Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Mauern und Türme des Klosters
- Troizki-Sobor
- Kelar-Zellen
- Seitenkapelle des Michail Malein
Die Geschichte des Ortes
Sechs Stunden lang weigerte sich Nonne Marfa, ihren sechzehnjährigen Sohn aus dem Ipatios-Kloster nach Moskau ziehen zu lassen. Die Gesandten baten Michail Fjodorowitsch Romanow, eine ohne ihn bereits getroffene Entscheidung anzunehmen: Zar zu werden. Für die Mutter klang das wie die Bitte, ihren Sohn dorthin zu schicken, wo man innerhalb weniger Jahre einen jungen Herrscher getötet, einen anderen gestürzt und den Zarenpalast verwüstet hatte.
Marfa war nicht aus eigenem Willen Nonne geworden. Vor ihrer Tonsur hieß sie Ksenia Schestowa. Im Jahr eintausendsechshunderteins beschuldigte Zar Boris Godunow die Romanows einer Verschwörung und ließ Ksenia und ihren Mann, Fjodor Romanow, später Filaret, zu Mönchen scheren, um mögliche Rivalen auszuschalten. Fjodor erhielt den Namen Filaret, Ksenia den Namen Marfa; die Eheleute wurden getrennt und verbannt. Auch der kleine Michail wurde aus Moskau fortgeschickt. Später kehrte die Familie zurück, doch zu Beginn des Jahres eintausendsechshundertdreizehn befand sich Filaret in polnischer Gefangenschaft.
Marfa erbte Dörfer und Land im Kreis Kostroma. Diese Besitzungen unterhielten ihr Haus, ihre Dienerschaft und ihren Sohn; nach der Befreiung des verwüsteten Moskau zogen Mutter und Michail daher auf das Familiengut bei Kostroma und suchten anschließend hinter den Steinmauern des Klosters Schutz. Im März lebten sie in den Kelar-Zellen – einem Gebäude, das man später die Gemächer der Romanow-Bojaren nannte.
Der vollständige Name des Klosters verbindet zwei Weihen. Die Hauptkirche ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht, und das Kloster heißt Ipatios-Kloster nach dem heiligen Märtyrer Ipatiy von Gangra, dem Bischof der antiken Stadt Gangra in Kleinasien. Eine Klosterüberlieferung erzählt, Ipatiy sei dem erkrankten tatarischen Würdenträger Tschet erschienen; dieser sei geheilt worden und habe hier das Kloster gegründet. Frühe Dokumente bestätigen diese Geschichte nicht, daher bleibt Tschet eine Gestalt der Überlieferung.
Während Michail hier lebte, trat in Moskau der Semski Sobor zusammen – eine Versammlung von Geistlichen, Bojaren, Adligen, Stadtbewohnern und Kosaken, die nach jahrelangen inneren Kämpfen zur Wahl eines Herrschers einberufen worden war. Die Romanows waren mit der früheren Zarenfamilie verwandt, und Michails Vater bekleidete ein hohes Kirchenamt. Michail selbst war zu jung, um bereits eine eigene Partei und alte Gegner zu haben. Er wurde in Abwesenheit gewählt.
Am vierzehnten März nach dem damaligen Kalender zog eine Prozession mit der Sobor-Urkunde zum Kloster. Der Erzbischof Feodorit von Rjasan, der die Gesandtschaft anführte, wollte die Zustimmung des gewählten Zaren und den Segen seiner Mutter erhalten. Michail und Marfa empfingen die Gesandten am Tor und wollten zunächst nicht einmal mit ihnen in den Troizki-Sobor gehen. Dann betraten alle die Kirche, lasen die Urkunde – und hörten erneut eine Ablehnung. Der Bericht, den die Gesandten unmittelbar nach den Ereignissen nach Moskau schickten, spricht von Zorn, Tränen und stundenlangen Überredungsversuchen.
Marfa beschränkte sich nicht auf Worte über die Angst einer Mutter. Sie erinnerte daran, dass die Menschen den früheren Herrschern bereits Treue geschworen und sich dann ihren Gegnern zugewandt hatten. Nach dem Tod von Boris Godunow wurden sein sechzehnjähriger Sohn Fjodor II. und seine Witwe Maria getötet. Der nächste Zar wurde gestürzt, gewaltsam zum Mönch geschoren und in Gefangenschaft übergeben. Die Staatskasse war leer, viele Städte und Dörfer verwüstet, und es gab nichts, womit man die Dienstleute bezahlen konnte. Wenn Michail den Thron annehme, sagte Marfa, könne er zugrunde gerichtet werden. Auch Filaret könne leiden: Der polnische König hielt Michails Vater als Geisel und konnte sich für die Thronbesteigung des Sohnes an ihm rächen.
Die Gesandten erwiderten, eine neue Ablehnung werde die Anhänger verschiedener Anwärter erneut gegeneinander aufbringen und das Blutvergießen fortsetzen. Sie versprachen, sich um den Austausch Filarets zu bemühen. Schließlich segnete Marfa Michail. Den genauen Zeitpunkt ihrer Entscheidung erklären die Quellen nicht. Die geläufige Darstellung, in der die Mutter ihren Sohn gerade mit der Feodorow-Ikone der Gottesmutter segnet, entstand später; der zeitgenössische Bericht spricht von herbeigebrachten Ikonen, einem Gebet und dem mütterlichen Segen, hebt dieses Bild jedoch nicht als entscheidende Geste hervor.
Michail nahm die Sobor-Urkunde und den Zarenstab entgegen. Ein Bote brachte die Nachricht unverzüglich nach Moskau. Fünf Tage später verließ Michail das Kloster, brauchte sieben Wochen durch die Schlammzeit des Frühlings bis zur Hauptstadt und wurde im Sommer zum Zaren gekrönt. Filaret überlebte die Gefangenschaft, kehrte nach sechs Jahren durch einen Austausch zurück, wurde Patriarch und regierte gemeinsam mit seinem Sohn. Michail regierte zweiunddreißig Jahre, und seine Nachkommen besetzten den Thron mehr als drei Jahrhunderte lang.
Der Sobor, in dem Marfa ihre Ablehnung aussprach, ist nicht erhalten. Im Jahr eintausendsechshundertneunundvierzig explodierte in seinem Untergeschoss gelagertes Schießpulver und zerstörte die Kirche. Den heutigen Troizki-Sobor errichtete man an derselben Stelle auf Befehl von Michails Sohn, Zar Alexei Michailowitsch. Darin bewahrte man die Seitenkapelle des Ipatiy von Gangra und richtete eine weitere ein – zu Ehren von Michail Malein, dem Heiligen, nach dem der erste Zar aus dem Haus Romanow benannt wurde. Heute werden in dieser Seitenkapelle des aktiven Klosters wieder Gottesdienste gefeiert.
Praktisch vor Ort
Museumsgelände: vom 1. Mai bis 30. September 09:00–17:30; vom 1. Oktober bis 30. April 10:00–17:00; am 1. Januar geschlossen; Eintritt während der Museumsöffnungszeiten mit Eintrittskarten.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Das Kloster bleibt ein religiöser Ort mit eigenen Regeln für Kirchen und Museumsräume. Klären Sie den Zugang im Voraus; bei geschlossenem Gelände kann die Erzählung an den Außenmauern beendet werden.
