawa als Brandschutzschneise für den Fall eines Luftangriffs abzureißen. Isoda Taka verlor sowohl ihre Wohnung als auch das Etablissement, das sie jahrzehntelang geführt hatte. Sie zog in einen Tempelraum und starb zwei Monate später. Mit dem „Daitomo“ verschwand auch das Zimmer über dem Wasser; auf dem freigewordenen Streifen wurde die heutige Straße angelegt.
Zehn Jahre später errichteten der Schriftsteller Tanizaki Junichiro und andere Freunde von Yoshii zu dessen siebzigstem Geburtstag einen Stein. Der Ort wurde genau gewählt: Das Denkmal nahm den Platz des „Daitomo“ ein, und Yoshii erhielt es noch zu Lebzeiten. An jedem achten November bringen die Geiko und Maiko von Gion Kobu hierher Chrysanthemen. Der Shirakawa fließt nun neben dem Stein; das Zimmer, unter dessen Kissen er floss, gibt es nicht mehr.
Praktisch vor Ort
Der öffentliche Spazierweg entlang des Shirakawa wirkt wie eine gewöhnliche Stadtstraße; beachten Sie die Schilder an privaten Zufahrten und halten Sie die benachbarten schmalen Gassen nicht für eine Touristenattraktion.
Geprüft: 16. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Bleiben Sie auf dem öffentlichen Weg, blockieren Sie die Brücke nicht für inszenierte Aufnahmen und betreten Sie keine Grundstücke bei den Häusern. Geben Sie am Schrein denjenigen Platz, die zum Beten gekommen sind.
