Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade der Real Chancillería de Granada
- Steinpflaster des Platzes
- Ausgang zur Carrera del Darro
Die Geschichte des Ortes
Unter dem Steinpflaster der Plaza Nueva fließt der Darro weiterhin, obwohl der Fluss hier nicht sichtbar ist. Einst drängten sich zwischen der Calle Elvira und der Straße zur Alhambra Häuser, und dort stand eine alte Brücke; dann überspannte man das Flussbett mit einem Gewölbe und legte über dem Wasser einen breiten Platz an. Gegenüber erhebt sich die Fassade der Real Chancillería de Granada, des früheren Hauptgerichts Südspaniens, wo heute das Tribunal Superior de Justicia de Andalucía tagt. Der Name Neuer Platz hat seine Neuheit überdauert, und der Fluss ist unter den Füßen geblieben.
Am neunten November eintausendfünfhundertfünfzig wurde dem Textilhändler Fernando de Torres auf einem hölzernen Podest inmitten dieses Platzes sein Urteil laut vorgelesen. Die Inquisitoren stuften ihn als Judaisierenden ein – als einen getauften Menschen, der weiterhin dem jüdischen Glauben anhing. Er wurde dazu verpflichtet, lebenslang ein Sanbenito, ein Bußgewand, zu tragen, ins Gefängnis gebracht, und sein Vermögen wurde ihm genommen.
Fernando war aus Málaga gekommen. Einer der Zeugen erinnerte sich später, dass er vor seiner Heirat nicht einmal einen eigenen Mantel besessen hatte. Der Vater der Braut gab dem jungen Paar etwas Geld, und sie eröffneten einen winzigen Laden, um davon leben zu können. Fernandos Frau, Gracia Rodríguez, brachte eine Mitgift in die Familie ein. Gemeinsam handelten die Eheleute mit Stoffen und fertiger Kleidung, fuhren zu Jahrmärkten und erwarben innerhalb weniger Jahre ein beträchtliches Vermögen. Nach dem Tod von Gracia überstand der Laden noch einen Bankrott und begann wieder Gewinn abzuwerfen. Gerade dann verhaftete die Inquisition Fernando und verzeichnete das gesamte aufgefundene Vermögen auf seinen Namen.
Das Autodafé, an dem er teilnahm, war eine öffentliche Verkündung von Urteilen. Die Untersuchung fand hinter verschlossenen Türen statt, doch hier führte man die Angeklagten vor, damit die Stadtbewohner ihre Bußgewänder sahen und ihre Strafen hörten. Für Fernando bedeutete das Urteil Gefängnis; für seine Kinder den Verlust dessen, was ihre Mutter erwirtschaftet hatte.
Francisco, Beatriz, Isabel und María de Torres verlangten die Rückgabe der Mitgift ihrer Mutter und der Hälfte des gemeinsam erworbenen Vermögens. Der Vertreter der Inquisition erwiderte, Fernando habe schon vor der Hochzeit als Ketzer gegolten, und deshalb habe das Eigentum angeblich längst der Staatskasse gehört. Er versuchte sogar, den Heiratseintrag anzufechten. Die Kinder sammelten Aussagen von Nachbarn, fanden das Dokument über die Mitgift und bewiesen, dass die Eheleute den Laden gemeinsam aufgebaut hatten. Am vierten November eintausendfünfhunderteinundfünfzig verpflichtete das Gericht die Staatskasse, den Erben neuntausendfünfhundertzweiundfünfzig Maravedís und die Hälfte der bei der Verhaftung inventarisierten Gegenstände zurückzugeben. Fernando blieb verurteilt, doch die Konfiskation verschlang nicht den Anteil der verstorbenen Gracia.
Für ein solches Schauspiel war ein offener Raum nötig, und ein halbes Jahrhundert vor dem Urteil gegen Torres gab es ihn hier noch nicht. Zwischen der Calle Elvira und der Straße zur Alhambra floss der Darro, daneben drängten sich Häuser, und eine alte Brücke stand dort. Auf Bitte des Stadtrats stellte König Ferdinand der Katholische Geld für den Kauf und den Abriss der Gebäude bereit. Der Steinmetz Miguel Sánchez de Toledo überspannte zweiundsiebzig Meter des Flussbetts mit einem Gewölbe und legte bis zum Jahr eintausendfünfhundertfünfzehn über dem Wasser einen breiten Platz an. Der Name Plaza Nueva – Neuer Platz – entstand damals und überdauerte seine eigene Neuheit.
Später errichtete man gegenüber die Real Chancillería de Granada, das Hauptgericht der südlichen Hälfte Spaniens. Die Gefängnisse der Inquisition lagen nahe der Calle Elvira, deshalb war es leicht, die Verurteilten von dort auf den Platz zu führen, auf dem die Menge Platz fand. Das Podest, Fernandos Sanbenito und das Gefängnis sind verschwunden. Der Darro fließt weiterhin unter dem Steinpflaster, und das Gebäude der Kanzlei bleibt ein Gericht: Heute tagt dort das Tribunal Superior de Justicia de Andalucía.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Platz; günstiger tagsüber und am frühen Abend.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Den Fluss unter dem Platz kann man nicht sehen – wichtig ist hier die ebene Fläche über dem fließenden Wasser. Betrachten Sie die Fassaden vom Rand des Menschenstroms aus und achten Sie in der Menge auf Ihre Sachen.
