Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Der weiße Rumpf der Witjas
- Masten und Decksaufbauten
- Die Kaimauer
- Museumsschiffe
Die Geschichte des Ortes
Die Abkürzung NIS im Namen steht für Forschungsschiff. Der weiße Rumpf mit Masten diente Ozeanologen: Unter den Decks befanden sich Laboratorien, Probenlager und Winden für Arbeiten in der Tiefe. Kajüten und Maschinenraum haben ihre frühere Einteilung bewahrt, und das heutige Ufer der historischen Flotte begann man um das Schiff auf einem Gelände mit beschädigter Kaimauer zusammenzustellen.
Am zwölften Juli neunzehnhundertvierundneunzig schleppten Schlepper ein Schiff mit auf das Deck gelegten Masten den Pregel entlang. Um es zu diesem Liegeplatz zu bringen, vertieften Arbeiter die Fahrrinne, hoben Stromleitungen an und öffneten eine zweistöckige Brücke. Hinter der Brücke richtete man die Masten wieder auf. So legte die Witjas die letzten Kilometer eines Weges zurück, der fünfzehn Jahre zuvor begonnen hatte.
Im Jahr neunzehnhundertneunundsiebzig beendete sie ihre fünfundsechzigste wissenschaftliche Expedition und kam nach Kaliningrad. Wissenschaftler hatten schon lange vorgeschlagen, an Bord ein Museum zu eröffnen. Zunächst wollte man das Schiff in Moskau aufstellen, doch sein hochseetauglicher Rumpf passte nicht durch die Kanäle. Auch in Kaliningrad fanden sich weder ein fertiger Liegeplatz noch eine Einrichtung, die bereit war, für den Unterhalt des Schiffs zu zahlen. Elf Jahre lang rostete die Witjas bei der Jantar-Werft, während Behörden einander überzeugten, sie in ihre Bilanz zu übernehmen. Auch die Zerlegung zu Schrott stand zur Diskussion.
Swetlana Siwkowa, Mitarbeiterin des Historisch-künstlerischen Museums des Kaliningrader Gebiets und ausgebildete Ozeanologin, setzte sich für den Erhalt des Schiffs ein. Sie erhielt den Auftrag, die Witjas zu untersuchen: Man nahm an, dass sie eines Tages eine Zweigstelle des Museums werden würde. Siwkowa hatte keine Position, die es ihr erlaubt hätte, der Werft oder den Ministerien Anweisungen zu erteilen. Sie versammelte Wissenschaftler und Stadtbewohner um das Schiff; ein Freundeskreis des künftigen Museums entstand. Einer der Beteiligten dieser Kampagne, der Wissenschaftler und Barde Alexander Gorodnizki, ging persönlich ins Ministerium für Kultur, um Beamte zu überreden, das Schiff zu übernehmen.
Im April neunzehnhundertneunzig gründete die Regierung in Kaliningrad das Museum der Weltmeere, und Siwkowa wurde dessen erste Direktorin. Der Beschluss rettete den Namen, aber noch nicht den Rumpf. Der Stadtsowjet übergab dem Museum ein vermülltes Gelände am Pregel mit einer beschädigten Kaimauer und zwei halb verfallenen Gebäuden. Die Akademie der Wissenschaften übergab das Schiff selbst dem Ministerium für Kultur – zusammen mit den Kosten für Reparatur und Besatzung. Auf der Jantar-Werft ersetzte man Bullaugen und Türen, belegte das Deck neu und brachte Aufbauten sowie Deckseinrichtungen in Ordnung.
Siwkowa bat bereits im Jahr neunzehnhundertzweiundneunzig darum, dieses gesamte Ufer der historischen Flotte zu widmen, als hier noch kein einziges Museumsschiff lag. Deshalb entstand die heutige Reihe von Schiffen um die Witjas und war nicht ein fertiger alter Hafen, den das Museum vollständig einnahm. Im Oktober neunzehnhundertvierundneunzig ließ man die ersten Besucher an Bord. In den Personalbestand der Kultureinrichtung mussten ein Kapitän, ein Bootsmann und Matrosen aufgenommen werden: Das große Exponat benötigte eine echte Besatzung, um schwimmfähig zu bleiben.
Die Abkürzung NIS bedeutet „Forschungsschiff“. Im Jahr neunzehnhundertneunundvierzig schlug der Ozeanologe Weniamin Bogorow vor, das frühere, als Frachtschiff eingesetzte Motorschiff Witjas nach zwei russischen Korvetten zu benennen. Die Erste Korvette Witjas brachte den Ethnografen Nikolai Miklucho-Maclay nach Neuguinea. Auf der Zweiten Korvette Witjas maß der Marineoffizier Stepan Makarow Temperatur und Dichte des Ozeanwassers und veröffentlichte anschließend das Werk „Witjas und der Stille Ozean“. Der Direktor des Instituts für Ozeanologie Pjotr Schirschow zeichnete die Schrift für den neuen Namen eigenhändig.
Wissenschaftler bauten das Motorschiff zu einem schwimmenden Institut mit Laboratorien, Probenlagern und Tiefseewinden um. Auf der fünfundzwanzigsten Reise suchte die geologische Gruppe von Gleb Udintsev den Boden des Marianengrabens. Das Echolot zeigte etwa zehntausendsechshundert Meter an, doch das Gerät rechnete mit einer konstanten Schallgeschwindigkeit. Die Forscher ließen noch viele Stunden lang Thermometer und Schöpfgeräte hinab, entnahmen Wasser aus verschiedenen Tiefen, bestimmten dessen Temperatur und Salzgehalt und brachten Korrekturen an. Nach den Berechnungen ergab sich eine Tiefe von elftausendzweiundzwanzig Metern. Spätere Messungen präzisierten diese Zahl, doch damals ging sie als Rekordwert in die Nachschlagewerke ein.
Die Laboratorien, Kajüten und der Maschinenraum, die Besucher heute besichtigen, haben die Einrichtung des schwimmenden Instituts bewahrt. Auch der Liegeplatz der Witjas blieb der erste in der Reihe: Die übrigen Schiffe des Ufers der historischen Flotte stellten die Museumsmitarbeiter bereits neben dem Schiff auf, für das dieses Ufer einst bei der Stadt erbeten worden war.
Praktisch vor Ort
Mo geschlossen; Di–So Ausstellungen und Oberdecks 10:00–19:00; die Oberdecks können separat 19:00–20:00 geöffnet sein.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Vom Ufer aus lassen sich Größe und Aufbau des Schiffs gut erkennen. Der Besuch an Bord benötigt zusätzliche Zeit; bei Schwierigkeiten mit Treppen, engen Durchgängen oder der Gangway beschränken Sie sich auf die Außenbesichtigung.
