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Königsberger Dom und Kants Grab

Домский собор Кёнигсберга

Das Denkmal zeigt, wie die Stadt die Identität ihres berühmtesten Professors bestätigte.

35 Min.
Der gemauerte Königsberger Dom auf der grünen Kant-Insel.
Vika Klimovich · CC BY-SA 4.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Ziegelmauern des Königsberger Doms
  • Offene Kolonnade
  • Granitkenotaph
  • Nordöstliches Eck des Gebäudes

Die Geschichte des Ortes

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An der Nordwand des Königsberger Doms befand sich seit dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts ein Universitätsfriedhof: Hier bestattete man Professoren der Albertus-Universität Königsberg und ihre Familienangehörigen. Der gemauerte Bau des Königsberger Doms liegt heute neben einer offenen Kolonnade und einem ins Freie versetzten Granitdenkmal. Im Inneren befinden sich Museum und Konzertsaal, und regelmäßige Gottesdienste finden im Hauptraum kaum statt.

Der steinerne Sarg unter der offenen Kolonnade ist leer. Er ist ein Kenotaph – ein Grabmal ohne Leichnam. Die Überreste Immanuel Kants liegen tiefer, im Boden am nordöstlichen Eck des Königsberger Doms. Sie mussten identifiziert werden, nachdem man im Grab die Knochen zweier Männer gefunden hatte.

Kant war Professor für Logik und Metaphysik, Autor der „Kritik der reinen Vernunft“ und zweimal Rektor der Albertus-Universität Königsberg. Die Universität stand neben dem Königsberger Dom, und an der Nordwand wurden seit dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts Professoren und ihre Familienangehörigen bestattet. Deshalb trugen Studenten Kants Sarg am achtundzwanzigsten Februar achtzehnhundertvier genau hierher. Er wurde der letzte Professor, der in dieser Grablege beigesetzt wurde.

Zunächst gab es kein eigenes Grabmal. Fünf Jahre später bezahlte Kants Freund Johann Georg Scheffner, der sich für eine gekennzeichnete Grabstätte für Kant einsetzte, den Umbau der alten Grablege zu einer überdachten Galerie. Der Sarg wurde an ihren östlichen Rand versetzt, und darüber legte man einen Stein mit Kants Namen. Die Galerie erhielt den Namen „Stoa Kantiana“.

In den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts war der Bau baufällig geworden. Der städtische Ausschuss beschloss, ihn durch eine Kapelle zu ersetzen, doch zuvor mussten die Überreste gefunden werden. Im Juni achtzehnhundertachtzig öffnete man den Boden. Die Holzsärge waren vermodert. Neben einer Metallplatte mit der Aufschrift „Die sterblichen Überreste des unsterblichen Kant“ lagen die Knochen eines Mannes; darunter fand man ein zweites männliches Skelett. In der Nähe hatte man einst den Theologieprofessor Johann Ernst Schulz beigesetzt, und eine einzige Inschrift genügte nicht mehr, um zu entscheiden, wen man gefunden hatte.

Für die Überprüfung war der Anatomieprofessor der Albertus-Universität Königsberg Karl Wilhelm von Kupffer zuständig. Mit ihm arbeitete Fritz Bessel-Hagen, damals noch Kandidat der Medizin: Er sollte die Ausgrabungen dokumentieren und die Schlussfolgerung begründen, unter wessen Namen die Knochen erneut beigesetzt werden sollten. Ein Irrtum hätte die neue Kapelle in das Grab eines unbekannten Professors verwandelt.

Unmittelbar nach Kants Tod nahm man von seinem Kopf einen genauen Gipsabguss. Kupffer und Bessel-Hagen verglichen ihn mit beiden gefundenen Schädeln. Maße und Asymmetrie stimmten überein. Es blieb auch ein ganz individuelles Merkmal: Im Unterkiefer des zweiten Schädels war ein einziger Zahn erhalten – ein vorstehender rechter Eckzahn. Auf der Totenmaske entsprach ihm eine angehobene Lippe. Der Ausschuss erkannte das zweite Skelett als Kants Überreste an. Bessel-Hagen veröffentlichte einen Bericht über die Ausgrabungen, und Kupffer bereitete gemeinsam mit ihm eine gesonderte anatomische Untersuchung vor.

Am einundzwanzigsten November achtzehnhundertachtzig legte man die Knochen in einen doppelten Zinksarg und bestattete sie hier erneut. Über dem Grab errichtete man eine Kapelle. Zum zweihundertjährigen Kant-Jubiläum wurde der Architekt Friedrich Lahrs beauftragt, sie durch ein neues Denkmal zu ersetzen. Im Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig entstand die heutige Kolonnade mit dem Granitkenotaph; die eigentliche Bestattung ließ Lahrs unter der Erde.

Heute befinden sich im Königsberger Dom ein Konzertsaal und ein Museum, regelmäßige Gottesdienste finden im Hauptraum nicht statt. In der Museumsausstellung wird eine Kopie von Kants Totenmaske aufbewahrt. Unter der Kolonnade im Freien liegt der leere steinerne Sarg, tiefer aber die Überreste, die Königsberger Anatomen anhand der Schädelmaße und eines vorstehenden Eckzahns identifiziert haben.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort35 Min.
Nächster PunktHochbrücke und der „Kulturort“
EintrittGelände frei zugänglich; Museum und Konzerte mit Eintrittskarte

Dom und Museum täglich 10:00–19:00; Kasse bis 18:30. Konzerte finden nach gesondertem Spielplan statt.

Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Grab und Architektur des Königsberger Doms können von außen besichtigt werden. Planen Sie das Museum, ein Orgelkonzert und andere Programme als eigenen Besuch und prüfen Sie deren Bedingungen im Voraus.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Verlassen Sie die Kolonnade und gehen Sie entlang des Königsberger Doms zum Bereich unter der Betonbrücke.

Stopp 6 von 8Weiter: Hochbrücke und der „Kulturort“

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Spuren von Königsberg in Kaliningrad: vom Königstor bis zur Friedrichsburg“ — 8 Stopps, etwa 6,7 km, 4 Std. 30 Min..

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